21.02.2020 - 10:35 Uhr
PressathDeutschland & Welt

"Gott ist nicht katholisch"

Die Bestseller-Autorin Hera Lind hat in ihrem jüngsten Buch "Vergib uns unsere Schuld" - nach einer wahren Geschichte - die Problematik des Pflichtzölibats katholischer Priester spannend aufbereitet.

Die Bestsellerautorin Hera Lind kommt am 20. September zu einer Lesung nach Pressath.
von Redaktion ONETZProfil

Der angesehene, religions- und kirchenferne Mann der Protagonistin Carina Kramer, sozialistisch linientreu und ausgestattet mit allen Privilegien der DDR, stirbt. Sie gelangt an ihre frommen Wurzeln zurück in den Schoß der katholischen Mutter Kirche und fühlt sich in ihrer Trauer gut aufgehoben. Vier Monate nach der Beerdigung bei einer "wunderbaren Begegnung" schlägt Gott Amor zu. Die Witwe mit drei Kindern "schockverliebt" sich in das "achte Weltwunder", den "schönen" Pater Raphael, einen "Heiligen direkt aus dem Himmel".

Diese zeigt sich rigoros hart, als die Liaison ihres Priesters öffentlich bekannt wird. Die beiden aufrichtig Verliebten erkennen enttäuscht: "Gott ist nicht katholisch." Sie durchleben eine wechselvolle Zeit der Zweifel und ein Auf und ab von Freude und Enttäuschung. Dennoch bleiben die Witwe und der Pater zusammen, "wurden eins" nach einem Viertel der knapp 440 Seiten, sind fruchtbar und vermehren sich. Am Ende fühlen sie sich wie "Flüchtlinge aus der DDR und Abtrünnige der katholischen Kirche".

Der Handlungsverlauf der Liebesgeschichte ist eingebettet in die deutsch-deutsche gesellschaftliche Entwicklung vor und bei der Wende. Das Geschehen wird in allen seinen Auswirkungen anhand der strengen katholischen Zölibatsverpflichtung des Paters aus dem Blickwinkel einer betroffenen Frau anschaulich und mitreißend erzählt. Auch wenn die Konstruktion der Dramaturgie immer wieder durchscheint, überwiegt der Wahrheitsgehalt der Tragik. Falls Gott nicht im Spiel sein sollte, sorgt die Roman-Fee für eine glückliche Wendung im Zusammenwachsen der kinderreichen Familie.

Was im Roman nach dem realen Erfahrungsgeschehen der Protagonistin gestaltet wird, trifft in der Lebenswirklichkeit die Betroffenen ebenso dramatisch: die Übergeberin der Tatsachengeschichte an die Autorin Hera Lind erlag ihrem Krebsleiden, bevor der Roman zu Ende geschrieben und veröffentlicht war.

Die eigentlich Ursächlichen und Verantwortlichen dieser Misere bleiben uneinsichtig, sie sind deshalb nicht loszusprechen. Der eigentliche Herr der Kirche allerdings steht auf der Seite der leidenden Opfer. Der Roman verdient deshalb Aufmerksamkeit, weil er ein leidiges hochbrisantes Thema einfühlsam und nachvollziehbar mit lebensfroher Ernsthaftigkeit darstellt und einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion und Meinungsbildung über das verpflichtende Zölibatsgelöbnis der katholischen Priester in der heutigen Zeit liefert.

Hera Lind: "Vergib uns unsere Schuld". Roman nach einer wahren Geschichte. 400 Seiten, 9,99 Euro, Diana Verlag.

Info:

Lesung

Zum Stadtjubiläum „175 Jahre Stadt Pressath“ kommt die Spiegel-Bestseller-Autorin Hera Lind am Sonntag, 20. September (20 Uhr, Pfarrsaal) zu einer moderierten Lesung nach Pressath. Unter dem Motto „Best of Bestsellers – Zwischen Superweib und Schleuderprogramm, Verwechseljahren und Kuckucksnest“ spricht die Erfolgsautorin über ihre erfolgreichsten Romane und wird dabei einen Schwerpunkt auf ihren neuen Roman „Vergib uns unsere Schuld“ nach einer wahren Geschichte legen. Kartenreservierung: Telefon: 09644/8000

Info:

Zur Person

Hera Lind (63) stammt aus einem streng katholischen Elternhaus und verbrachte ihre Kindheit in Pressath (Kreis Neustadt/WN). Sie studierte in den 70er Jahren neben Germanistik auch Theologie studiert, ist mehrfache Mutter und kann sich gut in die Gefühlslage der Protagonistin hineinversetzen. 1988 erschien ihr erster Roman „Ein Mann für jede Tonart“, der sic h zwei Millionen Mal verkaufte. Mit „Das Superweib" (1994) gelang ihr der endgültige Durchbruch als Schriftstellerin gelang. Der Roman verkaufte sich fast drei Millionen Mal. Weitere Bestseller in Millionenauflage folgten.

Cover des neuen Romans von Hera Lind.

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