09.09.2020 - 11:40 Uhr
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Hans Schwemmer: Ein Leben für Gott und die Menschen

Brückenbauer und Hoffnungsträger - so lautete einst der Titel einer Laudatio auf den vor knapp 20 Jahren verstorbenen Apostolischen Nuntius Dr. Hans Schwemmer. Am 11. September würde der gebürtige Oberpfälzer seinen 75. Geburtstag feiern.

Dr. Hans Schwemmer wurde im Herbst 2001 jäh aus dem Leben gerissen. Der aus Riggau bei Pressath stammende, ehemalige Apostolische Nuntius würde am Freitag, 11. September 2020, seinen 75. Geburtstag begehen.
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Kraftvoll im Glauben, beherzt im Menschsein: Noch heute wirkt die religiöse Schaffenskraft eines Hans Schwemmer nach. Und zwar so sehr, dass an seiner Grabesstätte in der Kirche St. Georg in Pressath immer wieder frische Blumengebinde niedergelegt werden. Oft in rot und gelb, weiß und schwarz gehalten, den Nationalfarben von Papua-Neuguinea.

In jener fernen Region im südwestlichen Pazifik war Schwemmer vier Jahre lang als Apostolischer Nuntius tätig, ehe er am 1. Oktober 2001 im Alter von 56 Jahren im australischen Cairns überraschend verstarb. An diesem Freitag würde der sowohl in Kirchenkreisen als auch in der Öffentlichkeit hoch angesehene Titularerzbischof von Ravello seinen 75. Geburtstag feiern. "Erst letzte Woche habe ich einige Akten aufgearbeitet und an das Diözesanmuseum in Regensburg übergeben", sagt sein Bruder Anton Schwemmer. "Die Erinnerung an ihn ist, auch wenn sein Tod schon länger zurückliegt, wachgeblieben."

Das Wort "Karriere" scheint bei einem Priester und Gottesmann nicht unbedingt angebracht, trägt es doch starke Züge des Weltlichen in sich. Und doch beschreibt der Ausdruck treffend den außergewöhnlichen Werdegang des höchsten kirchlichen Würdenträgers der Region.

Auf einem Bauernhof in Riggau bei Pressath geboren nimmt das Leben von Hans Schwemmer einen Weg, den er sich selbst so wohl nicht vorgestellt hätte. Das Abitur am Augustinus-Gymnasium Weiden und das Theologiestudium an der neu gegründeten Universität in Regensburg mit der Matrikelnummer 1 bilden die Grundlage für einen bemerkenswerten klerikalen Werdegang. Der Priesterweihe im Juli 1971 folgen die Kaplansjahre in Sulzbach-Rosenberg und Cham sowie die kirchliche Diplomatenausbildung in Rom. Indien, Brüssel und Argentinien sind die ersten Auslandsstationen nach der Beiordnung zur Apostolischen Nuntiatur.

Schon hier zeigt sich, dass Schwemmer den sozialen Gedanken an die oberste Stelle seines religiösen Wirkens stellt. Einen Urlaub in der Heimat nutzt der in der nördlichen Oberpfalz stark verankerte Gottesmann im Advent 1987 zu einem Spendenaufruf. Und die Leser unserer Zeitung geben Geld: 107 000 D-Mark kommen für den Bau eine Schultrakts in den Slums von Buenos Aires zusammen. Zehn Jahre später wendet sich Schwemmer erneut an seine Heimatzeitung. Und wieder gelingt es, dank der Spendenbereitschaft der hiesigen Bevölkerung zu helfen. 170 000 D-Mark kommen diesmal zusammen und lindern so manche Not auf der von einer verheerenden Dürrekatastrophe heimgesuchten Pazifikinsel Neuguinea.

"Hilfsbereitschaft, der Einsatz für die Armen und Schwachen, das hat ihn ausgezeichnet", beschreibt Anton Schwemmer die innere Einstellung seines Bruders. "Und er hat Gradlinigkeit und Offenheit an den Tag gelegt, auch wenn er mit seinen Positionen nicht immer nach den Vorstellungen anderer handelte." Parallelen im Denken und Handeln zum aus Argentinien stammenden Papst Franziskus sind unverkennbar. "Beide müssen sich gekannt haben", glaubt Anton Schwemmer. "Da gibt es Verbindungen und ähnliche Ansätze."

Kardinal Lehmann gedenkt Hans Schwemmer

Als Hans Schwemmer nach fast zehn Jahren als Leiter der deutschsprachigen Abteilung am päpstlichen Staatssekretariat am 1. Juli 1997 zum Apostolischen Nuntius ernannt wird, schließt sich der Kreis. Auf Papua-Neuguinea und den Salomonen tritt der charakterstarke Gottesdiener für den katholischen Glauben ein, ganz im Sinne von Johannes Paul II. "Der du mit einzigartigen Geistesangaben ausgestattet und darüber hinaus in der Seelsorge und Menschenführung erfahren bist", lauten die persönlichen Zeilen des damaligen Papstes in der Ernennungsurkunde von Hans Schwemmer zum Apostolischen Nuntius.

Nur gut vier Jahre durfte Hans Schwemmer mehrere tausend Kilometer entfernt von seiner Oberpfälzer Heimat wirken, ehe sein erfülltes Leben ein jähes Ende fand. In seiner Geburtsgemeinde, aber nicht nur dort, ist sein Name unvergessen. Seit 2005 erinnert der "Erzbischof-Schwemmer-Platz" an den gütigen Monsignore. Der traditionelle Gedenkgottesdienst für Hans Schwemmer findet am 26. September um 15.30 Uhr in der St.-Georg-Kirche in Pressath statt.

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