08.04.2019 - 17:37 Uhr
PressathDeutschland & Welt

Im Klangrausch: Swing mit Charakter und Esprit

Jazz-Quartett der Extraklasse begeistert beim Pressather Kulturkreis mit unverstaubter und schnörkelloser Musik

Das Swing- und Jazz-Quartett „Echoes of Swing“ im Pressather Pfarrsaal (von links): Bernd Lhotzky, Colin T. Dawson, Oliver Mewes und Chris Hopkins
von Redaktion ONETZProfil

Quer durch die Welt sind sie unterwegs gewesen bis nach Pressath. "Travellin'" ist also nicht nur das Motto des Konzertprogramms, sondern auch das musikalische Gestaltungsthema von "Echoes of Swing". Was die unternehmungslustigen Reisenden in Sachen Swing und Jazz im Pfarrsaal als "beste Freunde", dem Kulturkreis zum 35. Geburtstag präsentierten, ist so hochkarätig, wie es ihre höchsten Auszeichnungen erwarten lassen. Unter anderem haben sie in Paris den "Prix de L'Académie du Jazz" und den "Grand Prix du Disque de Jazz" eingeheimst, sowie den "Jazz-Award Swinging Hamburg".

Schnörkellos weben sie aus den Instrumentalfäden den musikalischen Stoff, der Chris Hopkins (Altsaxofon), Colin T. Dawson (Trompete, Gesang), Bernd Lhotzky (Piano) und Oliver Mewes (Schlagzeug) seit 20 Jahren verbindet. Hier musiziert ein begeistertes und begeisterndes Team, als wären sie zu einem vierblättrigen Kleeblatt verwachsen. Was das Quartett gestaltet, ist kein Nachhall (Echo), wie es der Bandname vermuten ließe, es ist vielmehr frischer, beseelter, unverstaubter Swing von origineller eigener Kreation. Mit George Gershwins "Somebody loves me" und Cole Porters "Just one of those Things" sind sie mittendrin. Ein tonales Feuerwerk, das die Soli immer wieder anfachen, ist entzündet. Sie fühlten sich heute "pudelwohl", gesteht der Drummer. Deshalb steht kein gedrucktes Programm bereit, "einfach aus dem Hut jammen", sei ihre Devise für die Ad-hoc-Setlist. Duke Ellingtons Ballade "On a turquoise Cloud" modulieren sie slow, um von Des-Dur nach G-Dur in eine "spektakulär höhere" Tonart zu wechseln und zu steigern. Esprit versprühen auch die Moderationen.

Die "Echoes"-Version des Songs von Hoagy Carmichael "Up a lazy River" widmen die Musiker der Seine, womit sie ihr Setting auf der Flusskreuzfahrt im Mai ankündigen. Spätestens jetzt wird dem Zuhörer klar: Der swingende Drive der vier Instrumental-Artisten ist nicht mit meisterlich, exzellent oder sonst einem Adjektiv adäquat zu benennen. Es ist der pure Wahnsinn, was hier unplugged und live abgeht. Piano und Schlagzeug arbeiten klanglich und rhythmisch präzise wie das Schaufelrad eines Mississippi-Schiffes: Die Bläser - der Trompeter warm, weich und bei Bedarf angenehm expressiv - brillieren solistisch, nähern sich wieder an bis zur Synchronität und spielen sich in einen Klangrausch etwa mit dem brasilianischen Sound bei "Ricardo Bossa Nova".

Dass sie auch "mit Noten können", wollen sie mit Richard Rogers "Where or when" beweisen, bevor Bernd Lhotzkys Bearbeitung einer Gavotte aus der 6. Englischen Suite von Johann Sebastian Bach beinahe sakralen Swing kreiert: Die Trompete gibt das Thema vor, ein Choral klingt an, der Swing fährt mit dem Piano hinein, das Schlagzeug wird zur "Pauke" und als das Saxofon mit harmonischer Klangfarbe sozusagen den Streicherpart übernimmt, stellt man sich vor, die Fülle eines Orchesters zu erleben.

Titeltypischen Charakter kennzeichnet das lässig groovende "The fiji hula bula" (Chris Hopkins), das er mit einer weiteren Anekdote aus den Reiseabenteuern der "Echoes of Swing" angekündigt hat. Besonders durch die spontane Einlage "an einem Sonntag in einem Pfarrsaal" zelebrieren der Altsaxofonist und Pianist mit "Come Sunday" in nahezu klassisch-feierlichem Charakter aus der Suite "Black, Brown and Beige" von Duke Ellington die Extraklasse der Musiker. Auf die Spitze der Töne und der Perfektion treiben die vier "Meister-Swinger" den Song "If Dreams come true" von Edgar Sampson bei ihrer Verabschiedung mit expressiven Soli. Sie gipfeln im zusammengeführten Schlusston.

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