Redaktion muss Pressemitteilungen deutlich kennzeichnen

Eine Leserin beschwert sich, weil eine Regionalzeitung Texte der AfD unbearbeitet online veröffentlicht. Der Presserat gibt ihr Recht, weil die Pressemitteilungen nicht deutlich genug als solche gekennzeichnet sind.

Fähnchen mit dem Logo der AfD.

"Wenn Redaktionen Pressemitteilungen unbearbeitet veröffentlichen, müssen sie diese schon am Anfang als solche kennzeichnen", betont der Presserat auf Twitter und verweist auf die "Drehscheibe", das Forum für Ideen und Konzepte im Lokaljournalismus. Dort hat Sonja Volkmann-Schluck, beim Presserat Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, dazu einen Beitrag veröffentlicht.

Hier geht's zum Original-Artikel der "Drehscheibe".

Der Fall

"Alternative zu Münchener Sicherheitskonferenz formuliert" - so überschreibt eine Regionalzeitung online den Bericht über eine Podiumsdiskussion der AfD. Erst unter dem Bericht informiert die Redaktion darüber, dass es sich bei dem Text um eine Pressemitteilung eines AfD-Kreisverbands handelt. Der Artikel ist bis auf minimale Anpassungen wortgleich mit der Presse-Info der Partei. Eine Leserin beschwert sich beim Presserat, dass die Zeitung regelmäßig Pressemitteilungen der AfD veröffentliche, ohne diese als Parteiwerbung zu kennzeichnen. Pressemitteilungen anderer Parteien würden nicht veröffentlicht.

Die Redaktion

Der Chefredakteur der Zeitung nimmt Stellung dazu. Er kann nicht nachvollziehen, inwieweit der kritisierte Artikel gegen den Pressekodex verstoße. Er stellt fest, dass die Redaktion die Pressemitteilung der AfD vor Veröffentlichung geprüft und keine Verstöße gegen presseethische Grundsätze festgestellt habe. Die Pressemitteilung sei als solche gekennzeichnet worden, am Ende des Textes stehe der Vermerk "Pressemitteilung der AfD, Kreisverband Rosenheim". Im Übrigen sei die Behauptung der Beschwerdeführerin, dass Pressemitteilungen anderer Parteien nicht gebracht würden, haltlos und aus der Luft gegriffen. Nach Prüfung würden die Pressemitteilungen aller Parteien in identischer Form veröffentlicht. Beschwerden heimischer Politiker habe es bislang nicht gegeben. Vielmehr habe die Redaktion häufig Lob wegen ihrer Neutralität bekommen.

Das Ergebnis

Der Beschwerdeausschuss erkennt in der Veröffentlichung der AfD-Pressemitteilung einen Verstoß gegen die in Ziffer 1 des Pressekodex geforderte wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit. Er spricht eine Missbilligung aus. Nach Richtlinie 1.3 müssen Pressemitteilungen als solche gekennzeichnet sein, wenn sie ohne Bearbeitung veröffentlicht werden. Der Hinweis auf die Pressemitteilung erst am Ende des Beitrages reicht nicht aus. Mit der Veröffentlichung von unbearbeiteten Pressemitteilungen erhalten deren Verfasser die Möglichkeit, ihre Sicht auf einen Sachverhalt ungefiltert zu präsentieren. Objektivität kann bei Pressemitteilungen grundsätzlich nicht vorausgesetzt werden. Deshalb ist es erforderlich, Pressemitteilungen auf eine Art zu kennzeichnen, die auch flüchtige Leser über diesen Umstand informiert.

Hintergrund:

Aus dem Pressekodex

Ziffer 1 (Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde): Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.

Richtlinie 1.3 (Pressemitteilungen): Pressemitteilungen müssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.

Den Pressekodex finden Sie hier.

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