Regensburg
27.02.2019 - 16:31 Uhr

Auferstanden aus Schutt und Asche

Es war ein wahrlich historischer Tag für Regensburg. Am Mittwoch wurde die Einweihung der neuen Synagoge im Herzen der Altstadt mit 300 Gästen gefeiert.

Mit Musik und Tanz trugen die Rabbiner die Thorarollen der jüdischen Gemeinde vom bisherigen Gebetsraum in die neue Synagoge. Bild: gib
Mit Musik und Tanz trugen die Rabbiner die Thorarollen der jüdischen Gemeinde vom bisherigen Gebetsraum in die neue Synagoge.

Bereits zwei Mal, vor genau 500 Jahren und vor rund 80 Jahren waren jüdische Gotteshäuser in Regensburg zerstört worden.

„Freudentag nicht nur für die jüdische Gemeinde Regensburg"

Von einem „Freudentag nicht nur für die jüdische Gemeinde Regensburg, sondern für uns alle in Bayern“ sprach Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). Es sei dankbar, dass trotz der Barbarei und der Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus Juden nach 1945 hier wieder eine Heimat gefunden haben. Jeder einzelne müsse dafür sorgen, dass offener und verdeckter Antisemitismus in Bayern keinen Platz habe, forderte Piazolo. „Wir benötigen eine Kultur des Miteinanders und des Hinschauens.“

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) erinnerte an die Eröffnung der früheren Synagoge im Jahr 1912. Bei der Einweihung habe die damalige Stadtspitze die Hoffnung geäußert, dass die jüdische Gemeinde für Jahrhunderte ein neues Herzstück bekommt. 26 Jahre später lag das Haus in Schutt und Asche, zerstört in der Reichspogromnacht 1938. „Niemals darf noch einmal etwas ähnliches geschehen wie unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten“, sagte Maltz-Schwarzfischer. „Dafür soll die neue Synagoge Symbol sein.“

Enge Kontakte zwischen der katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinde

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo sprach vor 300 Gästen in der neuen Synagoge. Bild: gib
Bayerns Kultusminister Michael Piazolo sprach vor 300 Gästen in der neuen Synagoge.

Bischof Rudolf Voderholzer sprang noch tiefer zurück in die Geschichte. 1519 war schon einmal eine Synagoge, damals am Neupfarrplatz, zerstört worden. Es schmerze ihn, dass die Christen der Stadt damals in der Mehrheit nicht den Mut aufgebracht hätten, sich mit den Juden solidarisieren, sagte der Bischof. In der jüngeren Geschichte gebe es enge Kontakte zwischen der katholischen Kirche und der jüdischen Gemeinde in Regensburg.

Josef Schuster, Zentralrat der Juden in Deutschland, zeigte sich begeistert von der neuen Synagoge als „architektonisches Meisterwerk“. Die lichtdurchflutete Dachkonstruktion ziehe die Blicke automatisch nach oben, gen Himmel. Auch Schuster warnte vor einem Ausbreiten des Antisemitismus. „Uns schlägt die Abneigung wieder direkter ins Gesicht.“ Um dem entgegenzuwirken, seien vor allem Jugendarbeit an Schulen und direkte Kontakte von Nichtjuden und Juden nötig. Schauspielerin Adele Neuhauser, bekannt als Tatort-Kommissarin trug als Schirmherrin der neuen Synagoge das Gedicht „Gemeinsam“ der Lyrikerin Rose Ausländer vor. Das Gedicht hängt als gewundenes Schrift-Kunstwerk aus Metall auch über dem Eingang der Synagoge.

Die Rabbiner um Josef Chaim Bloch (Mitte) brachten die Thorarollen in die neue Synagoge. Bild: gib
Die Rabbiner um Josef Chaim Bloch (Mitte) brachten die Thorarollen in die neue Synagoge.

Tanz und Klezmer-Musik

Begleitet von Tanz und Klezmer-Musik trugen mehrere Rabbiner um den Regensburger Rabbiner Josef Chaim Bloch die drei Thorarollen der jüdischen Gemeinde Regensburg vom bisherigen Gebetsraum in die neue Synagoge. Bloch sprach von einem „wunderbaren“ Ereignis: „Nach 80 Jahren ist die böswillig abgefackelte Synagoge wieder auferstanden.“ Langen Applaus erhielt Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, der es zusammen mit weiteren Mitstreitern gelungen war, das Neubau-Projekt innerhalb weniger Jahre zu verwirklichen.

Die Kosten für den Bau des jüdischen Gemeindezentrums sowie die Sanierung des bestehenden Altbaus belaufen sich auf neun Millionen Euro. Knapp eine Million Euro kamen durch Spenden zusammen, den Rest übernahmen Bund, Land und Stadt Regensburg. Nötig geworden war der Neubau insbesondere, da sich die Gemeinde durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion seit den 90er Jahren verzehnfacht hatte.

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