Regensburg
07.08.2019 - 17:29 Uhr

Aufschwung in Oberpfälzer Industrie vorbei

Die Stimmung in der Oberpfälzer Metall- und Elektrobranche trübt sich deutlich ein. Erste Betriebe erwägen Kurzarbeit.

Thomas Ebenhöch, Vorsitzender der Bayme-VBM-Region Oberpfalz (links), und Geschäftsstellenleiter Hermann Brandl. Bild: gib
Thomas Ebenhöch, Vorsitzender der Bayme-VBM-Region Oberpfalz (links), und Geschäftsstellenleiter Hermann Brandl.

Dunkle Wolken über der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie: Die Branche befindet sich im Abschwung. Das machten Arbeitgebervertreter am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Regensburg deutlich. Einige Unternehmen überlegen demnach bereits, Kurzarbeit einzuführen.

„Die konjunkturelle Lage hat sich spürbar abgekühlt“, sagte Thomas Ebenhöch, Vorsitzende der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM in der Oberpfalz. Der Abwärtstrend, der sich seit Mitte vergangenen Jahres abgezeichnet habe, gehe damit weiter. Damit sei die seit 2010 herrschende stetige Aufwärtsbewegung gestoppt worden.

Sowohl im Inland als auch im Ausland beurteilten die Oberpfälzer Firmen die Geschäftslage in einer aktuellen Bayme-VBM-Umfrage deutlich schlechter als vor einem halben Jahr. Das Inlandsgeschäft bewerten nur noch 35 Prozent der Betriebe als gut, vor einem halben Jahr waren es 63 Prozent. Mit dem Auslandsgeschäft waren noch 31 Prozent der Betriebe zufrieden, im Dezember waren es 61 Prozent.

Produktion geht zurück

Damit einher geht, dass die inländischen Produktionspläne der Unternehmen an Dynamik einbüßen. „Wir gehen davon aus, dass die Produktion in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie im laufenden Jahr insgesamt um ein Prozent zurückgehen wird“, sagte Ebenhöch. Verantwortlich sei in vielen Fällen der Einbruch in der Automotive-Branche. In diesem Bereich würden derzeit neue Weichen gestellt. Elektromobilität und die CO2-Debatte würden sich darauf auswirken, wie sich die Branche entwickelt, erklärte Ebenhöch, der das Continental-Werk in Regensburg leitet.

Auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen in der Region an den Inlandsstandorten haben sich der Umfrage zufolge eingetrübt. 98 500 Menschen sind in der Oberpfalz in der Metall- und Elektrobranche beschäftigt. In den vergangenen Jahren ging die Zahl kontinuierlich nach oben. Auch 2019 konnte die Branche bayernweit nochmal 8000 Arbeitsplätze zulegen. Doch das wird wohl nicht so weitergehen. „Ob es 2020 nochmal ein Wachstum gibt, da mache ich ein großes Fragezeichen“, sagte Ebenhöch.

In vielen Betrieben würden aktuell Arbeitszeitkonten abgebaut und die Zeitarbeit massiv zurückgefahren. Und auch über das Thema Kurzarbeit werde in manchen Unternehmen nachgedacht. „Es häufen sich bei uns die Anfragen zum Thema Kurzarbeit“, berichtete Hermann Brandl, Leiter der Bayme-VBM-Geschäftsstelle Oberpfalz. „Umgesetzt hat es noch keiner, aber die Firmen informieren sich.“ Im Vergleich mit den anderen bayrischen Regierungsbezirken stehe die Region ohnehin noch gut da, machte Ebenhöch klar. Die Oberpfalz sei 2019 der einzige Bezirk, in dem kein Unternehmen mit Verlusten rechnet.

Flexible Tarife gefordert

Thomas Ebenhöch, Vorsitzender der Bayme-VBM-Region Oberpfalz. Bild: gib
Thomas Ebenhöch, Vorsitzender der Bayme-VBM-Region Oberpfalz.

Der Abschwung wird nach Ansicht von Ebenhöch auch die Standortfrage wieder in den Vordergrund rücken. „Unsere Unternehmen müssen hierzulande mit wesentlich schwierigeren Bedingungen zurechtkommen als ihre Konkurrenten“, sagte er mit Verweis auf vergleichsweise hohe Lohnkosten. Mit Blick auf die Ende 2019 beginnenden Tarifverhandlungen machte er die Position der Arbeitgeber deutlich: „Wir bekennen uns zur Tarifbindung. Aber wir brauchen endlich moderne und wettbewerbsfähige Tarifverträge, die flexible, betriebsindividuelle Lösungen zulassen.“

Gleichzeitig bleibe der Fachkräftemangel ein Problem, räumte Ebenhöch ein. Die Betriebe würden deshalb gut daran tun, weiter intensiv aus- und weiterzubilden. Auf den konjunkturellen Abwärtstrend werde auch wieder ein Aufschwung folgen, ist sich Ebenhöch sicher. „Wer jetzt nicht mehr in Ausbildung investiert, würde sich für die Zeit schwächen, wenn die Krise vorbei ist.“

Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Einerseits Fachkräftemangel beklagen, aber anderseits Zurückhaltung bei Tarifabschlüssen fordern. Wie soll das denn zusammenpassen?
Da braucht man sich über den Fachkräftemangel echt nicht wundern.

07.08.2019
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