Regensburg
16.07.2018 - 13:53 Uhr

Aufstieg und Fall einer "Heiligen"

Andrew Lloyd Webber hat Eva Perón mit seinem Musical "Evita" unsterblich gemacht. Bei den Schlossfestspielen Regensburg ist eine brillante Adaption durch das Theater Bonn zu erleben.

Ein voller Erfolg war die Inszenierung des Andrew-Lloyd-Webber-Musicals „Evita“ mit Bettina Mönch (kniend) in der Titelrolle bei den Regensburger Schlossfestspielen. Holger Stiegler
Ein voller Erfolg war die Inszenierung des Andrew-Lloyd-Webber-Musicals „Evita“ mit Bettina Mönch (kniend) in der Titelrolle bei den Regensburger Schlossfestspielen.

Die Titelrolle in "Evita" ist wohl der Traum einer jeden Musical-Sängerin. In kaum einem anderen Werk ist die Hauptdarstellerin so präsent hier, nirgends sind facettenreicher Gesang und emotionales Spiel so gefragt wie hier. Es bedarf einer erstklassigen Besetzung, um mit diesem "Musical-Hit", wie es im offiziellen Programm der Festspiele heißt, zu reüssieren. Und genau das tut es in Regensburg - temporeich, energiegeladen und mit einem bombastischen Sound.

Vamp und Kämpferin

Bettina Mönch macht es möglich: Sie ist eine Bilderbuch-"Evita", die Aufstieg und Fall der ehemaligen Schauspielerin gekonnt nachzeichnet. Stimmgewaltig und doch nuanciert verkörpert sie die Argentinierin. Ihr nimmt man das junge Mädchen genauso ab wie den männerverschlingenden Vamp, die Kämpferin für die Armen und gegen die vermeintliche High Society des Landes genauso wie die gewissenlose Perónistin, die über Leichen geht. Mit ganzem Körpereinsatz - auch tänzerisch - weiß Mönch zu begeistern, immer wieder auch nur spärlich bekleidet. Eine hochstilisierte "Heilige Evita" mit viel Licht und mindestens genauso viel Schatten. Und die Hymne des Musicals "Wein' nicht um mich, Argentinien" - zum Weinen schön und berührend.

Den Part des Co-Stars teilen sich zwei Akteure: Merlin Fargel schlüpft in die Rolle des Che, der die Geschichte Eva Peróns aus seiner Sicht erzählt und kommentiert. Mal ironisch, mal zynisch, mal süffisant. Er sorgt damit für die Sympathien Evitas beim Publikum, genauso wie er sie als kalt und berechnend darstellt. "Was für ein Zirkus!" singt er gleich zum Auftakt. Als Juan Perón erleben die Besucher Mark Weigel, der den starken Mann in der Öffentlichkeit markiert, aber eigentlich von seiner Ehefrau dorthin gebracht, wo er schließlich steht. Und dass sich Perón für keine politische Widerlichkeit zu schade ist, macht auch diese Inszenierung klar.

Spartanische Ausstattung

Stichwort Inszenierung: Geradezu minimalistisch erscheint das Bühnenbild, das eigentlich nur aus einer Bühne mit unterschiedlichen Höhen besteht. Aber es passt, wenn ein Podium für Reden herbei geschoben wird oder wenn das Bett die Bühne (und das Leben der Evita) beherrscht. Selten entfacht eine dermaßen spartanische Ausstattung im Musical eine solche Stimmigkeit. Es hat schon seinen Grund, warum Gil Mehmert, der das Stück inszeniert, als hoch angesagter Musical-Regisseur im deutschsprachigen Raum gilt.

Da stimmt einfach alles: vom Gesang (glänzend auch Johannes Mertes als Magaldi und Sarah Katharina Wilken als Peróns abservierte Geliebte) über den Tanz bis hin zu den imposanten Massenszenen mit rund 50 Akteuren, die miteinander eine Stimmpracht voller Kraft und zugleich klarer Verständlichkeit - beispielsweise bei "Wach' auf Argentinien" - entfalten. So macht Musical - trotz des ernsten und auch düsteren Sujets - Spaß, so muss Musical sein. Die Live-Band unter der Leitung von Jürgen Grimm hat maßgeblichen Anteil daran und verdient ein ganz großes Lob.

Genau 40 Jahre hat das Stück seit der Premiere am Londoner Westend mittlerweile auf dem Buckel. Und es fasziniert noch immer die Besucher - einen eindrucksvolleren Beweis als diese Inszenierung gibt es wohl nicht dafür.

 
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