28.09.2020 - 17:25 Uhr
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Baumer-Prozess: Letztes Aufbäumen vor dem Urteil

Im Mordprozess um Maria Baumer werden keine weiteren Zeugen gehört. Die Verteidigung von Christian F. scheiterte mit einem Beweisantrag. Mit Spannung erwartet wird am Dienstag das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen.

Der Angeklagte sitzt im Verhandlungssaal des Landgerichts.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Nach 20 Minuten war die Verhandlung am Landgericht Regensburg am Montagmorgen schon wieder vorbei. Auf dem Programm war lediglich ein Beweisantrag von Michael Euler, Anwalt des angeklagten Krankenpflegers Christian F., gestanden. Er forderte, dass drei ehemalige Auszubildende des Bezirksklinikums Regensburg – an dem auch F. früher arbeitete – als Zeugen aussagen. Sie sollten erklären, dass F.s verstorbene Verlobte Maria Baumer, die aus Muschenried (Kreis Schwandorf) stammte, bei einer Party 2005 und bei eine Geburtstagsfeier 2009 Marihuana geraucht habe.

Euler wollte damit beweisen, dass sich Maria Baumer „nicht in allen Belangen ihres Lebens mit ihrer Schwester besprochen hat“. Maria Baumers Zwillingsschwester Barbara hatte im Zeugenstand erklärt, sie hätten keine Geheimnisse voreinander gehabt. Ihre Schwester habe keine Drogen konsumiert und niemals unnötig Medikamente eingenommen. Euler meinte, wenn Maria Baumer ihrer Schwester einen Cannabiskonsum verheimlicht habe, könnte sie ihr auch vorenthalten haben, dass sie die Medikamente Tavor und Tramadol eingenommen habe.

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In einer von Anwalt Euler vorgetragenen Einlassung hatte der Angeklagte im August erklärt, seine Verlobte Maria Baumer habe selbst diverse Tabletten eingenommen, die wohl zu ihrem Tod führten. Christian F. habe sie dann tot im Bett gefunden und sie in einer „Kurzschlussreaktion“ im Wald verscharrt, weil er arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchtete, wenn herauskäme, dass er die Medikamente an seinem Arbeitsplatz im Bezirksklinikum Regensburg gestohlen hatte. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass F. seine Verlobte mit einem heimlich verabreichten Medikamentenmix ermordete, weil er frei für eine andere Frau sein wollte.

Das Gericht lehnte den Beweisantrag ab. Vorsitzender Richter Michael Hammer sagte, die behaupteten Tatsachen könnten so behandelt werden, als wären sie wahr. Zeugenaussagen seien dafür da, um unmittelbar etwas zu beweisen, nicht um Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

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Auf Antrag von Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher verlas Hammer noch eine Rentenversicherungs-Police von Maria Baumer, die 2006 abgeschlossen wurde und auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung enthält. Rauscher trat damit der Ausführung der Verteidigung entgegen, Maria Baumer habe sich wegen angeblicher Depressionen Anfang 2012 nicht behandeln lassen wollen, weil sie befürchtet habe, später Probleme beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu haben.

Am heutigen Dienstagvormittag wird die psychiatrische Sachverständige ihr Gutachten vorstellen. Zwei volle Tage lang hat sie Christian F. exploriert. Am Nachmittag sollen die Plädoyers gehalten werden, „möglichst vollständig“, wie Richter Hammer sagte. Falls das zeitlich klappt, soll ein Urteil am Dienstag, 6. Oktober, fallen.

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