01.08.2018 - 15:52 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Wenn der Chef wieder selbst schrauben muss

Die gute Nachricht: Der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen in der Oberpfälzer Metall- und Elektrobranche geht es gut bis exzellent. Das hat eine Umfrage unter Mitgliedern der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM ergeben.

Stefan Klumpp (rechts), Vorsitzender der Bayme-VBM-Region Oberpfalz, und Hermann Brandl, Leiter der Bayme-VBM-Geschäftsstelle Oberpfalz, stellten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

(gib) Allerdings gibt es Zweifel, ob es mit dem Aufwärtstrend so weiter geht. Der Branche fehlen die Fachleute. "Der Industrie geht es gut", sagte Stefan Klumpp, Vorsitzender der Bayme-VBM-Region Oberpfalz und Vorstand der Hamm AG in Tirschenreuth, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Regensburg.

"Das Inlandsgeschäft beurteilen knapp 90 Prozent der Firmen als gut, das Auslandsgeschäft immerhin noch 75 Prozent." Etwas zurückgegangen seien die Erwartungen für die nächsten Monate: Nur 14 Prozent der Betriebe blicken der Umfrage zufolge optimistisch auf das Inlandsgeschäft, 86 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Entwicklung. Beim Export sind 38 Prozent der Unternehmer optimistisch, vier Prozent befürchten eine Eintrübung.

Die Skepsis liege teils darin begründet, dass es Zweifel gebe, ob der über neun Jahre anhaltende Aufschwung weitergeht, sagte Klumpp. Vor allem aber mache der Industrie der Fachkräftemangel zunehmend zu schaffen. Auch die Zuliefererindustrie in Osteuropa sei mittlerweile von dem Problem betroffen und müsse den Fachkräften höhere Löhne zahlen. Dadurch steige das Preisniveau in Zentraleuropa - mit negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit im Wettstreit mit internationalen Konkurrenten. Damit einher gehe eine schlechtere Materialverfügbarkeit. "Bestimmte Komponenten sind nicht mehr frei verfügbar."

Nicht zuletzt würden politische Unwägbarkeiten für Verunsicherung sorgen. Zwar scheine ein Handelskrieg zwischen USA und EU abgewendet, doch der zwischen den USA und China sei weiter Thema. "In einer verflochtenen Industrie hat das auch hier Auswirkungen."

Mitarbeiter gesucht

Die Arbeitgeberverbände rechnen mit einem weiteren Beschäftigungszuwachs in der Oberpfalz: Zu den 95 000 Mitarbeitern in der Metall- und Elektrobranche sollen in diesem Jahr noch mal 3000 dazukommen. "Wir nähern uns den 100 000 Beschäftigen." Doch die Mitarbeiter müssen erst einmal gefunden werden. 35 Prozent der Oberpfälzer Betriebe sähen ihre Produktions- und Geschäftstätigkeit durch fehlende Kräfte erheblich beeinträchtigt, noch mal 41 Prozent in geringem Maße. "Es fehlen Ingenieure der Elektrotechnik und im Maschinenbau, aber auch Mechatroniker", zählte Klumpp auf. Um einen geeigneten Elektroingenieur zu finden, dauere es mittlerweile über zwölf Monate, berichtete der Hamm-Geschäftsführer. Ein ihm bekannter Unternehmer liege mittlerweile selbst unter den Maschinen, um sie zu reparieren. Die Industrie rette sich noch halbwegs mit attraktiven Vergütungskonditionen. Das Handwerk treffe der Fachkräftemangel deutlich härter.

Hamm geht in Offensive

Hamm habe auf die Entwicklung mit einer Ausbildungsoffensive reagiert: Die Ausbildungsplätze wurden in den vergangenen Jahren verdreifacht. Explizit gehe der Walzenhersteller auch an Mädchenschulen, um den Schülerinnen technische Berufe nahezubringen. Grundsätzlich müsse man sich darum kümmern, dass Frauen nach einer Babypause wieder in den Beruf einsteigen, so Klumpp.

Auch die Zuwanderung spiele eine wichtige Rolle. "Durch eine Abschottungspolitik wird die Wirtschaft nicht wachsen und wir bekommen mittelfristig ein demografisches Problem." Überhaupt kein Verständnis hat Klumpp dafür, dass junge, ausbildungswillige Flüchtlinge abgeschoben werden - "das ist ein Stück aus dem Irrenhaus".

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