07.11.2018 - 14:23 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Codeknacker-Bande soll Sky um Millionen gebracht haben

Ob Bundesliga oder die neue Serie "Das Boot": Kunden von Sky genießen Exklusivrechte. Und die sind teuer. Eine Bande soll 13000 Zuschauern zu Zugängen ohne Abo verholfen haben. Sie steht in Regensburg vor Gericht. Es geht um Millionen.

Ein Bande soll Sky betrogen haben.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Regensburg/Bamberg. Als ob das Landgericht Regensburg nicht durch den Wolbergs-Prozess schon „gut gebucht“ wäre: Am Donnerstag, 15. November, beginnt ein weiteres großes Verfahren. Fünf Männern – darunter ein Lette und ein Oberpfälzer – wird ein gigantischer Betrugs an Sky Deutschland vorgeworfen. Sie sollen dem Pay-TV-Sender mit Sitz in Unterföhring einen Schaden von rund 17 Millionen Euro zugefügt haben, in dem sie fast 13 000 Kunden das Monatsabonnement zum Spottpreis ermöglicht haben sollen.

Die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg - in Bayern zentral zuständig für Cybercrime - lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung und Computerbetrug. Gegen die fünf angeklagten Männer zwischen 33 und 46 Jahren wird in Regensburg verhandelt, weil einer von ihnen - ein verheirateter Maschinenfahrer (33) - im Landkreis Cham zuhause ist.

"Home office"

Das übliche "Tatortprinzip" konnte nach Auskunft von Landgerichtssprecher Thomas Polnik nicht angewandt werden. Die vier Angeklagten kommen aus vier verschiedenen Bundesländern. Der Fünfte agierte von seiner Heimatstadt in Lettland aus. Die Server sollen sich unter anderem in den Niederlanden und Großbritannien, aber auch in Kiew (Ukraine) befunden haben.

Ihre Festnahme vor einem Jahr war Ergebnis monatelanger Ermittlungen. Rund 150 Polizeibeamte durchsuchten europaweit zeitgleich 15 Objekte. Resultat war die Inhaftierung der fünf Männer, die jetzt vor dem Regensburger Landgericht stehen. Zwei sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft: Der Lette (46) sowie ein Verkäufer (44) aus Dresden, die beide der oberen Hierarchie des Cardsharing-Bande zugeordnet werden. Der Lette soll als "Administrator" die Server konfiguriert, außerdem die Smartcards und Hardware beschafft haben. Der Dresdner soll die Billing-Datenbanken verwaltet und "Mitarbeiter" entlohnt haben.

Zum Kreis dieser Unterstützer zählt die Staatsanwaltschaft die drei weiteren Angeklagten - darunter den Oberpfälzer: Sie sollen zunächst nur Kunden gewesen sein, bis der Dresdner sie angeworben habe. Ab 2016 sollen die drei Männer Anwender-Foren moderiert haben. Sie beantworteten Kundenfragen am PC von ihren Heimatorten aus: Kleinstädten in Bayern, Brandenburg und Baden-Württemberg. Zudem sollen sie Paypal-Konten für die Zahlungsabwicklung eingerichtet haben.

Die Bamberger Zentralstelle Cybercrime recherchierte folgendes Vorgehen: Mindestens ab 2012 hätten die beiden Hauptangeklagten mit Mittätern ihre Internetauftritte eingerichtet. Sie unterhielten mindestens acht Domains (beispielsweise keytv.eu), auf denen sie insbesonders die Programme von Sky Deutschland anboten. Üblicherweise zahlt der Kunde dafür einen monatlichen Abonnementpreis von 25 bis 60 Euro. Dafür bekommt er einen exklusiven Zugang, der so funktioniert: Das Signal wird verschlüsselt ausgestrahlt, der Kunde kann es mit dem autorisierten Sky-Receiver inklusive Smartcard entschlüsseln. Zur Sicherung wird alle zehn Sekunden ein verändertes Kontrollwort ausgesandt, das dem Sendesignal vorgeschaltet ist.

Einnahmen: 1,6 Millionen

Die Tatverdächtigen sollen einen modifizierten Receiver benutzt haben, der das Signal in Sendesignal und Kontrollwort zerlegte. 12899 Nutzern soll damit ein günstiger Zugang zu Sky ermöglicht worden sein. Sky Deutschland stellte im Juli 2016 Strafantrag. Den Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf 16,9 Millionen Euro. Im Gegenzug hätten die Drahtzieher von ihren Abonnenten 1,6 Millionen Euro eingenommen.

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Sky-Hacker beginnt am Donnerstag, 15. November, 13 Uhr. Terminiert ist aktuell bis Mitte Februar.

Der jüngste Coup von Sky: Ab 23. November startet exklusiv die Serie "Das Boot" (Sky-Werbefigur Elyas M'Barek bei der "Das Boot"-Weltpremiere am Dienstagabend). In Regensburg muss sich jetzt eine Gruppierung verantworten, der vorgeworfen wird, tausenden Kunden Zugänge ohne Abo verschafft zu haben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.