25.03.2020 - 14:31 Uhr
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Coronavirus: Oberpfälzer Krankenhäuser rüsten sich

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Die Pandemie ist längst an den Oberpfälzer Kliniken angekommen: Die Krankenhäuser versorgen immer mehr Patienten, die an dem neuen Coronavirus erkrankt sind. Um sich zu rüsten, werden Dienstpläne umgeworfen und neue Räume geschaffen.

In Containern neben der Notaufnahme kommt das Corona-Testzentrum an der Uniklinik Regensburg unter. 250 Verdachtsfälle werden hier täglich getestet.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

„Grundsätzlich stellt sich die Lage in unseren Häusern als stabil dar, wenn auch eine Zunahme der Patienten mit Verdachtsfällen oder bestätigter Covid-19-Erkrankung zu verzeichnen ist“, erklärte Michael Reindl, Sprecher der Kliniken Nordoberpfalz AG, am Dienstag auf Nachfrage. Die Kapazitäten auf einigen Normalstationen und für intensivmedizinische Betreuungsmöglichkeiten am Klinikum Weiden und am Krankenhaus Tirschenreuth würden sukzessive erhöht. Keine Angaben machte Reindl dazu, wie viele Corona-Patienten aktuell behandelt werden.

Das Krankenhaus Tirschenreuth hat bereits eine spezielle Station für Covid-19-Patienten und Verdachtsfälle mit Symptomen eröffnet. In der Geriatrischen Rehabilitation in Erbendorf und der Orthopädischen Rehabilitation in Waldsassen werden nur noch neue Patienten aus den anderen Häusern der Kliniken Nordoberpfalz aufgenommen – um die akutstationären Kliniken und Krankenhäuser zu entlasten. Zudem wurde die Schmerztagesklinik am Klinikum Weiden vorübergehend geschlossen.

Den Bestand an Schutzausrüstung bezeichnete Sprecher Reindl als „derzeit ausreichend“. Beim Mundnaseschutz seien kurzfristig leichte Engpässe festzustellen. Am Montag ging ein Diagnostikzelt neben der Notaufnahme des Klinikums Weiden in Betrieb. Dort werden Covid-19-Verdachtsfälle und -Erkrankte untersucht und im Bedarfsfall direkt einer Station zugewiesen werden. Ambulante Abstriche bei einem Verdacht ohne Symptome sind dort nicht möglich, betont die Klinik. In solchen Fällen sollten sich die Menschen an den Hausarzt oder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden.

Am Klinikum St. Marien in Amberg sind aktuell drei bestätigte Covid-19-Patienten sowie zehn Verdachtsfälle in Behandlung, wie Sprecherin Sandra Dietl am Dienstag mitteilte. „Wir haben die Lage derzeit im Griff.“ Eine wichtige Schutzmaßnahme für die Betriebssicherheit der Klinik: Die Einsatzpläne des Personals wurden umgearbeitet. Ein Teil der Mitarbeiter bleibt zuhause in Bereitschaft, der andere Teil arbeitet in festen Teams und Schichten, sogenannten Kohorten. „So können wir Kontakte und damit das Infektionsrisiko deutlich minimieren.“

Das Klinikum verfüge über zwei Stationen für die Behandlung von Covid-19-Patienten und Verdachtsfällen, erklärte Dietl. Zudem stehe eine separate Intensivstation mit Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung. Derzeit könnten maximal 33 Erwachsene beatmet werden. Ein weiterer Ausbau der Intensiv- und Beatmungskapazitäten sei möglich – wenn, wie angekündigt, zusätzliche Geräte von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden.

Die Versorgung mit Desinfektionsmitteln und Schutzausrüstung nennt Dietl „weiterhin sehr schwierig“. In dieser Woche habe die Klinik eine erste kleine Lieferung von Desinfektionsmitteln und Schutzanzügen von der Führungsgruppe Katastrophenschutz der Stadt Amberg erhalten. Eine Teststelle auf Corona-Infektionen gibt es in St. Marien nicht. Eine sogenannte Sichtungsstelle wurde am Montag in der Berufsfachschule für Pflege eingerichtet. Gehfähige Patienten mit Erkältungs- und Grippesymptomen, Atemnot oder Kontakt zu Covid-19-Patienten werden dort untersucht. „Wir wollen vermeiden, dass potentielle Covid-Patienten unkontrollierte Kontakte innerhalb des Klinikums haben und dadurch die Infektionsgefahren für Mitarbeiter sowie andere Patienten minimieren“, heißt es von der Klinik.

Auch am Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf laufen Vorbereitungen, um die organisatorischen Abläufe an die steigende Anzahl von Covid-19-Patienten anzupassen. Ob und wie viele Corona-Infizierte aktuell behandelt werden, sagte das Krankenhaus auf Nachfrage nicht. Vor der Zentralen Notaufnahme entstand am Wochenende mittels Trockenbau ein 100 Quadratmeter großer Bereich, um Patienten in Empfang zu nehmen. Federführend übernahm das Technische Hilfswerk Schwandorf die Arbeiten. Der Vorraum soll in den nächsten Wochen dazu dienen, Covid-19-Verdachtsfälle und andere Erkrankte voneinander zu trennen, um weitere Infektionen zu vermeiden.

Am Universitätsklinikum Regensburg werden aktuell acht bestätigte Covid-19-Patienten behandelt, teilte Sprecherin Isolde Schäfer mit. Auf eine steigende Anzahl stationärer Corona-Patienten sei die Uniklinik gut vorbereitet. „Wir halten drei Stationen mit und ohne Beatmungsplätzen für entsprechende Patienten frei und können je nach Bedarf weitere Beatmungsplätze einrichten.“ Das Beratungs- und Testzentrum im Außenbereich der Notaufnahme sei in der vergangenen Woche nochmals erweitert worden: 250 Tests finden dort im Schnitt täglich statt. Mit Schutzausrüstung sieht sich die Uniklinik derzeit noch gut ausgestattet. Desinfektionsmittel wird in der Klinikapotheke selbst hergestellt. Eine große Hilfe in herausfordernden Zeiten ist der Ärztenachwuchs: Mehr als 200 Medizinstudenten haben sich laut Schäfer freiwillig gemeldet, um die Teams in der Uniklinik zu unterstützen.

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