07.07.2020 - 19:18 Uhr
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Fall Baumer: Zweiter Spaten wirft Fragen auf

Tag drei im Mordprozess am Landgericht Regensburg: Rätseln um eine Hausdurchsuchung beim angeklagten Ex-Verlobten

'Der Angeklagte Christian F. alleine auf der Anklagebank.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Im Sitzungssaal 104 ist nach dem Medienrummel zum Auftakt etwas Routine eingekehrt. Etliche Journalisten- und Zuhörerplätze bleiben leer. Wieder nehmen Maria Baumers Eltern und ihre Zwillingsschwester als Nebenkläger teil. Der Angeklagte Christian F., Maria Baumers früherer Verlobter, wirkt ruhig und interessiert, er macht sich Notizen, bespricht sich in Pausen mit seinen Verteidigern, schmunzelt auch mal.

Aufhorchen lässt die Zeugenaussage eines Polizeibeamten. Er sichtete ein möglicherweise brisantes Video, das von einer Überwachungskamera am Wohnhaus des Angeklagten in Regensburg aufgenommen worden war. Die Aufnahme stammt vom 29. September 2013 - drei Wochen zuvor hatten Schwammerlsucher die sterblichen Überreste von Maria Baumer und daneben einen Spaten in einem Wald bei Bernhardswald (Kreis Regensburg) gefunden. Die Polizei fand damals heraus, dass Christian F. kurz vor Maria Baumers Verschwinden im Mai 2012 einen baugleichen Spaten in einem Regensburger Baumarkt gekauft hatte.

Ergebnislose Durchsuchung

Polizeibeamte durchsuchten daraufhin das Wohnhaus des Angeklagten, der damals als Verdächtiger in U-Haft saß, explizit nach einem Spaten - fanden aber keinen. Einige Tage darauf erhielten sie von einem nahen Verwandten des Angeklagten aber den Hinweis, dass sich im Haus doch ein Spaten - in Teile zerbrochen - befinde. Das hätte Christian F. entlasten können.

Doch nun kommt das Überwachungsvideo ins Spiel: In der Aufnahme parkt eben dieser nahe Verwandte von Christian F. vorm Wohnhaus des Angeklagten, holt einen Rucksack vom Beifahrersitz und geht ins Haus. Danach kehrt er mit Rucksack wieder zum Auto zurück. Der Inhalt des Rucksacks konnte auf dem Video nicht identifiziert werden, sagt der Polizist. Zwei weitere Polizeibeamte bestätigen am Dienstag, dass sie am 19. September 2013 in dem Wohnhaus von Christian F. noch keinen Spaten fanden. Sie hätten mit Taschenlampen nach einem Spaten gesucht, auch im Speicher, wo die Spatenteile später auftauchten. Noch eine Ungereimtheit: Eine Vernehmung des Spatenherstellers in Italien ergab, dass der auf dem Speicher gefundene Spaten aus der Produktionslinie ab 2013 stammte - also nicht vom Angeklagten im Mai 2012 gekauft werden konnte.

Zufallstreffer

Während zum Spaten im Wohnhaus Fragen offenbleiben, werden zum Spaten, der am Leichenfundort lag, Ergebnisse der Nachforschungen präsentiert. Ein Polizist berichtet, wie er einen Zufallstreffer landete. Er stellte zunächst Ermittlungen im nächsten Baumarkt an, in dem er auch die Filialleiterin kannte. Dort wurde tatsächlich der baugleiche Damen-Federspaten vom Fundort verkauft. Kurz darauf überprüfte der Beamte die Kontotransaktionen des Angeklagten - und stellte fest, dass am 23. Mai 2012 mit dessen EC-Karte ein Produkt für 17,95 Euro in dem Baumarkt gekauft wurde - genau so viel kostetet der Spaten.

Alle Berichte rund um den Fall Baumer

Am 25. Mai 2012 war Maria Baumer zum letzten Mal von Familie und Freunden gesehen worden, dann verschwand sie. Keine eindeutigen Antworten geben am Dienstag verschiedene Sachverständige, darunter zwei Botaniker und ein Experte für die Korrosion metallischer Gegenstände, darauf, wie lange der Spaten am Fundort lag und wie alt die Gruben dort waren. Der Prozess wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt.

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