12.12.2019 - 15:57 Uhr
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Fall Maria Baumer: "Tavor" an Leiche führt zum Verlobten

Vor sieben Jahren nahm das Leben der 26-jährigen Maria Baumer ein gewaltsames Ende. An ihrer Leiche wurde das Beruhigungsmittel Lorazepam entdeckt. Erneut ist der damalige Verlobte, Christian F., verhaftet worden.

Pressekonferenz in Regensburg: Staatsanwalt Thomas Rauscher (von links), Leitender Oberstaatsanwalt Dr. Clemens Prokop und Kriminaldirektor Harald Wiesenberger.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Wie der Leiter der Regensburger Staatsanwaltschaft, Dr. Clemens Prokop, in einer Pressekonferenz am Donnerstag mitteilt, wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen. "Die Botschaft heute ist: Kein Täter von ungelösten Fällen kann sich jemals sicher sein." Er gehe davon aus, dass im Februar 2020 Anklage erhoben werden kann.

Zugang zu dem Medikament "Tavor" ausgenutzt

Der Beschuldigte Christian F., inzwischen 34, war Krankenpfleger im Bezirkskrankenhaus. Schon einmal hat er seinen Zugang zu dem Medikament - bekannt unter dem Handelsnamen "Tavor" - ausgenutzt. 2016 wurde der Regensburger in anderer Sache verurteilt, weil er einer Patientin den Wirkstoff in den Tee gemischt hatte, um sie gefügig zu machen.

Maria Baumer.

Chemisch-toxikologische Untersuchung

Jetzt also wieder Tavor. Festgestellt an einem Haarbüschel und an einem Kleidungsstück der toten Maria Baumer. 2013 war ihr skelettieter Leichnam in einem Wald gefunden worden, zersetzt von Brandkalk, den der Täter aufgestreut hatte. Trotzdem ist es jetzt gelungen, mit einer neuen chemisch-toxikologischen Untersuchung Hinweise zu finden.

"Die Spuren wurden mit neuen technischen Methoden untersucht", berichtete Thomas Rauscher, der die Ermittlungen von Seiten der Staatsanwaltschaft Regensburg leitet. Dazu wurde ein privates Labor beauftragt, dass die Möglichkeiten der Massenspektometrie (Messen von Atomen und Molekülen) nutzt. Damit lassen sich Wirkstoffe in zehn bis 50 Mal geringerer Konzentration auffinden als noch vor fünf Jahren.

Maria Baumer verschwand 2012.

Auffällige Internetrecherchen

Zugleich gibt es eine Parallele zu Internetrecherchen, die der Verlobte in den Tagen vor dem Verschwinden getätigt hat. Er googelte die Suchbegriffe "Lorazepam letale Dosis" und "Der perfekte Mord". Natürlich sei auch geprüft worden, ob Maria Baumer das Medikament vielleicht aus freien Stücken und vom Arzt verschrieben einnahm. Fazit von Rauscher: "Darauf gibt es absolut keinerlei Hinweise." Den Ermittlern sei damit gelungen, das Tatmittel zu entlarven.

"Wir wissen nicht, ob es direkt durch eine Überdosis zum Tod kam oder ob die Geschädigte anders getötet wurde", so Rauscher. Das werde sich möglicherweise nie aufklären lassen. Der Staatsanwalt nannte noch weitere Indizien, die gegen Christian F. sprächen. So habe er eine angebliche Facebook-Nachricht der Toten an sich selbst mit großer Wahrscheinlichkeit selbst geschrieben. Er hatte auch angegeben, am Nachmittag ihres Verschwindens, dem 26. Mai 2012, noch zwei Anrufe von ihr erhalten zu haben. Auf der Verbindungsliste des Providers sind diese nicht zu finden.

"Dringend tatverdächtig"

Fazit: "Wir halten ihn für dringend tatverdächtig." Der Haftbefehl wegen des Verdachts auf heimtückischen Mord sei am Mittwoch vollzogen worden. Christian F. befindet sich in einer bayerischen Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft. Die Polizei hat Anfang der Woche zudem drei Wohnungen durchsucht, des Beschuldigten, eines Bruders und seiner Mutter. Unter anderem hofft man noch immer, den Kreuz-Anhänger zu finden, welchen die Getötete immer trug.

Der Beschuldigte macht keine Angaben. Er hatte die Tat früher immer vehement abgestritten. Das Paar wollte im September 2012 heiraten. Nach dem Verschwinden seiner Verlobten hatte sich Christian F. öffentlichkeitswirksam an der Vermisstensuche beteiligt, unter anderem mit einem Auftritt bei "Aktenzeichen XY".

Der Verlobte von Maria Baumer wurde verhaftet.Screenshot aus der Sendung Aktenzeichen X.

163 Hinweise und 329 Spuren ausgewertet

Harald Wiesenberger, seit drei Monaten Leiter der Kriminalpolizei Regensburg, berichtete, dass die Ermittlungen im Juli 2019 wieder aufgenommen wurden. Die Ermittlungsgruppe Maria nahm erneut die Arbeit auf. Er resümierte, dass insgesamt 163 Hinweisen nachgegangen worden sei und 329 Spuren ausgewertet wurden. Die ermittelnden Beamten hätten hohes Engagement gezeigt, die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft zu jeder Tages- und Nachtzeit habe die jetzige Entwicklung möglich gemacht.

Pfingsten 2012 war Maria Baumer aus Muschenried (Landkreis Schwandorf) verschwunden. 2013 wurde ihr Leichnam gefunden, der Verlobte kam kurzzeitig in U-Haft. 2018 wurden die Ermittlungen eingestellt, weil die Beweise gegen ihn nicht für eine Anklage ausreichten. Die Familie legte Anfang 2019 deshalb Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg ein.

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