12.07.2018 - 16:57 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Falsche Polizisten zocken Rentner ab

Jetzt ist es schon wieder passiert: Eine 82-jährige Rentnerin aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach lässt sich am Telefon von falschen Polizisten mehrere tausend Euro abschwatzen. Die Masche grassiert gerade auch in der Oberpfalz.

Ein Telefonhörer vor einem Plakat der Polizei mit der Aufschrift „Achtung: Hier spricht nicht die Polizei“: Wegen Betrugs als „falscher Polizist“ hat das Landgericht Köln einen Angeklagten zu fünf Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Auch in der Oberpfalz grassiert die Masche.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Sie geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus. Manchmal erscheint auf dem Display der Opfer sogar die vertraute Nummer 110 - die als Anrufernummer gar nicht vergeben ist. Und die Geschichten, die sie erzählen, können zunächst durchaus plausibel klingen: "Bei den aktuellen Fällen wurde behauptet, dass es in unmittelbarer Nähe eine Festnahme gegeben habe - und man eine Liste mit Adressen gefunden habe, auf der der Name der Angerufenen stehe", erzählt Albert Brück, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

So etwas kann einem schon einen gehörigen Schrecken einjagen. Gut möglich, dass sich die alte Dame am Montag derart abgelenkt übertölpeln ließ: "Die Täter behaupten, man müsse vorbeugend Geld oder Wertgegenstände in Verwahrung nehmen", fährt Brück fort. Eine Vorgehensweise, die für die Polizei undenkbar ist: "Zum einen würden wir das nicht am Telefon besprechen, sondern nur vor Ort", erklärt der Beamte, "zum anderen können wir nur Tipps geben und nehmen keinesfalls Geld oder Wertgegenstände mit."

Im Fall der Rentnerin aus dem Landkreis kam es aber leider tatsächlich zur Aushändigung von mehreren tausend Euro Bargeld. Sie ließ sich davon überzeugen, dass ihr Geld nicht einmal auf der Bank sicher sei, hob es ab und vertraute es den Tätern an. "Das passiert nur noch selten", stellt Brück fest, "die meisten Bürger haben Dank der Medien und unserer Aufklärungsarbeit schon mal von dem Trick gehört." Der betrogenen alten Dame freilich nutzt das wenig. Die Kriminalpolizei Amberg hat die Ermittlungen übernommen.

Ein wenig Hoffnung kann die Polizei dennoch machen: Brück erinnert sich an einen Fall, bei dem das Opfer sein Geld zurückbekam: "Unsere Kollegen haben an der Grenze Bargeld sichergestellt", erinnert er sich, "man konnte nachvollziehen, dass es im Zusammenhang mit einem betrügerischen Anruf stand, so dass der Geschädigte das Geld zurückbekam."

Die falschen Polizisten seien ein europaweites Phänomen. Brück geht davon aus, dass mehrere Gruppen mit Call-Center-ähnlichen Strukturen großflächig Menschen mit älter klingenden Vornamen anrufen lassen. "Irgendwann muss man dann aber auch Abholer einsetzen, also gibt es zeitweise regionale Schwerpunkte." Über die Struktur solcher Gruppen gebe es trotz Festnahmen bislang keine Erkenntnisse. Der Polizisten-Fake falle in die gleiche Kategorie wie der Enkeltrick oder sogenannte Schockanrufe: "Dabei wird behauptet, ein naher Angehöriger sei im Ausland in einen Unfall verwickelt und brauche für die Freilassung eine Kaution", schildert Brück ein weiteres Abzockmärchen.

Was tun, wenn Betrüger anrufen?:

Tipps der Polizei

❶ Die Polizei bittet niemals um Geldbeträge.

❶ Die Polizei ruft nie mit der Notruf-Nummer 110 an. Rufen Sie im Zweifel selbst die 110 an.

⓿ Sprechen Sie am Telefon nie über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.

Mehr Infos auf der Politei-Website

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