02.07.2018 - 18:18 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Fesselnder Einblick

Die mit "TanzFabrik! sechs" betitelte neueste Ausgabe dieser Regensburger Reihe beweist dieses Potenzial auf äußerst beeindruckende Weise. Allein schon das Konzept, das hinter diesem Abend steht, lässt aufhorchen.

Alessio Burani und Lucas Roque Machado begeistern in ihrer eigenen Choreographie „A Safe Place?“.

Regensburg.Dass die Mitglieder einer Tanzcompagnie meist nur Ausführende sind, welche die Anordnungen des Choreographen möglichst exakt zu befolgen haben, ist ein Klischee, das aber vor allem im klassischen Ballett durchaus noch der Wahrheit entspricht. Im modernen Ausdruckstanz sieht das nicht selten etwas anders aus und die Tänzerinnen und Tänzer können bei den Choreographien auch eigene Ideen miteinbringen. Welch enormes Potential junge Tänzer an Kreativität entwickeln können, zeigt schon seit Jahren die Reihe "TanzFabrik!", in der die Mitglieder des Ensembles Theater Regensburg Tanz eigene Choreographien vorstellen, die dann von den Tänzern der Compagnie umgesetzt werden.

Große Komplexität

So widmen sich Mitglieder der Compagnie dieses Mal dem Enneagramm, das in der Psychologie als Modell der Typenforschung eingesetzt wird und Persönlichkeiten in neun verschiedene Charaktere unterteilt. Da jeder dieser neun Persönlichkeitstypen auch Merkmale eines anderen Typs in sich tragen kann und zudem noch die Möglichkeit besteht, dass sein primärer Wesenszug in das Gegenteil kippt, weist diese gesamte Aufteilung eine große Komplexität auf.

Damit stellten sich die Mitglieder der Compagnie eine höchst anspruchsvolle Aufgabe. So sind in der diesjährigen Ausgabe insgesamt neun neue Choreographien zu erleben. Acht schufen die Mitglieder der Regensburger Tanzcompagnie, eine wurde von Gastchoreograph Matthias Kass kreiert. Und was man da erlebt ist ausdrucksstarkes und innovatives Tanztheater auf sehr hohem Niveau. Da der Abend ein wahres Feuerwerk an kreativen Einfällen präsentiert, kann man hier nur ein paar herausgreifen, um das Gebotene zu umreißen.

Gut durchdacht

Ob das nun die verblüffende Art ist, wie Simone Elliott in ihrer Choreographie "Silent Strings" ein Individuum von einer Gruppe aufsaugen, wieder ausspeien und manipulieren lässt, ob das die köstlich humoristische Weise ist, mit welcher Harumi Takeuchi in "Departure" den abenteuerlustigen und verspielten, sogenannten Typ 7 des Enneagramms durch eine neunköpfige Gruppe in verschiedenen Konstellationen charakterisiert oder ob das der Konflikt zwischen zwei nach Macht strebenden Individuen ist, den Alessio Burani und Lucas Roque Machado in ihrer Arbeit "A Safe Place?" mit fesselnder Enegrie umsetzen, all das ist gut durchdacht.

Vorherrschend ist in allen Choreographien der moderne Ausdruckstanz, der nicht selten auch Schnittmengen mit Gesang, Schauspiel oder Comedy bildet. Das verlangt der Truppe eine große Vielseitigkeit ab, die weit über das eigentliche Tanzgenre hinausgeht. Auch die Arbeit "Windows" des Gastchoreographen Matthias Kass bietet unter anderem durch ein innovatives Spiel mit Händen und Armen einen interessanten Einblick in die Möglichkeiten des zeitgenössischen Tanztheaters. Die zehnköpfige Compagnie durchlebt die Choreographien bis in kleinste Details. Kein Wunder, dass der Schlussapplaus im gut besetzten Theater im Velodrom am Premierenabend lang und anhaltend ausfiel.

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