Als "Trio der Top-Solisten" mit Klavierbegleitung sind der Violinist Nemanja Radulovic, der Klarinettist Andreas Ottensamer und die Akkordeonistin Ksenija Sidorova im Programmheft der Regensburger "Odeon Concerte" angekündigt worden. Ganz nachvollziehbar war das allerdings nicht. Denn Pianistin Laure Favre-Kahn erwies sich am Sonntag als absolut ebenbürtiges Mitglied in diesem hochkarätigen Quartett.
Das Programmheft im Audimax der Regensburger Universität wirkt ein wenig wie ein Auszug aus den Top-Ten der Klassik-Charts. So standen da Schostakowitschs berühmter Walzer Nr. 2, Chatschaturjans ebenso berühmter "Säbeltanz" oder auch Montis legendärer "Csárdás". Wer aber nun glaubt, dass sich die noch relativ jungen Instrumentalisten an diesem Abend nur dem effekthaschenden Virtuosentum verschrieben haben, wird schon in den einleitend interpretierten Auszügen aus Béla Bartoks "Rumänischen Volkstänzen" eines Besseren belehrt. Bereits hier deutet sich in den lyrischen Passagen eine ausdrucksstarke emotionale Tiefe an.
Als dann Andreas Ottensamer und Ksenija Sidorova in Astor Piazzollas "Café 1930" gefühlvoll im Duett spielen und Ottensamer zusammen mit Favre-Kahn in Claude Debussys "Première Rhapsodie" die impressionistischen Züge beeindruckend durchleben, verstärkt sich der Eindruck von ihrem großen Gespür für die Charaktere der Werke. Auch Radulovic und Favre-Kahn beweisen in Dmitri Schostakowitschs Walzer Nr. 2 filigranen Sinn für Details und dynamische Verästelungen. In Aram Chatschaturjans im Quartett ausgeführten "Säbeltanz" zeigt sich zudem die fesselnde Eigenständigkeit, mit welcher die Ausführenden bei der Umsetzung einer Partitur zu Werke gehen können. Klarinettist Ottensamer wechselt an den Flügel, um zusammen mit Favre-Kahn eine raffiniert synkopierte Motorik in Szene zu setzen. Das gesamte Quartett kommuniziert mit packender Lebendigkeit, die markanten Akzente weisen hier und da Elemente eigener Bearbeitung oder Improvisation auf. Ksenija Sidorova ergänzt den Abend durch das nicht in der Übersicht des Programmhefts auftauchende Werk "Revelation" des 1973 geborenen russischen Komponisten Sergej Vojtenko und fesselt durch Ausdruck und Innigkeit.
Später zu hören sind Werke von Manuel de Falla, Maurice Ravel und Aram Chatschaturjan in verschiedenen Besetzungen. Das Ende des außergewöhnlichen Abends krönt förmlich eine von allen vier Instrumentalisten mit faszinierender Leidenschaft vorgetragene Interpretation von Vittorio Montis berühmten "Csárdás". Als Zugaben vernimmt das Publikum erst einmal ein überraschendes, kleines "Happy Birthday" für das wohl selbst überraschte Geburtstagskind Laure Favre-Kahn und schließlich eine mitreißende Aufführung der "Transsylvanischen Tänze" aus der Feder des 1984 in Wien geborenen Komponisten Stephan Koncz.












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