18.03.2021 - 00:01 Uhr
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Früh erkannt, ist Darmkrebs oft heilbar

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Jedes Jahr erkranken bundesweit über 60 000 Menschen neu an Darmkrebs. Es ist eine der häufigsten Tumorerkrankungen in Deutschland. Noch immer sterben jährlich rund 25 000 Betroffene. Dabei ließen sich viele Erkrankungen verhindern.

Professor Roland Büttner betrachtet die Aufnahme einer Darmspiegelung.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Wie entsteht Darmkrebs?

Bösartige Tumore entstehen fast ausschließlich aus ursprünglich gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, sagt Professor Roland Büttner, Direktor der Klinik für Innere Medizin am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg. Diese Polypen sind meist harmlos, können jedoch auch eine Vorstufe des kolorektalen Karzinoms darstellen. Im Schnitt dauert es zehn Jahre, bis sich ein Polyp zu einem Karzinom entwickelt. Deshalb können mit entsprechender Vorsorge viele Krebserkrankungen verhindert oder in einem frühen – und damit heilbaren Stadium – entdeckt werden, betont Büttner. Denn werden während einer Darmspiegelung Polypen erkannt, können diese noch während der Untersuchung entfernt werden – noch bevor ein bösartiger Tumor entsteht.

Wie läuft eine solche Darmspiegelung ab?

„Kurz gesagt, werfen wir einen Blick in das Innere des Darms“, erklärt Professor Büttner. Dazu wird ein Endoskop, ein schlauchartiges Instrument, über den After in den Darm eingeführt. Dort wird es bis zum Übergang zwischen Dick- und Dünndarm vorgeschoben und anschließend langsam herausgezogen. Beim Weg zurück ermöglicht eine kleine Kamera am Ende des Endoskops den Blick ins Innere des Darms. Werden dabei Polypen entdeckt, können diese mit einer Elektroschlinge, die ebenfalls am Endoskop angebracht ist, entfernt werden. Im Anschluss untersucht ein Labor die Gewebeproben, um festzustellen, ob die Veränderungen der Darmschleimhaut gut- oder bösartig waren.

Was bekommt der Patient von der Untersuchung mit?

Die meisten Patienten bekommen vor der Untersuchung ein leichtes Betäubungsmittel und sind während der Untersuchung in einer Art Dämmerschlaf. „Sie bekommen also gar nichts davon mit“, sagt Experte Büttner. Etwas unangenehmer sein könne die Vorbereitung. Denn damit die Gastroenterologen einen guten Blick auf den Darm haben, muss dieser möglichst sauber sein. „Dazu muss der Patienten ein bis zwei Tage viel trinken und mit Hilfe von Abführmitteln den Darm reinigen.“

Wer sollte zur Darmkrebsvorsorge gehen?

Wenn keine Vorerkrankungen in der Familie vorliegen, sollte man sich ab dem 50. Geburtstag Gedanken um das Thema Darmkrebsvorsorge machen, erklärt Büttner. Im Alter von 50 bis 54 Jahren übernehmen die Krankenkassen die Kosten für einen jährlichen Stuhltest. Ist der Stuhltest auffällig, sollte das Ergebnis immer mit einer Darmspiegelung abgeklärt werden. Zudem wird Männern ab dem 50. und Frauen ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung empfohlen. Die Kassen übernehmen dann die Kosten für zwei Früherkennungskoloskopien im Mindestabstand von zehn Jahren.

Und was gilt, wenn es Vorerkrankungen in der Familie gibt?

Hat nur ein naher Verwandter, zum Beispiel Oma oder Opa, die Eltern oder Geschwister Darmkrebs oder Krebsvorstufen, so verdoppelt sich das persönliche Krebsrisiko. „Liegt so ein familiäres Risiko vor, sollte man früher zur Darmkrebsvorsorge gehen“, betont Büttner. Die erste Vorsorgekoloskopie sollte dann zehn Jahre vor dem Alter gemacht werden, in dem beim Familienmitglied Darmkrebs oder Darmpolypen festgestellt wurden. Ist der Vater beispielsweise mit 48 an Darmkrebs erkrankt, sollte die Tochter mit 38 zur Vorsorge gehen.

Wenn jemand die Diagnose Darmkrebs erhalten hat – wie geht es weiter?

Zunächst einmal ist wichtig – trotz der erschreckenden Diagnose – Ruhe zu bewahren, sagt Professor Alois Fürst, Direktor der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef. „Darmkrebs ist in einem frühen Stadium in vielen Fällen heilbar.“ Um über die bestmögliche Behandlung zu entscheiden, müsse zunächst festgestellt werden, wie weit der Krebs schon fortgeschritten ist.

Wie läuft die Therapie ab?

Generell ist eine Operation, bei der der Tumor entfernt wird, ein zentraler Baustein und in der Regel Voraussetzung dafür, dass die Erkrankung geheilt werden kann, erklärt Professor Fürst. Beim Dickdarmkrebs werde geprüft, ob nach dem Eingriff noch eine Chemotherapie nötig ist. Das hänge unter anderem vom Stadium der Erkrankung ab. Patienten mit größeren Tumoren im Enddarm, die sehr nahe am Schließmuskel liegen oder die Darmwand durchbrochen haben und ins umliegende Fettgewebe gewachsen sind, erhalten häufig bereits vor der Operation eine kombinierte Strahlenchemotherapie. Damit wird der Tumor im Idealfall deutlich kleiner, so dass bei der Operation der Schließmuskel geschont werden kann. Operiert wird möglichst mit minimal-invasiven Techniken.

Wann wird ein künstlicher Darmausgang nötig?

Beim Dickdarmkrebs ist ein sogenanntes Stoma meistens nicht notwendig, sagt Fürst. Bei Enddarmtumoren sei das etwas anders. „Gerade wenn sie sehr tief, in unmittelbarer Nähe des Afters liegen, muss manchmal ein künstlicher Darmausgang gelegt werden.“ Im Darmkrebszentrum am Caritas-Krankenhaus St. Josef habe man sich allerdings darauf spezialisiert, auch diese ultratiefen Karzinome Kontinenz-erhaltend zu operieren.

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Vorsorge in Corona-Zeiten

Früh erkannt, ist Darmkrebs in vielen Fällen heilbar. Professor Alois Fürst vom Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg rät deshalb dringend dazu, die von der Krankenkasse angebotenen Früherkennungsangebote wahrzunehmen. Das gelte auch während der Pandemie. Viele Menschen schieben die Darmspiegelung nach hinten, aus Angst, sich mit Corona anzustecken, sagt Fürst. Doch die Wahrscheinlichkeit, sich beim niedergelassenen Gastroenterologen oder in einer Klinik mit Corona zu infizieren, sei äußerst gering. Im Gegensatz dazu könne Darmkrebsvorsorge Leben retten.

 

 

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