20.03.2019 - 16:33 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Geerdete Schau als Befreiungsschlag

Ana Matt zeigt ihre Verbundenheit zu Regensburg mit Heimatbildern fernab von Kitsch und Ideologie

Ana Matts zeigt beim „artspace Erdel“ ihre Arbeiten zum Thema „Heimat“, bei denen sie mit historischen Flurkarten arbeitet.
von Susanne WolkeProfil

Es ist vielleicht kein Zufall, dass die Premiere des sogenannten Schaulagers von Wolf Erdel zusammenfällt mit der Ausstellungseröffnung Ana Matts. Die Regensburger Stadtpläne, die die Künstlerin in ihre Arbeiten einfließen lässt, sind zwar historisch. Die "Flurkarten" stammen aus dem 19. Jahrhundert. Für die Lage des "artspace Erdel" dürfte dies aber kein Hindernis sein. Trotz des aufgefrischten Namens liegt die Galerie nach wie vor am Donauufer zwischen Regensburger Altstadt und Stadtamhof.

Die paar Schritte von der Galerie am Fischmarkt bis zum Schaulager direkt ums Eck, wo derzeit ebenso wie im eigentlichen Ausstellungsraum Arbeiten Ana Matts hängen, dürfte man allerdings auch ohne Plan schaffen. Und ohnehin haben die Karten bei Ana Matt ihre praktische Bedeutung verloren.

Die Künstlerin betont zwar ihre enge Verbindung zu Regensburg. "Heimat" lautet der Titel ihrer Ausstellung bei Erdel - und das ist weder ideologisch noch kritisch gemeint sondern als tatsächliche Hommage an die engen Gassen, die Donauauen und den nahe gelegenen Bayerischen Wald.

Bei den historischen Karten nutzt Ana Matt allerdings vornehmlich deren ästhetisches Potenzial. In ihren zweischichtigen Arbeiten überlagert die Künstlerin ihre eigenen poetischen Bilder mit den auf Folie gelegten Flurkarten. Manchmal übermalt sie die historischen Vorlagen auch. In jedem Fall aber entstehen dabei Werke voll harmonischer Kontraste.

Gebirgszüge legen sich bei Ana Matt über die verzeichneten Oberpfälzer Fluren. Bunte Vögel setzen sich auf grafische Skizzen Regensburger Parks. Die gefiederten Gesellen tauchen oft auf in dem brandneu gemalten Zyklus Ana Matts.

Für die Künstlerin, die vormals eher minimalistisch gearbeitet hat, bedeuten die Arbeiten einen Befreiungsschlag nach einem schöpferischen Tief. Für den Drucker der historischen Flurkarten ist die Serie eine Würdigung posthum: Franz Anton Niedermayr schuf und vervielfältigte die Flurkarten einst im Auftrag der Bayerischen Regierung - König Max I. hatte im Jahre 1808 die Bayerische Vermessungskommission gegründet.

Und für Wolf Erdel passt die Schau bestens ins Konzept. In seiner derzeitigen Ausstellungsserie beschäftigte sich der Galerist mit den vier Elementen. Ana Matt und ihre Arbeiten zwischen Landkarte und Gemälde decken dabei vortrefflich den Bereich "Erde" ab.

Das neue Schaulager findet man allerdings auch so. Es liegt am Schallern 4, nur wenige Meter entfernt vom artspace Erdel, am Fischmarkt 3 in Regensburg. Öffnungszeiten des artspaces sind Mittwoch von 16 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung, das Schaulager hat täglich geöffnet. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941 702194 oder unter www.erdel.de.

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