30.07.2020 - 14:39 Uhr
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Geschäftslage in der Oberpfalz so schlecht wie noch nie

Die Corona-Krise belastet die ohnehin schwächelnde Metall- und Elektroindustrie in der Oberpfalz schwer. Die Branche geht von einem massiven Produktionsverlust und einem spürbaren Beschäftigtenrückgang aus.

In der Metallindustrie sprühen derzeit nicht die Funken.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Stefan Klumpp will die Zahlen nicht schönreden. „2020 ist für die Metall- und Elektroindustrie in der Oberpfalz ein verlorenes Jahr“, sagte der Bezirksvorsitzende der Arbeitgeberverbände Bayme und VBM am Donnerstag bei einer Videokonferenz mit Pressevertretern. Die Oberpfälzer Firmen hatten die Geschäftslage in einer aktuellen Umfrage so schlecht wie noch nie bewertet. Seit 2001 fragen die Arbeitgeberverbände halbjährlich die wirtschaftliche Lage bei ihren Mitgliedsunternehmen ab.

Rund 81 Prozent der Betriebe bezeichneten das aktuelle Inlandsgeschäft als negativ. Vor einem halben Jahr waren es 12,6 Prozent. Das Auslandsgeschäft wird von rund 85 Prozent der Unternehmen als negativ bewertet, im Dezember 2019 waren es 9,5 Prozent. Die bayerische Metall- und Elektroindustrie habe sich bereits im vergangenen Jahr in der Rezession befunden, erinnerte Klumpp, der den Tirschenreuther Walzenhersteller Hamm AG leitet. Die Produktion sei 2019 um 6,1 Prozent gesunken. Im Januar und Februar 2020 habe sich der Output stabilisiert. „Dann kam Corona und die Produktion fiel innerhalb von zwei Monaten um insgesamt 26 Prozent.“

Aktuell gebe es leicht hoffnungsvolle Anzeichen, dass in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung beginnen könnte. Allerdings fürchtet Klumpp, dass die Urlauber, die an den Arbeitsplatz, die Schule und die Kita zurückkehren, das Infektionsrisiko erhöhen. Daher begrüßt er eine Testpflicht für Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten.

Dachte man zu Beginn der Pandemie, dass sich die Wirtschaft schnell erholen könnte, habe sich die Erwartungshaltung geändert: Mittlerweile gehe man davon aus, dass das Vorkrisenniveau bestenfalls 2022 wieder erreicht werde. Sorgen bereitet Klumpp auch die coronabedingte Verschuldung vieler Staaten. Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung begrüßte er aber ausdrücklich. Das Instrument der Kurzarbeit habe verhindert, dass bislang nicht noch mehr Stellen gestrichen wurden. Derzeit sei jeder zweite Beschäftigte in der bayerischen Metall- und Elektrobranche in Kurzarbeit. Künftig werden wohl mehr Arbeitsplätze wegfallen: Fast 42 Prozent der Betriebe rechnen mit einem weiteren Stellenabbau in der Oberpfalz.

Einen leichten Vorteil sieht Klumpp für die Industrie in der Oberpfalz, da sie im Bayernvergleich recht breit aufgestellt ist. „Trotzdem ist die Lage schlecht“, sagte er. Anfangs habe es sich um eine Versorgungskrise gehandelt, da Zulieferungen aus Ländern wie China oder Italien stockten, was dazu führte, dass manche Firmen ihre Produktion reduzieren oder sogar einstellen mussten. Mittlerweile funktioniere zwar die internationale Lieferkette wieder, nun gebe es aber eine Absatzkrise – weil die Kunden höchst verunsichert sind und die Nachfrage nach industriellen Produkten zurückgegangen ist.

Was Unternehmen in diesen schwierigen Zeiten tun können? Klumpp rät stark davon ab, die Zahl der Auszubildenden zu reduzieren. Wenn Investitionen auf den Prüfstand kommen, warnt er davor, die Forschung und Entwicklung zu stark zu beschneiden. Positiv stimmt Klumpp, dass die Krise Arbeitsteams oft eher enger zusammenwachsen ließ. Das zeige sich auch daran, dass viele Arbeitnehmer nach einer Zeit im Homeoffice recht gerne wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt seien. Dass das Homeoffice zum Massenphänomen wird, glaubt Klumpp nicht. Videokonferenzen würden aber wohl Teil des wirtschaftlichen Lebens bleiben, weil man „nicht wegen jeder Kleinigkeit 500 Kilometer durch Deutschland fahren muss“.

Neben der Coronakrise bezeichnete Klumpp den zunehmenden Protektionismus etwa in den USA oder in Großbritannien als Herausforderung. „Selbst wenn Trump im November abgewählt wird, wird die Grundtendenz des Isolationismus bleiben.“ Dabei sei es die Globalisierung gewesen, die in den vergangenen Jahrzehnten vielen Menschen Wohlstand gebracht habe.

Die Lage in der Oberpfälzer Industrie

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