14.06.2019 - 13:36 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Gewiss ist Polen nicht verloren

Das Ensemble „Arte dei Suonatori“ aus Polen widmet sich bei den Tagen Alter Musik in Regensburg barocken Klängen mit Bezug zu seinem Heimatland. Zu hören waren Telemann, Goldberg und Bach.

Das polnische Barockensemble mit dem Cembalisten Marcin Światkiewicz begeistert mit lebendig-geschmeidigem Spiel.
von Peter K. DonhauserProfil

Georg Philipp Telemann (1681-1767) hatte auf Reisen nach Sorau, Pless, Schlesien und Krakau Berührung mit regionaler Volksmusik, auch der Roma. Das Concerto polonois TWV 43:G7 lässt solche Einflüsse ab und an erkennen. Das bestens zusammen gespielte Ensemble besticht durch lebendigen Atem und geschmeidige Flexibilität der Binnentempi. So treten Phrasierung und übergreifende Architektur der Werke klar zutage. Lieblich und entspannt erklingt das einleitende Dolce und spritzig das Allegro.

Johann Gottlieb Goldberg (1727-1756) ist in Danzig geboren. Sein Name ist den Musikfreunden vor allem durch Bachs "Goldberg-Variationen" bekannt. Der leider blutjung mit 29 Jahren verstorbene Musiker war ein vielgerühmter Cembalist. Sein Concerto d-Moll DürG 16 ragt unter zeitgenössischen Konzerten durch 35 Minuten Spieldauer heraus. Wie viele "Umbruchswerke" zwischen den Stil-Welten (Barock und Klassik) ist es ein interessantes Opus: Die gezackten Unisono-Punktierungen, die großen bizarren Intervallsprünge erinnern an C. Ph. E. Bach, an Sturm und Drang, als Gegenpol bringt Goldberg lieblich-empfindsame Motive. Der nachdenkliche doch positiv gestimmte langsame Satz setzt auf das Primat der Melodie mit untergeordneter Begleitung. Mit faszinierender Suggestion lässt Marcin Swiatkiewicz hier das Cembalo sprechen, im Finale nimmt er die Hörer mit auf eine virtuose Strudelfahrt.

Johann Sebastian Bach (1685-1750) wurde 1736 vom Kurfürsten von Sachsen und König von Polen zum Hofkapellmeister ernannt. Die "Suonatori" spielen seine Orchestersuite in D-Dur BWV 1068 in einer (ursprünglicheren) Version ohne die später hinzugefügten Bläser, sie legen quasi die subtilen Fresken unter dem später aufgetragenen Glanz-Lack frei, die Suite erklingt quasi auf das musikalische Konzentrat reduziert. Die berühmte Air hat Fluss ohne eilig zu wirken, sie wird zum luftigen, berührend positiv gestimmten Gesang ohne schwüle Pseudo-Andacht.

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