24.04.2019 - 17:57 Uhr
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Ein Goggomobil und die Sehnsucht nach Italien

Die Spannung steigt: Am 5. Juni öffnet das Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt seine Pforten. Die Fertigstellung bleibt ein Wettrennen gegen die Zeit.

Wissenschaftsminister Bernd Sibler nahm in einem Goggomobil Platz, das Teil der Ausstellungsabteilung „Wirtschaftswunder“ ist. Dahinter Museumsfachmann Richard Loibl.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Es ist ein rundum zeitgemäßes Haus. Das Foyer mit seinen riesigen Fenstern ist lichtdurchflutet, eine Rolltreppe bringt die Besucher künftig nach oben in die Ausstellungsräume, viele Stationen sind mit technischen Spielereien ausgestattet. "Das Haus gehört zu den drei modernsten Museen in Europa", sagte Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, am Mittwoch bei einem Rundgang. Vor allem die großen Flächen und die unterschiedlichen Raumhöhen bis zu sieben Meter seien ungewöhnlich.

So hat auch der monumentale Wandteppich, der bis 2004 im Plenarsaal des bayerischen Landtags hing, ausreichend Platz. Der Teppich hängt hinter dem Original-Mobiliar des alten Plenarsaals. Besucher können künftig selbst auf den ehemaligen Abgeordnetenstühlen Platz nehmen oder sich hinter das Rednerpult stellen. Am Mittwoch tat das erst einmal Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) - nicht ohne Nostalgie. "An dem Pult habe ich 1999 selbst meine erste Rede im Landtag gehalten", sagte er vor Medienvertretern. Das Mobiliar galt lange als verschollen, wurde aber für das Bayern-Museum gesichert. Der Clou an der Landtagsinszenierung: Auf einem Bildschirm können Besucher historische Debatten verfolgen und selbst abstimmen - zum Beispiel über das Rauchverbot .

Sichtlich Spaß machte Loibl und Sibler die Ausstellungsabteilung "Wirtschaftswunder", die bereits jetzt komplett fertig ist. Sie zeigt eine Parade von seltenen Oldtimern, die in Bayern hergestellt wurden. Die Autos stehen vor einer Brenner-Bergkulisse, die die Sehnsucht der Deutschen nach Italien spiegeln soll. Die Fahrzeuge, darunter ein Janus 250 der Zündapp-Werke und ein "Spatz" der Victoria-Werke Nürnberg, sind teils Leihgaben der Autohersteller, teils wurden sie eigens für das Museum gekauft. Selbst einsteigen können Besucher künftig in ein Goggomobil der Firma Glas aus Niederbayern. Fünf Wochen vor Eröffnung wird im Museumsinneren kräftig gewerkelt. Das frisch angebrachte Geländer darf nicht berührt werden, ein Lichtexperte stellt die Leuchten ein, Kabelsalat hängt aus einer interaktiven Station. Loibl zeigte sich am Mittwoch heiter-angespannt, was den Zeitplan der nächsten Wochen angeht. "Die Dramaturgie ist noch groß, aber wir werden natürlich fertig", meinte er. Auch Sibler sprach von einem "Kraftakt" für die Verantwortlichen vom Haus der Bayerischen Geschichte, die neben der Museums-Gestaltung die jährlichen Landesausstellungen wuppen müssen. Ein Brand in einem Nebengebäude hatte die Eröffnung des Bayern-Museums zusätzlich um ein ganzes Jahr nach hinten geworfen.

Auf öffentlich lautgewordene Kritik, der Museumsbau gleiche einem "Klotz" der nicht ins Stadtbild passe, reagierte Sibler gelassen. Er hoffe auf den "Elbphilharmonie-Effekt": In Hamburg hätten viele anfangs mit dem neuen Wahrzeichen gefremdelt und seien später begeistert gewesen.

Nach der Eröffnung ist der Eintritt in das Museum, das Bayerns Geschichte der vergangenen 200 Jahre ins Zentrum stellt, bis 30. Juni frei. Danach kostet das Ticket für die Dauerausstellung fünf Euro, Zutritt zum Foyer bleibt kostenfrei.

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