24.07.2018 - 18:08 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

An der Grenze des Hörbaren

Zum absoluten Höhepunkt der Schlossfestspiele ist der Galaabend mit Sopranistin Diana Damrau und ihrem Gatten, dem Bass-Bariton Nicolas Testé, vielleicht nicht ganz geraten. Ein Glanzlicht zum Abschluss war er ohne Zweifel.

Der Auftritt von Diana Damrau und Nicolas Testé mit einem Verdi-Programm gerät zu einem Glanzlicht der diesjährigen Schlossfestspiele.
von Autor MSRProfil

Regensburg.Mit den Hofer Symphonikern, die fast so etwas wie ein Hausorchester sind, singt das illustre Paar unter dem überhöhenden Titel "Verdissimo" ein spannendes und tatsächlich auch ergreifendes Programm aus Arien und Duetten von Opern Guiseppe Verdis. Mit fein herausgespielten Kontrasten von dramatischen Ausbrüchen und Momenten des beinahe Stillstands stimmen die Hofer unter Leitung Pavel Baleffs mit der Ouvertüre zu "Nabucco" bestens auf den Abend ein. In seiner bulgarischen Heimat ist der Chefdirigent bei der Philharmonie Baden-Baden zum "Dirigenten des Jahres" gewählt worden. Für das Verdi-Programm mit gleich mehreren Ouvertüren in der zweiten Hälfte hat er die Symphoniker aus Hof trefflich auf die kontrastreichen Stimmungen vorbereitet. Das Publikum im nur teilweise besetzten Schlosshof verhält sich eher zurückhaltend, spart seinen Applaus für den Star auf.

Der war gekommen, als Damrau nach einer düsteren Arie aus dem Prolog von "Simone Boccanegra", in der Nicolas Testé die Gefühlslage des niedergeschlagenen Fiesco sanft auslotet, die Arie Amalias aus "I Masnadieri" (Die Räuber) singt. Aber auch bei diesem gefühlsbetonten Ausbruch, in der sich Damraus Stimme wie eine Feder in die Höhe der Koloraturen schwingt, springt der vielgerühmte Funke noch nicht über.

Koketter Schwung

In der erstes Hälfte des Abends bleibt die Stimmung erst einmal verhalten. Zumindest ein Teil davon geht aufs Konto äußerer Einflüsse. Als Testé mit kokettem Schwung die Erzählung des Hauptmanns Ferrnando "Di due figli vivea patre beato" aus "Il Trovatore" (Der Troubadour) subtil nuanciert und erlebbar macht, führen einige versprengte Regentropfen zu kollektivem Geraschel beim Auspacken und Überstreifen hunderter Regencapes. Danach halten sich die nächtlichen Wolken exakt bis zum Ende des Open-air-Konzertes zurück. Der dann tatsächlich einsetzende Nieselregen lässt den rauschhaften Applaus zu einer herausfordernden Angelegenheit beim Erkämpfen zweier Zugaben werden.

Vorzüglich gespielt

Vielleicht liegt es mit an einer leichten wetterbedingten Anspannung, dass erst nach der Pause mit dem Vorspiel zu "Macbeth" (1. Akt) und Bancos düsterer Vorahnung "Studia il passo, o mio figlio" das Eis endgültig gebrochen werden kann. Mit der vorzüglich gespielten Ouvertüre zu "Giovanna d'Arco" leitet Baleff zu Arien Desdemonas aus dem "Otello" und Philipp II. aus "Don Carlo" über. Die empfindsame Klage von Otellos Weib Desdemona am Abend vor ihrem Tod durch des Gatten Hand durchdringt Diana Damrau mit hinreißender Intensität und Zartheit. Sie geht damit an die Grenzen des Hörbaren in den Rufen des Weideliedes. Ein absolutes Glanzstück des Abends, das weit darüber hinaus im Hörgedächtnis haften bleiben wird.

Hier wird unmittelbar erlebbar, dass die Erhebung zur "weltbesten Koloratursopranistin" eine überaus solide Basis im lebendigen und ausdrucksstarken Gesang der Günzburgerin und in ihren prall-lustvollen Koloraturen hat. Aber auch das stimmliche Licht des Gatten Nicolas Testé kann in der großen Arie des Philipp ("Ella Giammai M'amo") noch einmal dunkel-glühend aufleuchten. Mit dem Duett zwischen dem widerwärtigen Intriganten Wurm und der Soldatentochter Luisa aus dem zweiten Akt von "Luisa Miller" endet der Abend, der schließlich doch zum musikalischen Erlebnis wird.

Bei den vernieselten Zugaben lässt Diana Damrau ihrem französischen Lebenspartner mit "Un ignoto" aus "I Masnadieri" den Vortritt. Sie selbst bezaubert mit dem virtuos gestalteten und beschwingten "Mercé, dilette amiche" aus der "Sizilianischen Vesper". Das im Programmheft versprochene "musikalische Feuerwerk der Gefühle" hat sich zuletzt doch eingestellt.

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