19.04.2021 - 19:42 Uhr
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Grüne Kanzlerkandidatin: "Annalena Baerbock ist ein Energiebündel"

Der Oberpfälzer Grünen-Abgeordnete Stefan Schmidt und die Wackersdorfer Kandidatin Tina Winklmann sind von ihrer Kanzlerkandidatin begeistert. Sie halten Annalena Baerbock für kanzlerabel.

Der Regensburger Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Während die zwei möglichen Kandidaten der Union miteinander ringen, umringen die Grünen ihre frisch gekürte Kanzlerkandidatin freudig. "Es ist die erste Kanzlerkandidatin der Grünen in zweifacher Hinsicht", jubelt Tina Winklmann. Die 41-jährige Wackersdorferin hat auf Platz 17 der Landesliste beste Chancen, die Grünen-Frontfrau bald öfter live zu erleben. "Das ist ein riesiger Schritt in unserer Parteienentwicklung."

Winklmann: "So geht Politik"

Annalena Baerbock sei eine starke, klare Politikerin. "Der Findungsprozess hat gezeigt: So geht Politik, wenn man etwas bewegen und gestalten will", sagt Winklmann mit einem Seitenhieb Richtung Union. Dass sie bisher über keinerlei Regierungserfahrung verfügt, hält sie für keinen eminenten Nachteil: "Sie ist eine Profipolitikerin, die weiß, wovon sie spricht", beschreibt sie die Hannoveranerin, "sie ist in der Kommunalpolitik verwurzelt, ist eine gestandene Abgeordnete, war bei den Jamaika-Koalitionsverhandlungen an führender Stelle mit eingebunden - und dass sie keine Regierungserfahrung hat, wird sich am 26. September ändern."

An diesem Tag müssten die Wähler entscheiden, wie eine starke, stabile Mehrheit zusammenkommen kann: "Wir werden uns mit allen demokratischen Parteien unterhalten außer der AfD", vermeidet Winklmann eine Richtungsentscheidung. "Das müssen wir vom Ergebnis abhängig machen." Vor allem aber ziehe man in den Wahlkampf, um stärkste Kraft zu werden. "Was die Union macht, ist jedenfalls alles andere als gut."

Schmidt: "Feministisch orientierte Partei"

So klar, wie das zuletzt in den Medien kommuniziert worden ist, sei die Entscheidung zwischen Annalena Baerbock und Robert Habeck in der Fraktion nicht gewesen: "Da wurde mehr spekuliert als in den eigenen Reihen", sagt der Regensburger Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt. Wo sieht der Oberpfälzer Grüne die Vorzüge bei der Kanzlerkandidatin? "Den Grünen als feministisch orientierter Partei steht es gut an, als einzige Partei mit einer Kandidatin ins Rennen zu gehen." Er selbst freue sich, dass sie sich angenehm abhebe. "Sie ist ein Wossi aus Hannover, die seit langem in Potsdam zuhause ist", beschreibt Schmidt seine Parteifreundin. "Sie kennt die Braunkohle-Gebiete in der Lausitz aus eigener Anschauung."

Vor allem aber sei sie ein "wahnsinniges Energiebündel": "Ich habe ja auch viel Engagement", sagt der 39-Jährige über die ein Jahr ältere, "aber was sie neben Kindern und Familie, Mandat, Parteivorsitz und jetzt auch noch Kanzlerkandidatur, das heißt noch mehr Gremien, leistet, das ist schon enorm." Dazu verbinde sie in idealerweise "Durchsetzungsstärke bei gleichzeitiger Diskussionsfreudigkeit". So wie er sie kennen gelernt habe, würde sie sich die fehlende Regierungserfahrung schnell aneignen: "Sie ist gut in den Themen drin, weiß, wie Entscheidungsprozesse ablaufen und ist auch international gut eingearbeitet."

Mit Blick auf die Konkurrenz verliere die Schwarz-Grüne-Option gerade an Charme: "Markus Söder will mit dem Kopf durch die Wand, so kann man eine Regierung nicht führen." Da gehöre Kompromissfähigkeit dazu. "Man erlebt gerade eine Borniertheit, von der man in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen hat, Söder hätte sie als Landesvater abgelegt." Seine Präferenz: "Grün-Rot-Rot oder Ampel wäre mir persönlich lieber als Schwarz-Grün", sagt Schmidt, "schon weil ich zuversichtlich bin, dass die Grünen in einer solchen Konstellation die Führungsposition einnehmen."

Signale von der FDP

Man höre bereits Signale von FDP-Chef Christian Lindner, der für Jamaika und Ampel trommle. "Aus meinen vielen Gesprächen mit dem Oberpfälzer FDP-Kollegen Lechte weiß ich, wo wir verschiedener und wo wir ähnlicher Auffassung sind." Oberste Prämisse einer von den Grünen geführten Politik sei der Klimaschutz. "Aber wir wollen uns sicher nicht darauf reduzieren lassen."

Von einer Regierungschefin Baerbock erwarte er sich anders als von der Kanzlerin mit der Raute, dass sie keiner schwierigen Diskussion aus dem Weg gehe: "Sie geht im Zweifel auch zu den Kohlekumpels und versucht, ihnen ihre Entscheidung zu erklären, anstatt sich wegzuducken."

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Wiesau
Zur Person:

Annalena Charlotte Alma Baerbock

  • Baerbock (*15. Dezember 1980 in Hannover) wuchs als Tochter einer Sozialpädagogin und eines Maschinenbauingenieurs zusammen mit zwei Schwestern und zwei Cousinen auf einem Bauernhof in Pattensen bei Hannover auf.
  • Baerbock betrieb als Jugendliche Trampolinspringen als Leistungssport, nahm an Deutschen Meisterschaften teil und gewann dreimal Bronze.
  • Nach dem Abitur studierte Baerbock zunächst von 2000 bis 2004 Politikwissenschaft und öffentliches Recht an der Universität Hamburg, danach von 2004 bis 2005 Völkerrecht an der London School of Economics and Political Science und schloss dort mit einem „Master in Public International Law“ (LL.M.) ab.
  • Während ihres Studiums arbeitete Baerbock von 2000 bis 2003 als Journalistin für die Hannoversche Allgemeine Zeitung.
  • Nach dem Studium war sie von 2005 bis 2008 als Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter sowie 2005 zusätzlich als Trainee des „British Institute of Comparative and Public International Law“ tätig.
  • Baerbock ist mit dem Politikberater und PR-Manager Daniel Holefleisch (* 1973) verheiratet. Das Ehepaar lebt mit ihren zwei Töchtern (* 2011, * 2015) in Potsdam. Sie ist evangelisch-lutherischer Konfession.
  • Baerbock ist seit 2005 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Von 2008 bis 2013 war sie Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Europa. Als solche hat sie inhaltlich, konzeptionell und strategisch an der Europapolitik ihrer Partei mitgewirkt.
  • Von 2009 bis 2012 war sie Vorstandsmitglied der Europäischen Grünen Partei, dem Zusammenschluss grüner Parteien in Europa.
  • Ab Oktober 2008 gehörte sie dem Brandenburger Landesvorstand der Partei an. Am 14. November 2009 wurde Baerbock neben Benjamin Raschke zu einer von zwei gleichberechtigten Vorsitzenden des Landesverbands Brandenburg gewählt. Nach ihrem Einzug in den Bundestag kandidierte sie auf der Landesdelegiertenkonferenz im November 2013 nicht erneut für das Amt der Landesvorsitzenden.
  • Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte Baerbock vergeblich als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Frankfurt (Oder) – Oder-Spree sowie auf Listenplatz 3 der brandenburgischen Landesliste der Grünen.
  • In ihrer ersten Legislatur im Bundestag (2013–2017) war Baerbock klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
  • Seit dem 27. Januar 2018 ist sie Bundesvorsitzende der Grünen, gemeinsam mit Robert Habeck.
  • Am 19. April 2021 verkündeten Annalena Baerbock und Robert Habeck, dass Baerbock vom Bundesvorstand der Grünen als Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2021 vorgeschlagen wurde.

 

 

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