01.10.2020 - 14:22 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Ein Herz für die afrikanische Wildnis: 100 Kilometer für die Tiere

Die niederbayerische Rangerin Katrin Klewitz unternimmt einen „Elefanten-Walk“ nach Regensburg, um Spenden zu sammeln. Sie sieht die Tierwelt in Südafrika in Gefahr.

Katrin Klewitz ist ausgebildete Ranger Field Guide. Das Gewehr trägt sie nur, um im äußersten Notfall ihre Gruppe zu schützen.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Corona bedroht die Artenvielfalt in Südafrika. Durch ausbleibende Touristen in Nationalparks und die damit einhergehenden Einnahmeeinbußen nimmt die Wilderei zu. Auf dieses Problem will Rangerin Katrin Klewitz aufmerksam machen – mit einem „Elefanten-Charity-Walk“ nach Regensburg.

An diesem Samstag muss Katrin Klewitz sehr früh aufstehen: Um 2 Uhr morgens beginnt sie zusammen mit ihrer Freundin Lisi Edmaier einen 100-Kilometer-Marsch vom niederbayerischen Pfarrkirchen bis nach Regensburg. Gegen 23 Uhr abends wollen sie an der Historischen Wurstkuchl ankommen. Für jeden gelaufenen Kilometer spenden die beiden Frauen einen Euro. Zudem wollen sie weitere Menschen dazu animieren, für die Ranger in Südafrika und die Tierwelt dort zu spenden.

Katrin Klewitz ist selbst ausgebildeter „Ranger Field Guide“. Die 38-Jährige, die in Aidenbach bei Vilshofen (Kreis Passau) lebt, hat in Südafrika die einjährige Ausbildung dazu absolviert. Sie hat gelernt, Touristen bei Touren zu Fuß oder im Jeep sicher durch den Busch zu führen. Auf dem Ausbildungsprogramm standen neben Navigation, Orientierung, Sternenkunde und Ökologie auch Tierverhalten und Vogelkunde. Klewitz lernte, 105 verschiedene Vögel am Ruf zu erkennen.

Touren wegen Corona-Pandemie abgesagt

Aktuell würde Klewitz drei Gruppen durch die südafrikanische Wildnis führen – doch die Touren wurden wegen coronabedingter Reiseeinschränkungen abgesagt. Die 38-Jährige hofft, dass die Reisen so bald wie möglich nachgeholt werden können. Derweil sind ihre Gedanken in Südafrika. „Der Einbruch im Tourismus sorgt für arbeitslose Ranger und einen Anstieg der Wilderei“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Handel mit Elfenbein spiele eine große Rolle. Ebenso beliebt sei das Horn der Nashörner – als Pulver werde es in asiatischen Ländern als teures Allheilmittel verkauft. „Das Horn wird den Tieren bei lebendigem Leib abgeschnitten, sie sterben elendig“, erzählt Klewitz.

Als Ranger Field Guide ist es ihre Aufgabe, das Befinden der Touristen im Blick zu haben – und die Tiere möglichst wenig zu stören. Bei Touren muss sie stets die Windrichtung im Kopf haben. Der Geruch der Menschen soll nicht zu den Tieren getragen werden, denn die Wildtiere sollen so wenig wie möglich gestört werden. Die Touristen sollen deshalb auch khaki- oder olivgrün gekleidet sein. „Regel Nummer eins ist: Stand your ground – never run“, sagt Klewitz. „Nicht wegzurennen kann aber der schwierigste Teil sein.“

Sie ist selbst einmal einer Löwin mit ihren Jungen begegnet, die Wasser tranken. Die Löwenmutter fühlte sich von der Menschengruppe bedroht und ging in Angriffsstellung. Weil sich alle korrekt verhielten und still stehen blieben, kam sie aber letztlich nicht näher. Die Wildnis begleitet Katrin Klewitz seit ihrer Kindheit. Nach einem äußerst abwechslungsreichen bisherigen Berufsleben – sie arbeitete als ausgebildete Schauspielerin, Regisseurin, Kampfchoreografin, Coach und als Fahrlehrerin im Betrieb ihres Mannes – hat sich die 38-Jährige den Wunsch erfüllt, Rangerin zu werden.

Regel Nummer eins ist: Stand your ground – never run. Nicht wegzurennen kann aber der schwierigste Teil sein.

Katrin Klewitz

Katrin Klewitz

Von Kampfkunst begeistert

Die Kampfkunst übe zwar eine große Faszination auf sie aus, erzählt Klewitz. Doch irgendwann wollte sie weniger mit Gewalt zu tun haben und andere Wege aus Konflikten erforschen. Zu dem Thema hat sie gerade erst ein Buch geschrieben. In „So sehen Siegerinnen aus – Konflikte meistern durch Balance, Haltung und Selbstvertrauen“ geht es um den Umgang mit Auseinandersetzungen. Wichtig ist Klewitz vor allem diese Botschaft: „Wir müssen unseren Planeten so gerecht teilen, dass wir alle gut zurechtkommen. Der Mensch nimmt sich schon ein sehr großes Stück.“ In Südafrika habe sie gelernt, dass in einem Kreislauf jedes Lebewesen seine Nische hat. „Das System wird angegriffen, wenn ein Teil wegfällt.“

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Unterstützt werden kann die Hilfsaktion unter

Als Rangerin hat Katrin Klewitz die Wildnis in Afrika im Blick.
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