Nach langer Zeit wurde diese Lücke jetzt geschlossen: Das neue Gemeindezentrum am Brixener Hof mitsamt Synagoge wurde am Mittwoch eingeweiht. Hintergrund für den Neubau war Platzmangel. Nachdem die Gemeinde nach 1945 lange nur etwa 100 Mitglieder zählte, verzehnfachte sich die Zahl in den 90er-Jahren durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion. Die Neuankömmlinge brachten frischen Wind mit. Doch das aus einem schmalen Altbau und einem 60er-Jahre-Flachbau bestehende Gemeindezentrum reichte für die nunmehr 1000 Mitglieder nicht mehr aus. Außerdem waren die provisorischen Räumlichkeiten kein angemessener Ersatz für die prächtige Synagoge, die bis 1938 am Brixener Hof stand und die in der Reichspogromnacht zerstört wurde.
Dass die Eröffnung des neuen Gemeindezentrums zum Wunschdatum Februar 2019 geklappt hat, ist für Dieter Weber, Vorsitzender des Fördervereins "Neue Regensburger Synagoge", ein Glücksfall. "Ich dachte anfangs, das Datum ist irreal", erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch durch viel Unterstützung und manche Glücksfälle sei es möglich geworden. Der Förderverein unterstützte das Projekt seit 2012: 30 engagierte Bürger taten sich damals zusammen, um das Vorhaben durch das Eintreiben von Spenden und Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen. Die Mitglieder seien keine Juden, wollen sich aber der historischen Verantwortung der Stadt stellen, erklärt Weber. "Es waren Bürger der Stadt, die die Synagoge zerstört haben und zugeschaut haben, wie die Juden vertrieben wurden." Deshalb sei es heute Aufgabe der Stadtgesellschaft, dafür zu sorgen, dass jüdisches Leben in Regensburg in adäquater Form möglich ist. Dass die Eröffnung des neuen Zentrums nun da ist, sei ein "tolles Gefühl", sagt Weber.
Gemeinsam hätten der Förderverein und die jüdische Gemeinde 950 000 Euro an Spenden gesammelt. Das sei eigentlich auch in etwa die Summe gewesen, die nötig gewesen wäre. Ursprünglich seien 7,5 Millionen Euro für das gesamte Projekt veranschlagt gewesen, 2,5 Millionen für die Sanierung des Altbaus und 5 Millionen Euro für den Neubau. Den größten Teil der Kosten übernähmen Bund, Land und Stadt Regensburg. Allerdings seien die Neubau-Kosten nach oben gegangen, so dass die Gesamtsumme nun bei 9 Millionen Euro liege, erklärt Weber. Daher sei man weiterhin auf Spenden angewiesen.
Das neue Gemeindezentrum solle zwei Dinge miteinander verbinden: Zum einen solle es durch große Fenster, den Innenhof und die Bibliothek, beide öffentlich zugänglich, einladend wirken. Andererseits müssten Sicherheitsbedürfnisse erfüllt werden, sagt Weber. Daher sei das Gemeindezentrum selbst nur über eine Sicherheitsschleuse erreichbar.
Im Gemeindezentrum befinden sich ein Gemeindesaal für 200 Personen, Büros für Verwaltung und Kinder- und Jugendarbeit sowie zwei Küchen für koscheres Essen. Im ersten Stock ist der Gebetsraum untergebracht, der den Männern der Gemeinde vorbehalten ist. Für die Frauen gib es eine Empore. Der Entwurf für das neue Zentrum stammt aus dem renommierten Architekturbüro Staab aus Berlin. An der Architektur besonders sei, dass die Synagoge von beiden Gassenseiten sichtbar sei, sagt Weber. Höhenmäßig füge sich das Gebäude in die umliegende Altstadt ein. Die Außenfarbe sei freundlich gewählt worden. Über dem Eingangsbereich windet sich eine goldene Spirale mit einem Gedicht von Rose Ausländer.
Hintergrund
Die Eröffnung der neuen Synagoge fällt bewusst auf ein geschichtsträchtiges Datum. Vor 500 Jahren, im Februar 1519, wurden nach einem Judenpogrom die mittelalterliche Synagoge und das damalige jüdische Viertel der Stadt auf dem heutigen Neupfarrplatz zerstört. Die jüdische Gemeinde in Regensburg ist älter als der Dom: Sie existiert seit mindestens dem zehnten Jahrhundert und ist eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Bereits 1230 hatte die Gemeinde die Synagoge am Neupfarrplatz errichtet, die 1519 durch Regensburger Bürger zerstört wurde. 1912 wurde am heutigen Brixener Hof eine neue Synagoge eingeweiht. In der Reichspogromnacht im November 1938 wurde das Gotteshaus abgebrannt, die Juden vertrieben. Genau an diesem Standort ist nun der Neubau für die jüdische Gemeinde entstanden.
Bei der Grundsteinlegung des Neubaus im Oktober 2016 hatte Ilse Danziger, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Regensburg, von einem „historischen Tag“ gesprochen. Zum dritten Mal entstehe in der Stadt eine freistehende Synagoge. „Unser Herz quillt über“, sagte Rabbiner Josef Bloch damals. Die Grundsteinlegung bedeute den Beginn des Wiederaufbaus des Gotteshauses, das aus fast 78-jähriger Asche wieder auferstehe. (gib)
Spendenkonto
„Neue Regensburger Synagoge
e. V.“, IBAN DE12 7505 0000 0026 5954 39, Sparkasse Regensburg, BIC BYLADEM1RBG, Verwendungszweck „Neues Jüdisches Zentrum“.
















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