09.01.2019 - 17:44 Uhr
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Hilfe für Familien im Ausnahmezustand

Seit 30 Jahren kümmert sich der VKKK Ostbayern in Regensburg um krebskranke Kinder. Das Elternhaus wurde allein durch Spenden finanziert.

Das VKKK-Elternhaus neben der Uniklinik Regensburg ist für die Familien von krebskranken Kindern ein Anker in einer schwierigen Zeit.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Alles begann mit einer Lücke im Versorgungsangebot: Krebskranke Kinder hatten in Ostbayern lange keine Behandlungsmöglichkeit. Sie und ihre Familien mussten weite Wege bis nach München in Kauf nehmen. Um betroffene Familien zu unterstützen, gründete sich vor 30 Jahren der Verein zur Förderung krebskranker und körperbehinderter Kinder (VKKK) Ostbayern. Es war der Auftakt einer Erfolgsgeschichte.

Mittlerweile ist die Versorgungslücke geschlossen: Heute können die kleinen Patienten an der Kuno-Klinik in Regensburg auf höchstem medizinischem Niveau versorgt werden. Der VKKK begleitet die betroffenen Familien mit psychosozialer Betreuung, Unterstützung bei finanziellen Engpässen, Musiktherapie und Nachsorge. Aus 44 Mitgliedern im Gründungsjahr sind über 1130 Mitglieder geworden. Der zumindest sichtbar größte Erfolg des Vereins: Allein aus Spendengeldern baute und betreibt der VKKK ein Elternhaus neben der Kinderklinik. Dort können Mütter und Väter seit 2010 wohnen, während ihre Kinder stationär behandelt werden.

„Die Behandlung von Krebserkrankungen dauert oft lange“, erklärte Irmgard Scherübl, zweite Vorsitzende, am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Die Eltern, die bei ihren Kindern am Krankenbett ausharren, hätten in dem Elternhaus einen Ort, um sich zurückzuziehen und neue Kraft zu tanken. Manchmal gehe es auch nur darum, dass eine Mutter sich kurz die Haare waschen kann. Wichtig seien auch die Nachsorgeangebote, die beim Schritt zurück in ein „normales“ Leben helfen. Auch Treffen von ehemals krebskranken Kindern organisiert der VKKK. „Auf der Station wird man zu einer Familie und will sich auch später wiedersehen“, sagte Scherübl.

Neben der ohnehin schwer belastenden Zeit kämen auf manche Familien auch finanzielle Probleme zu, sagte Vereinsvorsitzender Professor Franz-Josef Helmig. Wenn zum Beispiel ein Elternteil nicht mehr arbeitet, um das erkrankte Kind zu betreuen, falle auch ein Gehalt weg. Hier springe der VKKK nach einer Prüfung durch Sozialarbeiter der Klinik mit finanziellen Hilfen ein. Auch bei Anschaffungen in der Kinderklinik helfe der VKKK mit. Jüngst habe der Verein den Kauf eines 25 000 Euro teuren Lasers zur Behandlung von Geschwüren ermöglicht, berichtete Helmig. Auch ein zusätzlicher Arzt in der Ambulanz werde durch den VKKK finanziert. Insgesamt habe der Verein in den vergangenen Jahren etwa 1000 Familien unterstützt, schätzt Helmig.

Möglich ist dieses Engagement nur durch die unermüdliche Spendentätigkeit der Ostbayern, betonten die VKKK-Verantwortlichen. „Wir brauchen 300 000 Euro im Jahr. Das ist schon eine Hausnummer“, sagte Vorstandsmitglied Günther Lindner. Glücklicherweise sei der Verein mittlerweile sehr bekannt. Banken, Firmen oder Vereine würden genauso spenden wie Privatpersonen. Es gebe Kinder, die ihr Kommunionsgeld vorbeibringen und Leute, die sich zu ihrem runden Geburtstag Geld für den VKKK schenken lassen. Auch bei Spendenläufen oder Benefizkonzerten werde für den VKKK gesammelt, freut sich Theresa Buhl, Leiterin der Vereins-Geschäftsstelle. Etwa 100 ehrenamtliche Helfer würden sich für den VKKK engagieren.

Viele Helfer werden auch im Jubiläumsjahr im Einsatz sein, in dem eine Reihe von Veranstaltungen geplant ist: Nach einem Empfang für geladene Gäste mit Bayerns Heimatminister Albert Füracker findet am 18. Januar um 19.30 Uhr im Regensburger Marinaforum das Benefizkonzert „Two.Night“ statt, für das es noch Restkarten gibt. Ein prominent besetztes Fußballturnier organisiert der Schauspieler und VKKK-Botschafter Marcus Mittermeier am 13. Juli. Am 13. Oktober spielt Musiker Donikkl für den VKKK ein Konzert im Aurelium in Lappersdorf.

30 Jahre Hilfe für krebskranke Kinder in Ostbayern: Das VKKK-Team um Vorsitzenden Professor Franz-Josef Helmig (Zweiter von rechts) begeht das Jubiläumsjahr unter anderem mit dem Benefizkonzert „Two.Night“.

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