10.11.2019 - 13:38 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Höchste Eisenbahn für den Schienenausbau

Es kommt Bewegung in Oberpfälzer Bahnprojekte. Das konnte man bei einer Grünen-Veranstaltung in Regensburg erfahren. Sorgenkind bleibt der Ausbau der Metropolenbahn Richtung Prag.

Die Podiumsrunde: (von links) Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt, Stefan Schell (Bayerisches Verkehrsministerium), Matthias Trykowski (DB Netz AG) Moderatorin Maria Simon, Landtagsabgeordneter Jürgen Mistol und Lukas Iffländer (Pro Bahn).
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Lange wurde der Schienenausbau in der Oberpfalz vernachlässigt. Doch verschiedene Ausbauprojekte mit der Elektrifizierung Hof-Regensburg als Kernmaßnahme sollen nun Verbesserungen bringen. „Ein Skandal“ ist für den Grünen-Landtagsabgeordneten Jürgen Mistol weiter die schlechte Anbindung nach Prag.

Grundsätzlich sieht Mistol, selbst ein begeisterter Bahnfahrer, „Licht am Ende des Tunnels“. Die Bayerische Staatsregierung wolle unter anderem durch Taktverdichtungen im Regierungsbezirk substanziell etwas ändern, spürbar werde das aber frühestens ab 2023. Besonders dringend notwendig seien Verbesserungen im Fernverkehr, sagte Mistol am Samstag bei der Grünen-Veranstaltung „Die Bahn in der Oberpfalz“ in Regensburg. Die Zugverbindung nach Prag sei 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs viel zu langsam und von „grandiosen Verspätungen“ geprägt.

Der Ausbau der sogenannten Metropolenbahn von München und Nürnberg bis Prag ist zwar im vergangenen Jahr im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf hochgestuft worden. „Doch seitdem ist nicht viel passiert“, bemängelte Grünen-Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt. Er habe bereits mehrmals beim Bundesverkehrsministerium nachgefragt, wann der Planungsauftrag vergeben wird. Dort heiße es jedoch, auf tschechischer Seite sei man noch nicht weit genug. Tschechische Vertreter, mit denen er gesprochen habe, würden das aber dementieren, sagte Schmidt.

Einen grundsätzlichen Stimmungswandel zugunsten der Bahn machte Stefan Schell, Ministerialabgeordneter im Bayerischen Verkehrsministerium, in Zeiten der Klimadebatte aus. Vor kurzem sei ein 23-jähriger Oberpfälzer Bürgermeisterkandidat zu ihm gekommen und habe „mit Inbrunst“ eine bessere Schienenanbindung seines Orts gefordert. Vor ein paar Jahren hätte er den Mann für einen Grünen gehalten. „Er war aber ein CSUler.“

Für Diskussionen sorgte die jüngste Ankündigung aus dem Bundesverkehrsministerium, dass die Elektrifizierung Hof-Regensburg als eine von zwölf Maßnahmen im neuen Beschleunigungsgesetz steht. Die Elektrifizierung könnte so deutlich früher umgesetzt werden. Das begrüßen die Grünen-Politiker Schmidt und Mistol zwar grundsätzlich. Sie kritisieren jedoch, dass durch das Beschleunigungsgesetz das Klagerecht von Anwohnern deutlich eingeschränkt wird. Ministerialrat Schell betonte, dass die Umweltprüfung und die Bürgerbeteiligung trotz der Beschleunigung nicht wegfallen. Zudem gebe es bereits die Zusage, dass bei der Elektrifizierung der Strecke maximaler Lärmschutz zum Einsatz komme. Die Elektrifizierung soll den Personenverkehr verbessern und den Güterverkehr auf der Strecke überhaupt erst möglich machen.

Einen „großen Wurf“ sicherte Matthias Trykowski von der DB Netz Agentur beim Schienenausbau in Nordostbayern zu. In den vergangenen Jahren sei hier „nicht viel passiert“, räumte er ein. Doch nun sehe der Bundeswegeverkehrsplan den Ausbau von sieben Strecken zwischen Nürnberg, Hof und Regensburg vor. 2,5 Milliarden Euro sollen investiert werden. Die errechnete CO2-Einsparung liege nach Umsetzung der Maßnahmen bei 100 000 Tonnen im Jahr.

Mangelnde Barrierefreiheit an vielen Bahnhöfen, veraltete Züge, eine Alex-Verbindung nach Prag, die nicht funktioniere: So sieht Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, die aktuelle Situation in der Oberpfalz. Um das zu ändern, müsse der Bund dringend mehr in die Schiene investieren. 2018 habe die Pro-Kopf-Investition in die Schieneninfrastruktur in Deutschland bei 77 Euro pro Jahr gelegen – in Schweden waren es 172 Euro und in der Schweiz sogar 365 Euro.

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