Regensburg
09.05.2024 - 13:26 Uhr

Infineon überrascht mit Stellenabbau

Der Chiphersteller will sparen. Am Standort in Regensburg stehen Hunderte Jobs auf dem Prüfstand. Die IG Metall kritisiert die Ankündigung stark.

Am Regensburger Standort des oberbayerischen Chipherstellers Infineon sollen Stellen abgebaut werden. Archivbild: Armin Weigel/dpa
Am Regensburger Standort des oberbayerischen Chipherstellers Infineon sollen Stellen abgebaut werden.

Der oberbayerische Chiphersteller Infineon hat Stellenstreichungen an seinem Standort in Regensburg angekündigt. Das hat die Belegschaft überrascht. Der Betriebsratsvorsitzende Johann Dechant sagte, Infineon sei „kein krankes Unternehmen“, wo man mit so etwas rechnen müsse. Es stehe „wirtschaftlich top da und deshalb haben wir mit so einer knallharten Maßnahme nicht gerechnet“. Das letzte Geschäftsjahr sei das beste der Unternehmensgeschichte gewesen, mit einer Gewinnmarge von 27 Prozent und über vier Milliarden Euro Gewinn.

Die angekündigten Stellenstreichungen in Höhe einer „mittleren dreistelligen Zahl von Arbeitsplätzen“, wie es von Unternehmensseite heißt, will er nicht hinnehmen. „Unser Ziel ist es, diese Zahl auf alle Fälle massiv zu reduzieren“, gibt sich Dechant kämpferisch. Für die anstehenden, aber noch nicht terminierten, Verhandlungen über einen Interessenausgleich will er sich in wirtschaftlichen und rechtlichen Dingen beraten lassen.

"Massiver Kahlschlag"

Unterstützung erhält der Betriebsrat auch von der IG Metall Regensburg. Der Bevollmächtigte Rico Irmischer sagte, er sei „entsetzt und schockiert“ und kritisiert die Ankündigung scharf.“ Ein so massiver „Kahlschlag“ treffe alle eiskalt, auch wenn das Management in den vergangenen Monaten bereits die Weichen Richtung Sparkurs gestellt habe.

Gerade die Halbleiterindustrie habe in den vergangenen Jahren massive Gewinne eingefahren, so Irmischer, sie sei der Gewinner der Chipkrise der vergangenen Jahre. „Der Vorstand handelt nach der altbekannten Logik: Sie wollen den Gewinn steigern, indem sie die guten Produkte, die sie aktuell in Regensburg produzieren, ins billigere Ausland verlagern. Hier geht’s nicht ums Überleben der Firma, hier geht’s rein um Profitmaximierung“, so der Gewerkschaftsbevollmächtigte. Dechant spricht von einer Verlagerung der Produktion in „Billiglohnländer“.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Am Dienstag hatte Infineon nach schwachen Zahlen seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt und das unternehmensweite Sparprogramm angekündigt – allerdings noch ohne Details zu nennen. Am gleichen Tag hatte der Chiphersteller in einer Betriebsversammlung die Belegschaft informiert – am Mittwoch wurden dann erste Stellenstreichungen öffentlich. Der Umbau soll laut einem Unternehmenssprecher allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen ablaufen: durch natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Das genaue Vorgehen wird Teil der Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich sein. Wie die Mediengruppe Attenkofer aus internen Quellen zudem erfahren hat, soll vor allem die Fertigung vom Jobabbau betroffen sein.

Derzeit beschäftigt Infineon in Regensburg etwa 3100 Mitarbeiter. Dazu kommen rund 200 Zeitarbeiter. Der Sprecher betonte, dass Regensburg „weiterhin eine wichtige Rolle als Innovationsstandort“ spielen wird. Infineon habe vor, künftig in Deutschland und auch in Regensburg weiter zu investieren.

Aiwanger: "Schmerzhafte Entscheidung"

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) reagierte ebenfalls auf die Ankündigung und sagte, die Entscheidung Infineons sei schmerzhaft, die Gründe für den Stellenabbau in Regensburg kämen für ihn indes nicht überraschend. „Die Realität ist: Einfache Produktionsschritte wie Wafer schneiden, testen und verpacken, lassen sich in Deutschland aufgrund der Kostensituation nicht mehr halten. Hier gibt es an Standorten in anderen europäischen Ländern einen deutlichen Kostenvorteil. Hinzu kommt ein massiver Wettbewerbsnachteil für deutsche Industrieunternehmen aufgrund der hohen Energiekosten.“

 
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