Wagner, Chef der IT-Firma Insys Microelectronics, hat die gemeinnützige Initiative „Ostbayern handelt!“ (OHA!) ins Leben gerufen, ein Projekt, das sich in erster Linie an Unternehmen wendet, aber nicht nur an diese. Ein Projekt mit dem ehrgeizigen Ziel, die Unternehmen in der Region bis zum Ende des Jahrzehnts so CO2-schlank zu machen, dass deren Wirtschaften dem Planeten nicht mehr schadet.
Es geht also ums Abnehmen. Aus dicken Unternehmen – dick an CO2 – sollen schlanke werden. Und dazu müssen die „Dicken“ natürlich erst einmal wissen, wieviel sie überhaupt wiegen. Um das CO2-Gewicht zu bestimmen, wurde in Zusammenarbeit mit der OTH Regensburg ein Tool entwickelt, denn „wenn ich nicht weiß, wie schwer ich bin, kann ich auch kein Ziel definieren, wieviel ich abnehmen will“, sagt Wagner.
Der Unternehmer, der gern das Wort des deutschen Klimapapstes Hans Joachim Schellnhuber zitiert, wonach der „Klimawandel so etwas wie ein Meteoriteneinschlag in Zeitlupe“ ist, sieht die Generation in der Pflicht, die derzeit an der Spitze der Unternehmen steht. „Wir sind die Verursachergeneration. Wir sind es. Wir leben ins Saus und Braus, als gäbe es kein Morgen“, sagt Wagner im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Die Initiative „Ostbayern handelt!“ sieht er dennoch nicht in der Rolle des Aufpassers, der mit dem Finger auf diejenigen zeigt, die sich schwer tun mit dem Abnehmen, vielmehr wolle das Projekt sensibilisieren und motivieren. Das dann aber doch sehr deutlich. Denn die Zeit drängt.
Es geht um "ernsthaftes Bemühen"
Wenn die Unternehmen jetzt anfingen, ökologisches Denken oben auf ihre Agenda zu setzen, dann könne man die CO2-Diät jederzeit bis 2030 schaffen, sagt Wagner. Wobei mit ökologischem Denken ganz sicher keine Greenwashing-Augenwischereien gemeint seien, sondern ausschließlich das ernsthafte Bemühen, den CO2-Fußabdruck zu verkleinern, ohne das eigene CO2 anderswohin auszulagern oder zu kompensieren.
Hinter der Initiative, die aktuell als Verein firmiert, stecken allerlei namhafte Köpfe aus der Region, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen. Die Webseite [https://www.oha-initiative.com] soll eine Plattform sein, die einerseits vernetzt, die aber auch Best-Practice-Beispiele bietet, die ungeniert übernommen werden dürfen. Es müssen den Worten Wagners zufolge auch nicht immer die ganz großen Maßnahmen sein, auch kleine Schritte seien wertvoll, zum Beispiel der Hinweis, dass der Liter Leitungswasser 220 Gramm CO2 spart im Vergleich zu einem Liter Trinkwasser in PET-Flaschen. Wichtig sei allein, dass keine Zeit mehr verschwendet werde, dass sofort gehandelt werde.
Wagner brennt eigenen Worten zufolge für seine Heimat Ostbayern. Der Bauernbub aus der Gegend Waldmünchen beschäftigt heute knapp 150 Mitarbeiter, die Firma verkauft weltweit unter anderem Komplettlösungen für vernetzte Datenkommunikation. Die Initiative „OHA!“ will er als ein persönliches Anliegen verstanden wissen: „Ich möcht´ einfach, dass unsere Region da nicht pennt.“ Denn es komme auf die einzelnen Unternehmen an, nicht auf die Politik; Letztere könne nur in begrenztem Umfang die Rahmenbedingungen setzen. Wagner geht es aber nicht nur um die Unternehmen in Ostbayern. Die gesamte Bevölkerung müsse „umweltkompetent“ werden, den Wert von Wasser und Ressourcen erkennen, man habe sich lange genug geleistet, „nichts zu wissen“.
"Wir spielen Domino"
Die Webseite wird in diesem Punkt sehr deutlich: „Mit den weniger optimistischen Projektionen bis 2100 ist der Fünf-Grad-Kreis allein mit den Emissionen des Menschen satt überschritten. Dabei nicht eingerechnet: Wir spielen Domino. Die richtig großen Steine stehen in der Arktis, Permafrost, und auf dem Meeresgrund, Methanhydrat. Und sie wackeln bedrohlich. Wenn sie fallen, haben wir die Kontrolle verloren.“ Damit genau das nicht passiert, hat Wagner hoffnungsvoll „OHA!“ ins Leben gerufen.













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