18.10.2019 - 14:04 Uhr
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Interview mit Rita Falk über Nervosität, Erfolg und ihren Eberhofer

Neuer Krimi, neues Glück: Was Rita Falk zu Papier bringt, wird ein Bestseller. Was die Autorin unternahm, damit bei Lesungen nicht mehr ihre Knie schlackern und was sie macht, wenn sie nicht schreibt, verrät sie im Interview.

Rita Falk stellt auf der Frankfurter Buchmesse ihren neuen Krimi "Guglhupfgeschwader" vor.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Rita Falk ist ein Tausendsassa, mit jedem neuen Krimi erobert sie die Bestsellerlisten, eine Verfilmung nach der anderen läuft im Kino. Auch wenn in ihren Büchern jede Figur ein bisschen, aber keine so richtig sympathisch ist, hat die 55-Jährige Tausende Fans.

Die in Oberbayern lebende Autorin verfolgte auch den Prozess in Weiden um ein Franz-Eberhofer-Faschingskostüm mit juristischen Folgen. Und erzählt, dass sie Weiden kennt, vor allem das Eisstadion: Ihre Söhne haben ein paar Mal mit ihrem Verein gegen die Blue Devils gespielt - "und immer gewonnen", scherzt Falk. Man kann von ihren Büchern halten, was man will. Im Gespräch gewinnt die sympathische Autorin jeden Kritiker für sich.

ONETZ: Franz Eberhofer ist ein Polizist, wie man sich heute keinen Polizisten mehr vorstellen kann: Er hat keinen Ehrgeiz, die Fälle schnell zu lösen, ist ein Chaot. Das ist aber nicht ganz ernst gemeint.

Rita Falk: Rita Falk: Nein, natürlich nicht. Ich schreibe ja keine Sachbücher oder blutrünstige, skandinavische Thriller, sondern lustige Provinzkrimis. Natürlich sind alle Figuren überspitzt dargestellt, aber mir wird auch oft von Polizisten gesagt: Der Eberhofer ist so, wie sie gerne sein würden, wenn sie denn dürften.

ONETZ: Ihr Mann war auch Polizist. Hat er Ihnen Anregungen gegeben?

Rita Falk: Bei den ersten Büchern hat mich mein Mann beraten. Von seinen Erlebnissen ist das ein oder andere auch verarbeitet worden. Aber inzwischen sind es viele andere Polizisten, die mir Geschichten erzählen und sagen: „Das kannst amal verarbeiten.“ Viel ist von der richtigen Polizei verarbeiten, aber von mir verfremdet und überzeichnet.

ONETZ: Sie und die Figur Susi haben einige Ähnlichkeiten: Sie haben beide Söhne, einen Hund, sind oder waren Bürokraft und mit einem Polizisten liiert. Gibt‘s noch mehr Ähnlichkeiten?

Rita Falk: (lacht) Ich glaube schon, dass ich, wie ich so alt war wie die Susi, wir uns schon sehr ähnlich sind. Punkt. Mehr sag ich da nicht dazu.

ONETZ: Warum kommen die Frauenfiguren in ihren Büchern schlecht weg?

Rita Falk: Kommen die Männer besser weg? Nein, ich glaube, bei mir kommt jeder schlecht weg, ob das jetzt Türken sind oder Albaner oder der Buengo. Es wird jeder durch den Kakao gezogen. Das ist aber überhaupt nicht böse oder diskriminierend gemeint, das ist immer mit einem Augenzwinkern geschrieben. Die Leser – zumindest die, die es kapieren – lesen das auch raus.

ONETZ: Sie haben mal gestanden, dass Sie selbst kein Krimi-Fan sind. In Ihren neueren Büchern geht es kaum um den Mordfall oder kriminalistische Kunst.

Rita Falk: Wenn ich mir Krimis im Fernsehen anschaue oder früher Krimis gelesen habe, ist mir immer aufgefallen, dass die Beamten, die Ermittler kein Privatleben haben. Da wird rund um die Uhr ermittelt, da hat mal einer am Schreibtisch eine kalte Pizza gegessen und das wars. Aber so ist das Leben nicht. Die gehen mal heim, haben eine Familie und ihre eigenen Probleme. Es war mir wichtig, zu sagen: „Das ist ein Schmarrn.“ Auch Polizisten haben ein Privatleben. Drum steht bei mir nicht nur der Krimi im Fokus der Geschichte, sondern auch die Oma, die Susi und der Flötzinger.

ONETZ: Deshalb sind Ihre Bücher eher eine Mischung aus Roman und Krimi?

Rita Falk: Ich glaube, das Wort Provinzkrimi bringt es wirklich auf den Punkt. Ich bin schon oft gefragt worden, ob ich da nicht beleidigt bin, weil Provinzkrimi was abwertendes hat. Für mich hat aber weder das Wort Provinz noch der Krimi was abwertendes. Ich lebe in der Provinz und da lebe ich auch sehr gerne.

ONETZ: Stimmt es, dass Sie am Anfang Ihrer Karriere keine Lesungen halten wollten, weil Sie so nervös waren?

Rita Falk: Ja, das war ganz schlimm. Das war eine der ersten Fragen, die mir mein Agent gestellt hat. Er wollte wissen, ob ich denn Lesungen machen kann. Da habe ich sofort wie aus der Pistole geschossen gesagt: „Nein!“ (lacht) Er hat dann gesagt: „Das wird dann schwierig, das gehört zum Berufsbild Autor einfach dazu.“ Dann habe ich ein Vierteljahr zweimal in der Woche autogenes Training gemacht. Bei den ersten Lesungen habe ich dann immer verlangt, dass auf den Lesepults eine bodenlange Tischdecke ist, damit die Leute nicht sehen, wie meine Knie zittern. Die ganze Stunde, in der ich gelesen habe, haben die nicht aufgehört, zu zittern. Das war ganz krass. Aber ich hab es gelernt.

ONETZ: Wie geht es Ihnen bei Terminen wie heute auf der Buchmesse?

Rita Falk: Gut, mir macht das alles Spaß. Man trifft Kollegen, man trifft Leute vom Verlag, das ist wie ein Klassentreffen. Ihre Figuren sind so beliebt, dass sich Leute im Fasching als Franz Eberhofer und Rudi Birkenberger verkleiden. Haben Sie den

ONETZ: Prozess in Weiden und die Geschichte ums Lewakasfest danach verfolgt?

Rita Falk: Natürlich habe ich das mitbekommen. Den Anstoß, dass Constantin-Film die Strafe zahlt, ist von mir gekommen. Ich habe gesagt: „Die Burschen zahlen die Strafe nicht, die zahl ich selber.“ Dann hat Constantin gesagt: „Das brauchst du nicht zahlen, das zahlen wir.“

ONETZ: Und wie fühlen Sie sich, wenn sie so Geschichten hören?

Rita Falk: Ich bin den Fans so unglaublich dankbar, ich mag sie alle. Wenn wir auf Kino-Tour sind – wir sind dann in fünf bis sieben Sälen jeden Tag –, das ist echt anstrengend. Aber bei mir geht keiner aus dem Saal raus, der nicht das bekommen hat von mir, was er will: ob das jetzt ein Autogramm ist oder ein Selfie. Es wird keiner weggeschickt. Die Leute nehmen sich die Zeit für mich, dann nehm’ ich mir die Zeit für sie. Denn ohne die Leser und Kinozuschauer könnte ich mir die Arbeit sparen. Das ist meine Zweitfamilie. Ich habe eine Gänsehaut nach der anderen, wenn ich ihre Geschichten höre, wenn die Oma nicht mehr lesen kann und man ihr die Bücher abwechselnd vorliest.

ONETZ: Ihr Erfolg ist ja aus einer schwierigen Zeit heraus entstanden, Sie hatten Burnout. Denken Sie manchmal zurück?

Rita Falk: Da denke ich schon zurück. Mir hat mal ein Arzt geschrieben, der auch Fan ist: „Den Eberhofer müsste man auf Rezept geben.“ Weil er gemerkt hat, dass Patienten schneller gesund werden, wenn sie über die Bücher lachen können. Als es mir so schlecht gegangen ist, hat mich das Schreiben von „Winterkartoffelknödel“ therapiert. Mir ist es durch das Schreiben besser gegangen.

ONETZ: In Ihrem neuen Buch „Guglhupfgeschwader“ werden dem Lotto-Otto zwei Finger abgehackt, weil er seine Schulden nicht bezahlen kann. Woher haben Sie den die Idee?

Rita Falk: Ich habe Gott sei Dank eine sehr rege Fantasie, und hab mir gedacht: So Geldeintreiber wollen ja irgendwann ihr Geld zurück. Wenn dann gar nichts rüberkommt, werden die wohl auch mal handgreiflich. So ist mir das mit den Fingern eingefallen.

ONETZ: Der Lotto-Otto hat nur seine Mama, aber die wird umgebracht...

Rita Falk: Aber es ist ja schon so, dass sich dann jemand anderes um ihn kümmert.

ONETZ: Rudi Birkenberger lernt eine junge Frau kennen, aber es ist nicht ganz klar, was das für eine Beziehung sein soll. Wie geht’s da weiter?

Rita Falk: Da sag ich nichts dazu. Das ist bewusst offen gelassen, dass mir für den nächsten Krimi nicht die Hände gebunden sind.

Rita Falk kommt in die Region:

Über das geheime Talent der Rita Falk können sich ihre Fans in Regensburg überzeugen. „Ich male schon ein paar Jahre“, sagt die Autorin. „Ich langweile mich recht schnell, da muss ich was machen.“ Sie hat ihre farbenfrohen, meist abstrakten Gemälde, Acryl auf Leinwand, bisher nur bei einer Ausstellung in München öffentlich gezeigt.

Ab Mittwoch, 23. Oktober, sind sie drei Wochen lang in der Hypovereinsbank Regensburg, Hemauerstraße 1, zu den Geschäftszeiten der Bank zu sehen: Montag bis Mittwoch, 9 bis 16.30 Uhr, Donnerstag bis 17.30 Uhr, Freitag bis 16 Uhr. Die Schriftstellerin veranstaltet in der Bank zum Ende der Schau am Mittwoch, 13. November (14 Uhr), eine Signierstunde.

Rita Falk liest am Freitag, 11. November (20 Uhr), in Lauf aus ihrem neuen Krimi „Guglhupfgeschwader“. Die Veranstaltung findet in der Christoph-Jacob-Treu-Halle, Hardtstraße 37, statt. Die Lesung ist Teil der Literatur-Tage in Lauf.

"Guglhupfgeschwader" von Rita Falk ist bei dtv erschienen und kostet 15,60 Euro, als E-Book 12, 99 Euro.

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