14.02.2019 - 18:26 Uhr
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Kein Feiertag für Autofahrer: 60 Jahre mobile Radarkontrollen

Am 15. Februar vor 60 Jahren kommt in Deutschland zum ersten mal ein mobiles Radargerät zur Geschwindigkeitsmessung zum Einsatz. Die Polizei erlebt seitdem immer wieder Situationen, in denen die Beamten nur die Köpfe schütteln können.

Ein Polizist misst die Geschwindigkeit vorbeifahrender Fahrzeuge mit einer Laserpistole.
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Es sind Bilder, über die sich niemand freut. Autofahrer sprechen selten von "Geschwindigkeitskontrolle", viel häufiger fällt das Wort "Radarfalle". Tappt einer hinein, ist er sich meist keiner Ausrede zu schade: "Mein Kind wartet an der Schule" oder "Ich hab das Schild nicht gesehen." Trotzdem gehören die "Blitzer" seit 60 Jahren zum Alltag auf Deutschlands Straßen. Am 15. Februar 1959 kam bei Düsseldorf das erste mobile Radarmessgerät zum Einsatz.

Bis allerdings auch in der Oberpfalz mobil "geblitzt" wurde, hat es noch etwas gedauert - bis zum 8. Juni 1971. Zumindest findet sich zu diesem Datum die erste Aussage zu mobilen Radarkontrollen in den Archiven der Oberpfälzer Polizei. Damals war die Regensburger Verkehrspolizei mit einem Radarwagen unterwegs. 48 Jahre später ist fast jede Polizeidienststelle mit Lasermessgeräten ausgestattet, wie Polizeisprecher Albert Brück erklärt. Zudem gebe es Radargeräte, Einseitensensoren und einen geliehenen Enforcement-Trailer, einen Geschwindigkeitsmesser in Form eines Anhängers, der auf der A3 bei Regensburg im Einsatz ist. Fest installierte Geschwindigkeitskontrollen gibt es in der Oberpfalz nicht. Sie sind laut Brück aktuell auch nicht geplant.

Meistens Einsicht

"Die meisten Autofahrer, die wir anhalten, sind einsichtig", fährt Brück fort. Aber: "Die große Masse sehen wir gar nicht." Lediglich bei der Kontrolle mittels Laser wird der Fahrer angehalten, bei den anderen Methoden kommt der Bescheid per Post. Welches Gerät, wo eingesetzt wird, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. "Lasermessgeräte sind zum Beispiel für Kurven ungeeignet, es braucht eine gewisse Entfernung zum sicheren Anhalten", sagt Brück.

Bei anderen Messarten erleben die Polizisten dagegen immer wieder kuriose Ausreden. "Es gibt Leute, die fahren mehrmals zu schnell durch die Kontrolle, weil sie gesehen haben, dass es geblitzt hat, und wissen wollten, wo der Blitz herkommt", erzählt Brück. Als Ausrede gilt das nicht. "Wer wiederholt zu schnell fährt, muss sich dafür verantworten." Und dann gibt es natürlich noch den Klassiker: Stinkefinger oder ähnliche Beleidigungen auf dem Beweisfoto. "Das geht nicht und wird dementsprechend verfolgt", sagt der Polizeisprecher.

Um das Bußgeld, das im Falle einer Geschwindigkeitsüberschreitung erhoben wird, kümmert sich dann übrigens - außer der Ertappte zahlt Vorort - die Zentrale Bußgeldstelle in Viechtach im Landkreis Regen. Das Geld fließt in die bayerische Staatskasse. In der Bußgeldstelle hat man im Jahr 2017 für die Oberpfalz insgesamt 56 881 Verfahren wegen Geschwindigkeitsverstößen gezählt. Das sind allerdings nur die, die von der Polizei ermittelt wurden. Die ist aber nicht die einzige Stelle, die "blitzen" darf. Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz, dem zahlreiche Orte angehören, meldet zum Beispiel für das Jahr 2017 46 203 Geschwindigkeitsverstöße in der Oberpfalz.

Auch Gemeinden "blitzen"

"Grundsätzlich sind auch die Gemeinden neben der Polizei für die Verfolgung und Ahndung von Geschwindigkeitsverstößen im Straßenverkehr zuständig", erklärt Regierungsrat Alexander Lorenz vom Bayerischen Polizeiverwaltungsamt in Straubing, zu dem auch die Bußgeldstelle gehört. In bestimmten Fällen würden die Zahlungen in den Gemeindehaushalt fließen. Die genauen Zuständigkeiten und Vorschriften seien über Verordnungen geregelt. Grob lasse sich laut Polizeisprecher Brück aber sagen: "Außerorts ist in der Regel die Polizei zuständig, innerorts die Kommune." Aber es gebe auch da Feinheiten. Und: "Wir reden natürlich miteinander."

Landstraßen im Blick

Aktuell habe die Polizei verstärkt Land- und Schnellstraßen im Blick. "Wir haben festgestellt, dass Verkehrsunfälle mit schwerwiegenden Folgen, also schwersten Verletzungen und Todesfällen, häufig an diesen Straßen passieren." Gerade dort erleben die Polizisten immer wieder Situationen, die sie nur noch den Kopf schütteln lassen. "Wenn auf Landstraßen Geschwindigkeiten gen 200 Kilometer pro Stunde gemessen werden, da fragt man sich, wie rücksichtslos manche Verkehrsteilnehmer sind", sagt Brück. Und: "Regeln, die nicht überwacht werden, werden nicht eingehalten."

Wie wichtig diese Kontrollen sind, zeigt die Statistik des Innenministeriums. 608 Menschen kamen 2017 auf Bayerns Straßen ums Leben. Ein Hauptgrund: Raserei. Für 2018 gibt es noch keine Zahlen, laut Pressesprecher Michael Siefener geht das Ministerium aber davon aus, dass zu schnelles Fahren auch im vergangenen Jahr Ursache Nummer eins für schwere Unfälle war. "Verkehrsüberwachung rettet Menschenleben", sagt Brück.

Geschwindigkeitsmessungen auf der B85 bei Bodenwöhr.
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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Bei Blitzern kommen ja immer gerne die Ausreden, man blitzt an den falschen Orten. Dabei ist jeder Ort richtig wo zu schnell gefahren wird. Wer nicht geblitzt werden will, der muss eben die Regeln beachten und wenn er erwischt wird, dann braucht er nicht jammern, sondern muss dazu stehen, fertig.
Die Autofahrer können froh sein, dass man in Deutschland mit den Verfehlungen so gut davonkommt und nicht einen Strafenkatalog wie in der Schweiz hat. Das Ergebnis dort ist aber, dass sich da kaum einer traut es zu übertreiben.
Wer geblitzt wird ist selbst schuld. Da braucht man nicht mit Finger auf andere zeigen oder sich über Abzocke aufregen, denn es zahlen ja nur die, die sich nicht an die Regeln halten.

18.02.2019