Die Wirtschaftsjunioren Regensburg feiern noch bis Sonntag ihr 50. Jubiläum. Auch die Landeskonferenz 2018 findet daher in Regensburg statt. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erklärt Sebastian-Johannes Meier, Regionalsprecher für die Oberpfalz und Kelheim, was die Wirtschaftsjunioren Bayern machen und wirft einen Blick auf die derzeitige Lage in der Wirtschaft.
ONETZ: Herr Meier, was sind die Wirtschaftsjunioren?
Sebastian-Johannes Meier: Wir sind eine internationale Vereinigung von jungen Fach- und Führungskräften. International sind wir organisiert im Netzwerk "Junior Chamber International" (JCI) und wir sind eng mit den Industrie- und Handelskammern (IHK) verbunden. Da findet ein reger Austausch statt, was für junge Unternehmer und Gründer derzeit von Interesse ist. Sinn und Zweck der Wirtschaftsjunioren ist einerseits der Auf- und Ausbau des Netzwerks der einzelnen Jungunternehmer, andererseits aber auch die berufliche und persönliche Weiterentwicklung durch Seminare.
ONETZ: Wie sehen diese Seminare aus?
Sebastian-Johannes Meier: Das ist ganz verschieden: Es können zum Beispiel Seminare mit Kommunikationstraining sein, ein Marketing-Workshop oder ein Vortrag zum Thema Markenrecht. Alles, was eine junge Führungskraft beruflich und persönlich weiterbringt. So entsteht dann auch ein Netzwerk zwischen den Jungunternehmern. Aber auch Kontakte zu erfahrenen Führungskräften können geknüpft werden. Wir haben auch keine Firmen als Mitglieder, sondern die Privatpersonen.
ONETZ: Über welche Themen tauschen sich Ihre Mitglieder aus?
Sebastian-Johannes Meier: Das kann von Steuerproblematik, über Mitarbeiterbindung und -suche bis hin zur Umsetzung von Bauvorhaben alles sein. Ein junger Gründer, der noch unerfahren ist, kann sich Ratschläge holen. Die Wirtschaftsjunioren Regensburg bieten dafür auch die Business-Lounge an. Da werden gezielt Kontakte ausgetauscht, um sich vernetzen. Es ist erfahrungsgemäß ein großer Vorteil für Gründer, wenn sie andere Wirtschaftsjunioren in der Region kennen.
ONETZ: Sind die Wirtschaftsjunioren also ein Verein, in dem Jungunternehmer untereinander Geschäfte einfädeln?
Sebastian-Johannes Meier: Nein, so ist das nicht. Der Austausch findet natürlich auf privater Ebene statt. Natürlich können sich dabei auch Geschäfte ergeben. Das ist aber nicht Sinn und Zweck der Wirtschaftsjunioren. Uns geht es um die persönliche und berufliche Weiterentwicklung. Bei uns kann sich der junge Start-Up-Unternehmer Ratschläge vom erfahrenen Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens holen. Das ergibt sich einfach nebenbei, wenn gemeinsam Seminare besucht werden. Im besten Fall profitieren beide davon.
ONETZ: Was kann ein erfahrener Unternehmer bei den Wirtschaftsjunioren noch lernen?
Sebastian-Johannes Meier: Das große Thema der Wirtschaftsjunioren Bayern lautet in diesem Jahr "Arbeit 4.0". Dabei geht es um die Digitalisierung der Arbeitswelt und wir bieten in allen Regionen auch Veranstaltungen dazu an. Das sind brandaktuelle Themen, die auf viele Unternehmer einprasseln. Da bieten wir natürlich auch Hilfe und die Möglichkeit sich darüber auszutauschen.
ONETZ: Wie schätzen Sie persönlich die fortschreitende Digitalisierung ein?
Sebastian-Johannes Meier: Digitalisierung hat Vor- und Nachteile, allerdings sehe ich die Probleme eher bei den Unternehmen selbst. Sie müssen sich einfach rechtzeitig auf die Digitalisierung einstellen. Ich glaube auch nicht, dass durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren gehen. Die Arbeitswelt wird sich verändern und diese Entwicklung müssen die Unternehmen mitgehen, auch wenn sie rasch voranschreitet.
ONETZ: Wie sehen Sie die derzeitige Lage für junge Gründer? Ist es einfacher geworden ein Unternehmen zu starten?
Sebastian-Johannes Meier: Alleine das Internet erleichtert es jungen Unternehmern auf den Markt zu kommen. Sie haben die Möglichkeit die Kunden günstiger anzusprechen, schon aufgrund von geschicktem Online-Content-Marketing. Früher musste noch teuer Werbung geschaltet werden. Junge Firmen sind heutzutage aber auch einfach viel schneller in den Medien präsent. Das muss nicht heißen, dass es wirklich mehr Neugründungen gibt als früher.
ONETZ: Auf der Website der Wirtschaftsjunioren Bayern wird Ihr Landesvorsitzender Sebastian Döberl zitiert mit: "Gemeinsam mit der Politik wollen wir den Freistaat Bayern zukunftsfähig machen." Wie viel Lobbyarbeit steckt dahinter?
Sebastian-Johannes Meier: Nein, die Wirtschaftsjunioren sind kein Lobbyverband. Es gibt Austausch, aber auf anderer Ebene. Einmal im Jahr gibt es den "Know-How-Transfer". Dabei können Wirtschaftsjunioren aus ganz Deutschland eine Woche lang Bundestagsabgeordnete begleiten und Einblick in das politische Tagesgeschäft gewinnen. Im Gegensatz zur IHK dürfen die Wirtschaftsjunioren sich zwar zu politischen Themen äußern, aber es ist ausdrücklich keine Lobbyarbeit.













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