15.09.2019 - 11:21 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Klare Kante gegen Antisemitismus

Die neu gegründete Deutsch-Israelische Gesellschaft Regensburg/Oberpfalz will aufklären und Stellung beziehen.

Der Vorstand der vor einem Jahr gegründeten Deutsch-Israelischen Gesellschaft Regensburg/Oberpfalz: Vorsitzender Thomas Rudner (Zweiter von links), seine Stellvertreter Ilse Danziger (links) und Stefan Christoph sowie Schatzmeisterin Elisabeth Gross.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Vor einem guten Jahr hat sich die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) Regensburg/Oberpfalz gegründet. Sie will die Verbindungen zwischen Deutschen und Israelis festigen und klar Stellung gegen jeden Antisemitismus beziehen. Auffallend viele junge Menschen engagieren sich in dem Verein.

„Im Grunde leben wir in Regensburg auf einer Insel der Seligen“, sagte Vorsitzender Thomas Rudner am Donnerstagabend bei der ersten Mitgliederversammlung, die im Jüdischen Zentrum Regensburg stattfand. Mit antisemitischen Angriffen habe man es hier so gut wie nicht zu tun. Dennoch statierte Rudner, dass es in der Gesellschaft antiisraelische und antisemitische Haltungen gibt – Tendenz steigend. Besonders ärgert Rudner die aus seiner Sicht einseitige Berichterstattung über den Nahostkonflikt. Meist werde Bezug auf einen Angriff Israels auf Gaza genommen. Erst später werde hinzugefügt, dass Attacken auf Israel vorausgegangen sind.

Er habe daher eine politische Notwendigkeit gesehen, auch in Regensburg eine DIG-Arbeitsgemeinschaft zu gründen, sagte Rudner. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft besteht seit 1966 und ist gemäß ihren Leitsätzen eine Organisation, in der „Freunde Israels in überparteilicher Zusammenarbeit zusammenfinden, um in Solidarität mit dem Staat Israel und seiner Bevölkerung zu wirken“. Die Gründungszeit beschreibt Rudner als „aufregend“. Erst sei nicht klar gewesen, ob in der Region genügend Interessierte zusammenkommen.

Mittlerweile hat der Verein 30 Mitglieder, Rudner erwartet, dass es noch mehr werden. Mit allen Parteien in der Oberpfalz habe man Kontakt aufgenommen. „Das Echo war ermutigend.“ In den Reihen der DIG gebe es Vertreter aus fast allen Parteien – einen CSU-Politiker würde sich Rudner noch als Mitglied wünschen. Bei der Versammlung in Regensburg sprachen sich die Mitglieder einstimmig für eine Unvereinbarkeit einer AfD- und einer DIG-Mitgliedschaft aus.

Die Teilnehmer der Mitgliederversammlung waren überwiegend jung. Der größte Teil gehört dem „Jungen Forum“ an, der Plattform für DIG-Mitglieder im Alter zwischen 14 und 35 Jahren. Sie sind es auch, die ein umfangreiches Jahresprogramm auf die Beine gestellt haben. Die nächste Veranstaltung ist ein Vortrag von Politikwissenschaftler Florian Markl am 19. September um 19 Uhr im Regensburger Gewerkschaftshaus zum Thema „Islamischer Antisemitismus“.

Die DIG selbst plant möglichst noch in diesem Jahr eine Veranstaltung mit dem bayerischen Antisemitismusbeauftragten Ludwig Spaenle, früher Kultusminister im Freistaat. Im nächsten Jahr will die Gesellschaft mit weiteren Veranstaltungen und einem Infostand in der Innenstadt weiter auf sich aufmerksam machen. Und noch eine möglicherweise weitreichende Idee spukt Vorsitzendem Rudner im Kopf herum: Er könnte sich vorstellen, der Stadt Regensburg vorzuschlagen, neben den bestehenden acht Städtepartnerschaften eine weitere Partnerschaft mit einem israelischen Ort einzugehen.

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