13.11.2019 - 15:43 Uhr
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Der König der Lüfte ist zurück in der Oberpfalz

Lange Zeit fehlte der Adler in der Oberpfalz. Doch seit den 90er-Jahren brüten die edlen Vögel wieder hier. Ihr Bestand nimmt weiter zu. Bei dem Comeback geholfen haben engagierte Adlerfreunde – und ein Ort, an dem es knattert und kracht.

Ihre – meist ehrenamtliche – Arbeit beflügelt sie: Die Oberpfälzer Horstbetreuer wurden von Regierungspräsident Axel Bartelt (vorne, Zweiter von links) mit Urkunden ausgezeichnet.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil
Daniel Schmidt-Rothmund vom Nabu-Vogelschutzzentrum.

1992 ließ sich zum ersten Mal wieder ein Brutpaar in der Oberpfalz nieder – mitten auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Dass dort schwere Militärfahrzeuge unterwegs sind und geschossen wird, scheint die Vögel nicht zu stören. Bis heute sind die Übungsplätze in Grafenwöhr und Hohenfels die Hotspots für Adler in der Oberpfalz. „Die Tiere können mit den Militärübungen gut leben“, sagte Stefan Härtl, Naturschutzbeauftragter bei den US-Streitkräften in Grafenwöhr, am Dienstag bei einem Treffen der Oberpfälzer Horstbetreuer in Regensburg. Die Adler würden besonders die großen menschenleeren Bereiche auf den Übungsplätzen schätzen.

Rund 30 Adlerpaare haben sich mittlerweile wieder in der Oberpfalz angesiedelt, erklärte Daniel Schmidt-Rothmund, Leiter des Nabu-Vogelschutzzentrums. Zentral sei dabei die – meist ehrenamtliche – Arbeit der Horstbetreuer gewesen. Die Adlerfreunde errichteten künstliche Nisthilfen an den höchsten Bäumen der Wälder. Vor allem die Fischadler nehmen die Horste gut an. Die Seeadler bauen sich hingegen nach wie vor lieber ihr eigenes Nest, wie Schmidt-Rothmund erklärte. Mit der Familienplanung würden sich die majestätischen Vögel Zeit lassen. „Ein Jahr feiern sie Verlobung“, sagte der Experte. Oft würden sie erst im dritten oder vierten Jahr zum ersten Mal brüten.

Beim sechsten Horstbetreuertreffen an der Regierung der Oberpfalz wurden am Dienstag zum ersten Mal die Menschen ausgezeichnet, die viel Zeit und Herzblut in den Aufbau und Erhalt der Adlerpopulation stecken. „Ich finde es wunderschön, dass Sie es geschafft haben, dass der König der Lüfte in der Oberpfalz wieder heimisch wurde“, sagte Regierungspräsident Axel Bartelt. Er freue sich, dass es im Regierungsbezirk eine ausgeprägte Willkommenskultur für die Adler gebe. Das bestätigen auch die Zahlen: Von den 25 Seeadler-Brutpaaren in Bayern lebt die Hälfte in der Oberpfalz. Die 20 Fischadler-Paare nisten sogar fast alle in der Oberpfalz.

Der Kreis der Horstbetreuer sei in den 90er-Jahren noch überschaubar gewesen, blickte Bartelt zurück. Mittlerweile hat sich ein loses Team von 70, 80 Mitstreitern gebildet, die die Horste bauen und betreuen und die Vögel beringen. Auch durchtrainierte Kletterer gehören zur Gruppe. Sie bringen die Horste in luftiger Höhe an den Bäumen an.

Regierungspräsident Bartelt überreichte 39 Adlerfreunden, die sich besonders lange und intensiv engagieren, die Auszeichnung „Natura-2000-Partnerschaft“. Das bayerische Umweltministerium würdigt mit dieser Auszeichnung seit kurzem beispielhafte Aktivitäten und Projekte rund um den Schutz des europäischen Naturerbes. Neben Urkunden nahmen die Geehrten jeweils auch ein Glas Juradistl-Honig in Empfang.

Interessierte können per Webcam einen Einblick in das Familienleben im Adlerhorst erhalten, unter www.eschenbach-opf.de/freizeit-tourismus/adlerhorst.

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