17.06.2020 - 21:22 Uhr
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Kommentar: Wolbergs-Prozesse spalten die Gemüter - und sogar die Richter

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Die beiden Wolbergs-Prozesse haben Regensburg bewegt – und in zwei Lager geteilt. Juristisch ist die Aufarbeitung nun zumindest vorerst abgeschlossen. Kommunalpolitisch gibt es noch Gesprächsbedarf, kommentiert Hanna Gibbs.

Vier Jahre Spenden-Affäre Wolbergs in einem Bild. Am 14. Juni 2016 begannen die Ermittlungen, nun ist das zweites Urteil gefallen. Das Bild entstand im Januar 2020.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil
Kommentar

Das Wolbergs-Verfahren polarisierte von Anfang an. Für die einen war Joachim Wolbergs schon ab dem Bekanntwerden der ersten Ermittlungen ein korrupter Politiker, der mit der Baubranche gemeinsame Sache machte. Die anderen stellten sich schützend vor ihren "Wolli", dem sie Käuflichkeit niemals zutrauten. Dann kamen 60 Verhandlungstage im ersten und 35 im zweiten Wolbergs-Prozess. Die vorgeworfenen Sachverhalte waren komplex und wurden von Staatsanwaltschaft und Verteidigung stets völlig konträr eingeordnet und interpretiert. So verwundert es letztlich nicht, dass zwei Kammern des gleichen Gerichts die Vorwürfe teils anders gewichteten. Während die Richterin im ersten Verfahren Wolbergs gnädig einen "Verbotsirrtum" einräumte, urteilte der jetzige Richter härter. Doch auch bei ihm hieß es in mehreren Anklagepunkten: Freispruch. Von den Prozessen in Erinnerung bleiben werden auch gravierende Fehler der Ermittler. Vor allem aber trat ein System zum Vorschein, dass es nicht hätte geben dürfen: Eines, in dem wenige Bauträger viel zu teure Wahlkämpfe finanzierten - von SPD und CSU. Dass die Stadt daraus lernt, bleibt zu hoffen. Regensburg muss seinen eigenen Weg aus der Misere finden - genauso wie Wolbergs auch.

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