24.09.2020 - 15:13 Uhr
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"Meine Krimi-Figuren haben ein Eigenleben

Schon als Elfjährige hat Hilde Artmeier Schulhefte mit Geschichten vollgeschrieben. Heute lebt die Regensburger Autorin vom Schreiben. Im Zentrum ihrer zweiten Krimireihe steht die lebensfrohe Privatdetektivin Anna di Santosa.

Hilde Artmeier steht vor der Regensburger Dom. Die Autorin lässt ihre Krimis vor der Kulisse der Donaustadt spielen. Im Dom wird in ihrem neuesten Roman „Stille Donau“ ein toter Journalist gefunden.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Hilde Artmeier mag ihre Hauptfigur, das merkt man ihr an. „Ich wollte eine Figur erschaffen, die mir sympathisch ist und mit der ich viele Jahre verbringen kann“, erzählt Artmeier im Gespräch mit unserer Zeitung. „Stille Donau“ ist bereits der fünfte Roman, in dem Anna di Santosa in der Domstadt ermittelt. Die Halbitalienerin ist eine Wucht: Sie schafft es nicht nur, als Privatdetektivin die kniffligsten Fälle zu lösen. Nebenbei betreibt die ehemalige Polizistin eine Modeboutique und managt das Familienleben mit ihrem Sohn und ihrem Lebensgefährten. Mit ihrem Ex-Mann, einem Kripobeamten, liefert sie sich immer wieder einen Wettbewerb darum, wer einen Fall als erstes löst. Diesmal geht es um Verrat und einen übermächtigen Gegner.

„Ich wollte keine abgehobene Krimi-Protagonistin“, sagt Artmeier. Sondern eine Privatdetektivin, die mit beiden Beinen in ihrem kunterbunten und teils komplizierten Leben steht. „Anna versucht ständig, ihre verschiedenen Aufgaben zu jonglieren, wie so viele berufstätige Frauen auch. Manchmal schafft sie es besser, manchmal nicht.“ Als Halbitalienerin ist Anna di Santosa die Familie, Beziehungen und die Liebe zur Heimat besonders wichtig. „Das hat sie von mir“, erzählt Artmeier lachend. Die 56-Jährige gebürtige Oberbayerin, die zwei erwachsene Kinder hat, lebt mit ihrem Ehemann Wolfgang Burger, der ebenfalls erfolgreicher Krimi-Autor ist, seit vielen Jahren in Regensburg. Sie liebt die „nördlichste Stadt Italiens“.

Ehemann Wolfang Burger ist es auch, der die neuesten Abenteuer von Anna di Santosa als Erster lesen darf. „Das Exposé, das ich für den Verlag schreibe, liest auch mein Mann“, erzählt Artmeier. Seine Anregungen sind ihr wichtig. Als Ehepaar hätten sie einen guten Weg gefunden, gegenseitig konstruktive Kritik an den Texten des anderen zu üben, sagt Artmeier.

Eineinhalb Jahre hat es bei „Stille Donau“ von der Grundidee bis zum erschienenen Buch gedauert. „Ich schreibe sehr durchdacht“, sagt die Autorin. Sie erschafft einen Szenenplan, der auch auf Details wie Uhrzeiten und das Wetter eingeht. Nach dem Exposé folgt die Rohfassung des Romans – die Artmeier bis zu zehn Mal bearbeitet. Es brauche viel Disziplin und Konzentration, um einen Krimi zu schreiben, erklärt sie. Artmeier ist es wichtig, jeden offenen Handlungsstrang zu Ende zu führen und gelegte Fährten aufzulösen.

Hilde Artmeier schreibt in der Regel von acht Uhr morgens bis ein Uhr mittags an ihren Romanen, am Laptop auf dem Schreibtisch. Danach stehen organisatorische Aufgaben an, etwa die Korrespondenz mit dem Verlag. Der Autorin ist es wichtig, dann auch eine Auszeit vom Buch zu haben. „Der Text arbeitet aber in mir weiter, ich brauche die Zeit, um mir über Dinge in dem Roman klar zu werden.“

Schon als Elfjährige hat sie kleine Romane à la „Hanni und Nanni“ in Schulhefte geschrieben, erzählt Artmeier. Ihre Freundinnen warteten stets gierig auf die Fortsetzung. Doch die Schriftstellerin in ihr musste erst mal schlummern – denn zunächst studierte Artmeier Biologie und arbeitete lange Jahre in der Industrie. Doch dann zog die Firma, bei der sie angestellt war, weg. Die Kinder waren vormittags im Kindergarten – diese Chance ergriff Artmeier, um ihrer Leidenschaft fürs Schreiben wieder mehr Zeit zu geben.

Das Label „Regionalkrimi“ mag Artmeier nicht so gerne. Sie möchte Romane für alle schreiben, nicht nur für Regensburg-Kenner. Und doch machen ihre anschaulichen Beschreibungen von Orten in Regensburg – und an weiteren Schauplätzen – einen ganz besonderen Reiz aus. Bevor sie einen Ort in ihrem Roman beschreibt, besucht sie ihn immer nochmal selbst, sagt Artmeier – auch wenn sie ihn schon lange kennt. Das bereite ihr das ganz persönliche Vergnügen, Regensburg nicht nur mit ihren Augen, sondern auch aus der Sicht der neugierigen Privatdetektivin Anna di Santosa zu sehen, die erst seit ein paar Jahren in der Domstadt lebt. „Das ist fast wie ein kleiner Urlaub.“

Bei aller Akribie: Nicht immer behält die Schriftstellerin die Kontrolle über ihre Charaktere. „Die Figuren entwickeln zu einem gewissen Grad ein Eigenleben“, erzählt sie. Sie erschaffe die Figuren zwar, doch deren Verhalten überrasche sie selbst manchmal. Das sei ein faszinierender Mechanismus beim Schreiben, „den ich selbst nicht ganz verstehe“, räumt Artmeier lächelnd ein. Was ihr auch schon passiert ist: Dass sie eine Figur so gern gewonnen hat, dass sie ihr den geplanten Krimi-Tod nicht mehr zumuten will. „Dann lasse ich mir etwas anderes einfallen.“

Der neue Roman von Hilde Artmeier:

"Stille Donau"

In ihrem fünften Fall macht sich die quirlige Regensburger Privatdetektivin Anna die Santosa auf die Suche nach drei wertvollen Gemälden und stößt auf einen ermordeten Journalisten im Dom. Spuren führen sie bis in die Schweiz und ins italienische Apulien. Dunkle Mächte bedrohen schließlich ihr eigenes Leben. Der Kriminalroman „Stille Donau“ von Hilde Artmeier, erschienen im Emons-Verlag, 304 Seiten, 13 Euro, ist ab sofort im Handel erhältlich.

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