04.12.2019 - 16:22 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Künstlerische Auslotung des Raums

Claudia Busching, Ute Essig, Ursula Sax und Pomona Zipser gehen nicht an die Decke und wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand. Dennoch reicht den Künstlerinnen eine gängige Platzierung ihrer Kunstwerke oftmals nicht aus.

Die Arbeiten dieser Ausstellung ragen aus der Wand, stapeln sich oder hängen von der Decke. Die vier Berliner Künstlerinnen Claudia Busching, Ute Essig, Ursula Sax und Pomona Zipser loten die Räume des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg aus.
von Susanne WolkeProfil

Hängen, stellen oder legen? Die vier Künstlerinnen der aktuellen Schau im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein brauchten da nicht lange zu überlegen. Objekte, die aus der Wand ragen, über den Boden führen oder im wahrsten Sinne des Wortes raumgreifend von der Decke hängen: Claudia Busching, Ute Essig, Ursula Sax und Pomona Zipser sind keine Grenzen gesteckt. "Hängen, stellen, legen!" Ja bitte.

Unter genau diesem Motto stellen die vier Berlinerinnen derzeit im Kunst- und Gewerbeverein aus. Die Präsentation zum Jahresende folgt einem Konzept, das der Kunstverein schon seit einiger Zeit verfolgt: Aktuelle Positionen der Bildhauerei sollen gezielt in den Fokus gerückt werden. Mit den aktuellen Vertreterinnen dieser Kunstgattung zeigt der Regensburger Ausstellungsraum einmal mehr durchaus unerwartete Auslegungen der in der aktuellen Kunst etwas ins Hintertreffen geratenen Stilrichtung Bildhauerei.

Harmonisches Ganze

Waren es in den vergangenen Jahren Honigwaben und Plastikstuck, die das Ausstellungsjahr im Kunst- und Gewerbeverein zu einem opulenten Ende führten, so warten die vier Gäste aus Berlin mit nicht weniger innovativen Herangehensweisen auf. Claudia Busching, Ute Essig, Ursula Sax und Pomona Zipser: Die Materialien und Arbeitsweisen der vier Künstlerinnen sind unterschiedlich. Und fügen sich dennoch zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Fragil und elegant wirkt diese Schau, in der zurückhaltende Farbtöne ebenso dominieren wie ungewöhnliche Methoden. Da sind Claudia Buschings zarte Skulpturen aus Haselnussholz. Neben dem Naturmaterial nimmt sich die Künstlerin auch Beton, Fahrradreifen oder Gummibänder vor und mischt sie zu Collagen und Reliefs.

Stickgarn auf Papier

Auch Ute Essig greift auf Rohmaterial zurück, das leicht zur Verfügung steht. Mit Stickgarn auf Papier "zeichnet" sie Muster. Oder sie stapelt einfache Porzellantassen aufeinander, so dass diese wie das Rückgrat eines großen Wirbeltieres wirken. Gemeinsamkeit der Arbeiten Ute Essigs: Alles verbindet sich zu durchgehenden Linien. "Roter Faden", heißt eines ihrer Werke.

Die Tendenz zur "Arte Povera" ist auch bei Ursula Sax zu bemerken. Allerdings verwendet die 82-Jährige vermeintliche Wegwerfmaterialien im großen Stil. Eine wie zwei Lungenflügel von der Decke herabhängende Papierskulptur misst schon ihre fünf auf fünf Meter. Außerdem hat die Künstlerin eigens für die Regensburger Ausstellung neue Eisenobjekte geschmiedet. Wie kräftige Grafiken hängen diese nun an der Wand. Die grafische Wirkung ist ein weiteres Merkmal dieser Ausstellung. Pomona Zipser, die vierte im Bunde, arbeitet nicht nur mit Seidenpapier und Holz sondern auch mit Scherenschnitten.

"Rot aus der Wand" heißt eine ihrer Arbeiten, bei der sich eine Formation aus Holz und Metall aus der Mauer herauszudrücken scheint. "Kleine graue Hängende" lautet der Titel einer anderen Skulptur, bei der Holz, Strick und Stein von der Decke baumeln. Hängen, Stellen, legen: Was das betrifft, lassen sich die vier Künstlerinnen keine Grenzen setzen.

Info:

Service

Die Ausstellung „Hängen Stellen Legen. Konzepte zum Raum“ läuft bis zum 22. Dezember im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. (wsu)

www.kunst-und-gewerbeverein.de

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