27.03.2020 - 12:55 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Kunst in der Corona-Quarantäne

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Der Mann steht in seinem Wohnzimmer und tut, was er immer getan hat: Rudy Christl zaubert. Ohne Publikum, aber mit Toilettenpapier-Rollen in der Hand. Seine Kunststücke hat der 62-jährige Regensburger bei Facebook eingestellt. Einfach nur, um mitzuteilen: "Es gibt noch anderes als Corona."

Auftrittsort Wohnzimmer statt Bühne: Magier Rudy Christl geht ins Internet mit seinen „Tricks rings um das Toilettenpapier“.
von Autor HOUProfil

Die Künstler stehen mit dem Rücken zur Wand. Das tun sie meist, wenn Publikum vor ihnen sitzt. Doch jetzt ist schlagartig alles anders. Eben noch war der freiberufliche Magier Rudy Christl bei einem Auftritt in Wernberg-Köblitz. Doch zwischen diesen Abend und den momentanen Zustand hat sich eine Barriere gesetzt, die von George Orwell stammen könnte. Dem Mann aus Regensburg und mit ihm viele andere aus dem künstlerischen Bereich, sind Auftritte abgesagt worden und damit Einnahmen weggebrochen. Das geht an die Existenz. Dicke Finanzpolster sind nicht vorhanden.

Magische Nächte auf Video

Der Zauberer kann den gewohnten Normalzustand nicht herbeizaubern. Also finden magische Nächte in seinem Haus statt. Ohne Auditorium zwar, aber von der Kamera aufgenommen. "Ich poste nichts Negatives", hat sich der stämmige Mann mit dem Ziegenbärtchen vorgenommen. Also geht er her und lässt eine Rolle in seinen Händen erscheinen, die hinein passt in unsere momentane Zeit: Klopapier. Das wird wohl auf ewig mit der Coronakrise in Deutschland verbunden bleiben.

Die Einnahmen sind schlagartig weggebrochen. Doch Showbusiness kann den Leuten auch via Internet übermittelt werden. Das bringt dem Künstler zwar nichts auf seinem Konto. Aber Rudy Christl ist der festen Überzeugung: "Lamentieren hilft nichts. Wir müssen die Menschen auf andere Gedanken bringen." Deswegen zündet der 62-Jährige mit den Home-Shows eine Art Licht im dunklen Tunnel der Corona-Apokalypse an. Mit Illusionen, die im Internet gratis sind.

Die aus Triebendorf bei Wiesau stammende Kabarettistin Christina Baumer hat das Projekt „Quarantänekunst“ ins Leben gerufen. Von ihrem Wohnzimmer aus koordiniert es die 34-Jährige nun.

Mit seinen Bemühungen ist Rudy Christl nicht allein. Die Kabarettistin Christina Baumer hat sich angeschlossen. Die 34-Jährige stammt aus dem Raum Wiesau (Kreis Tirschenreuth), hat in Regensburg studiert und lebt heute in München. Sie hat von ihrer Wohnung aus das Projekt "Quarantänekunst" quasi aus dem Boden gestampft und 40 Künstler, die vorwiegend aus Bayern stammen, zum Mitmachen bewegt. "Ich will nicht, dass wir depressiv daheim sitzen", hat sie geäußert. Folglich laufen Kameras in Wohnzimmern.

Mit der "Quarantänekunst" machen die Kunstschaffenden nun auf sich und die prekäre Lage aufmerksam. Berufskollegen schicken der 34-Jährigen ihre Videos und sie koordiniert alle Beiträge, die in den sozialen Medien wie Facebook, Youtube und Instagram gezeigt werden.

Ende der Karriere?

Dabei schwingt die Hoffnung mit, dass man sich im Freistaat mittels eines aufgelegten Hilfsfonds auch ihrer erinnert. "Denn für viele Solo-Künstler kann ein langer Ausfall das Ende der Karriere bedeuten, weil sie kein finanzielles Polster haben", hat die gebürtige Oberpfälzerin gesagt.

"Quarantänekunst" ist ein am 13. März von Christina Baumer aus Triebendorf bei Wiesau ins Leben gerufenes Projekt. Dabei geht es Künstlern darum, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Gemeinsam haben sie einen "Quarantänesong" aufgenommen. Zu den Videos: www.facebook.com/kunstinquarantaene

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