Regensburg. Dass die Summe der gezeigten Arbeiten von der Vorstandschaft eher verhalten verkündet wird - nur 106 von 453 eingereichten Werken fanden diesmal den Weg in die Jahresausstellung - ist die Leistung zweier Damen: Katharina Henkel und Katrin Hippel. Ihres Zeichens Kunsthistorikerinnen und Kuratorinnen sorgten die beiden als zwei-Frau-Jury für ein rigoroses Auswahlverfahren.
Angesagte Fotografie
Das Vorhandensein altbekannter Namen, gilt heuer also nur eingeschränkt. Neben unverzichtbaren Größen der Szene treten in dieser Schau auch etliche bislang wenig bekannte Künstler auf. "JAF" Steubl etwa ist mit einer Persiflage auf den Kreuzerlass vertreten, Rena Mayer mit einer Kettensägenskulptur zweier Menschen. Katharina Tenberge, die vor einiger Zeit schon eine Ausstellung im Andreasstadel hatte, zeigt mit Teilen ihrer fotografischen Serie über Pilsen, dass sie derzeit im Kommen ist.
Am provokativsten verkörpert den Umschwung wohl das "Ready Made" von Korbinian Prasch. In seiner Arbeit "Nachwuchs" sprießt frisches Grün aus einem Totenschädel. Was sicher nicht andeuten soll, dass alle etablierten Künstler der Schau schon zu den alten Knochen zählen. Christina Kirchinger etwa oder Stefan Bircheneder sind erst in jüngerer Zeit prominent geworden, nun aber aus dem Kunstbetrieb nicht mehr wegzudenken.
Fest verankert sind auch einige Urgesteine der regionalen Kunstszene: An Peter Dorn, Maria Maier oder Paul Schinner kam auch diesmal niemand vorbei. "Es der Jury gelungen, eine interessante und facettenreiche Ausstellung zusammenzustellen." Genügend Material für das übliche Resümee des Vorsitzenden Dr. Georg Habers liefert die Schau allemal. Zwar habe man von Seiten des Kunst- und Gewerbevereins an den Wänden durchaus noch Platz ausgemacht für weitere Werke. Der "konsequenten Arbeit" der Jury sei nun aber eine eine ästhetische Präsentation zu verdanken - "und die tut der Ausstellung und den Arbeiten gut".
Ein Aufräumen mit dem horror vacui und eine Verjüngung - das sind die zwei Aspekte der diesjährigen Jahresschau. Auch der Preisträger der Ausstellung ist heuer ganz und gar dem Nachwuchs zuzurechnen: Matthias Weich erhielt den "Kunstpreis des Kunst- und Gewerbevereins für die interessanteste Arbeit der Ausstellung in der Altersgruppe unter 40 Jahren". Mit seinen 29 Lenzen liegt der Jungspund nicht wie üblich noch haarscharf unter der Altersgrenze.
Das Können des Künstlers
Weichs Beitrag ist zwar ein Beispiel dafür, dass die Hoffnung vonseiten des Kunst- und Gewerbevereins auf mehr digitale Medien in der lokalen Kunstszene ein weiteres mal vergebens war. Immerhin aber ist "Wehr", so der Titel der prämierten Arbeit, der Fotografie zuzuordnen - ein Genre, das beim Juryteam Hippel-Henkel ohnehin auf großen Zuspruch stieß.
Dass Matthias Weich es geschafft hat, ohne weitere Bearbeitung eine derart grafische Arbeit auf den Bildträger zu bringen, spricht sogar in besonderer Weise für das Können des Künstlers. Eine Mischung aus dem Schatten des Geländers, der Struktur des Brückenbetons und zarter Graffiti als unruhige Durchbrechung macht die Fotografie zu einer Art Muster. "Es geht mir um Kontraste", sagt Matthias Weich. Er spielt damit nicht nur auf das Zusammenspiel von Hell und Dunkel an sondern auch auf den Unterschied zwischen der geradlinigen Brückenarchitektur und dem in organischer Form darunter fließenden Wasser. Das preisgekrönte Werk steht stellvertretend für diesjährige Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins: Was zählt, ist eine reduzierte Ästhetik.
Die „92. Jahresschau“ läuft bis zum 21. Oktober im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, Ludwigstraße 6. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/58160.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.