25.06.2020 - 17:05 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Kuss hinter Frischhaltefolie

Es war an vielen Orten ein seltsamer Restart der Kultur. Beim Theater Regensburg funktionierte er. Allerdings blieb bei "Paare" das Lachen einige Male hinter der Maske stecken.

Vor einer außergewöhnlichen Kulisse im Innenhof des Regensburger Thon-Dittmer-Palais präsentierte das Regensburger Theater das Stück „Paare“. Die Inszenierung war der Start in die neue Saison: Die Besucher mussten den Sicherheitsabstand einhalten und nur 100 Gäste waren zugelassen.

Regensburg. Während sich auf dem angrenzenden Haidplatz unzählige Menschen trafen, sich umarmten und eng an eng diesen schönen Mittwochabend im Sommer genossen, hatte im Regensburger Thon-Dittmer-Hof alles seine Ordnung. Exakt 100 Zuschauer waren zugelassen. Den Besuchern wurden gruppenweise ihre Plätze zugeteilt und das Publikum hielt sich auch während der Vorstellung tapfer an das Maskengebot.

Nach 95 vorstellungsfreien Tagen hat das Theater Regensburg seine eigene Corona-Pause beendet. Seit 15. Juni und bis 19. Juli stehen zahlreiche Veranstaltungen auf der Freilichtbühne des Thon-Dittmer-Palais auf dem Spielplan. Nun feierte auch die Schauspiel-Sparte ihr Comeback. Mit "Paare" kam ein coronataugliches, auf den ersten Blick fluffig-lockeres Stück zur Aufführung, das die Höhen und Tiefen von Liebesbeziehungen und Ehen - oft schmerzhaft - ausleuchtete.

Ewige Themen

Das Regie-Team Klaus Kusenberg und Daniela Wahl entschied sich für eine einfache Dekoration: Lediglich einige Gartenstühle stehen auf der Bühne. Die Schauspieler drapieren die Stühle schließlich für ihre Szenen selbst - mit Abstand zueinander, versteht sich. Das Stück von Johann Buchholz, das ursprünglich als TV-Serie für arte konzipiert war, entwickelt schnell eine eigene Kraft, die sich aus den giftigen Dialogen der Protagonisten speist.

In 13 Therapiesitzungen treffen immer wieder zwei Menschen zusammen und verhandeln in einem an Speed-Dating erinnernden Konstrukt über die ewigen Themen: Liebe, Lust, Eifersucht, Gefühle, Sehnsüchte und Sex. Das Publikum nimmt dabei höchstselbst auf dem Therapeutenstuhl Platz und lauscht den Beziehungsproblemen von Samuel, Melika, Christian, Sibel und Co.

Auch wenn die insgesamt flotte 75-Minuten-Inszenierung immer wieder die typischen Mann-Frau-Klischees bedient, kommt das Stück immer wieder zu seinem Kern zurück: zur Liebe. Und zu Menschen, die sich nichts anderes wünschen, als geliebt zu werden und sich dieses Gefühl bestenfalls für den Rest ihres Lebens erhalten.

Sportwagen statt Multivan

Der Urlaubsflirt von Frida und Mehdi wird im Alltag zu einer täglichen Konfrontation. Katja analysiert ihren David höchstselbst, indem sie ihm bescheinigt, er würde eine Mutter und keine Frau suchen. Christian ersäuft sich beinahe in seiner Eifersucht, nur um seine Frau schließlich mit seiner langjährigen Affäre zu verlassen. Doch auch er merkt schnell: Der Reiz ist weg. "Es gibt keine gute Ehe", sagt er. Das, was man nicht darf, ist der Sportwagen, die Ehe ist der langweilige Multivan. Da wären auch Michael und Katharina, die nach drei Jahren vor den Scherben ihrer gemeinsamen Zeit stehen. Als er eine Ehe mit einer Eintagsfliege, die ihren Tag im Wartezimmer des Arztes verbringt, vergleicht, hält das Publikum für einen Moment den Atem an. Ein heftiger Vergleich. Da bleibt das Lachen schon mal hinter der Maske stecken.

Als man es nicht für möglich hält, folgt doch noch eine Art Happy End - wenn auch mit Sollbruchstelle. Sibel überredet Melika, sie zu heiraten. "Ich will, dass sich jemand für mich entscheidet", sagt sie eindringlich. Melika scheint nicht glücklich - und willigt dennoch ein. Bei der Hochzeitsfeier - samt Mundschutz - kommt es zu einer wunderbaren Szene, die das geglückte Restart-Schauspiel des Theater Regensburg abrundet: ein Kuss des Hochzeitspaares. Getrennt durch eine Frischhaltefolie. Das Publikum jubelte, lachte, applaudierte. Hoffentlich war es auch auf dem Haidplatz zu hören.

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