02.09.2018 - 13:26 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Maas soll auf der Dult Stimmen holen

Heiko Maas besucht die Regensburger Herbstdult. Dort kämpft der Minister für Europa und gegen Rechtsextremismus.

Ein Prost unter Genossen: Bundesaußenminister Heiko Maas (vorne, rechts) mit Oberpfälzer SPD-Politikern, darunter Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (links) sowie die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (Zweite von rechts).
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Als Saarländer seien ihm Bierzelte nicht fremd, stellt Heiko Maas am Samstagvormittag auf der Regensburger Herbstdult fest. Eine typische Bierzeltrede mit prägnanten Parolen hält der Bundesaußenminister dennoch nicht. Dafür sind seine Themen zu ernst.

Die Dult ist noch im Morgenschlaf, als der Bundesaußenminister aus Berlin vorfährt. An diesem verregneten, kühlen Vormittag soll er sechs Wochen vor der bayerischen Landtagswahl beim Politischen Frühschoppen potenzielle Wähler begeistern. Die SPD steht in Umfragen aktuell bei 13 Prozent, ein historisches Debakel droht. Dafür ist die Stimmung im halbvollen Bierzelt, das mit vielen SPD-Mitgliedern und -Anhängern besetzt ist, recht gut. Die Besucher klatschen und schwenken SPD-Fähnchen, als Heiko Maas eintrifft.

Der Weidener SPD-Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch klärt auf, warum der ein oder andere Oberpfälzer Genosse nicht vor Ort ist. "Mit mehreren Bussen und unzähligen Autos sind viele von uns heute nach Chemnitz gefahren, um dort zu demonstrieren." Das Bollwerk gegen Rechtsextremismus bestehe auch in diesen Zeiten aus der SPD.

Maas kommt gerade von einem Außenminister-Treffen in Wien und berichtet, dass die Ausschreitungen in Chemnitz von seinen Amtskollegen mit Sorge beobachtet werden. "Spätestens, wenn in Deutschland auf offener Straße der Hitlergruß gezeigt wird, wird das europäische Ausland kritisch, nicht zu Unrecht."

Nun seien Rechtsstaat und Politik gefordert, aber auch die Bevölkerung nimmt Maas in Verantwortung. Die Lautstärke einer rassistischen Minderheit werde definiert über das Schweigen der Mehrheit, warnt der Außenminister. Jeder könne dazu beitragen, dass Deutschland ein offenes und tolerantes Land ist. Er attestiert seiner eigenen Generation eine gewisse Bequemlichkeit: "Ich musste mir Demokratie, Freiheiten und Rechtsstaat nicht erkämpfen."

Vehement wirbt Maas für eine enge Zusammenarbeit Europas. In einer globalisierten Welt könnten die europäischen Staaten nur im Verbund ihre Interessen vertreten. Das gelte für amerikanische Strafzölle genauso wie für die außenpolitischen Strategien Chinas oder Russlands. "Wir werden die Herausforderungen nur meistern, wenn wir uns nicht auseinanderdividieren lassen." Der Eindruck, die Bundesregierung beschäftige sich nur mit Migrationsthemen, sei falsch, betont Maas. Die Hauptthemen seien die steigenden Mieten und die Renten - und das sei ein Verdienst der SPD, kommt Maas im Wahlkampfmodus an. Die SPD stehe für eine Stabilisierung der Rentenniveaus. Das Problem der hohen Mieten entstehe aus der Entwicklung, dass Investoren Immobilien als neue Renditemöglichkeit nutzen und die Preise in die Höhe treiben. Dagegen müsse man vorgehen. Maas kritisiert, dass der Schulerfolg von Kindern in Deutschland stark von ihrer sozialen Herkunft abhänge. Deshalb sei die Forderung der Bayern-SPD richtig, Kita-Gebühren abzuschaffen, so dass alle Kinder von Anfang an die gleichen Bildungschancen haben.

Maas schließt mit einer Spitze gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). "Ich würde mich über ein Wahlergebnis in Bayern freuen, das die Klappe von Seehofer in Berlin etwas kleiner werden lässt", ruft er ins Bierzelt. Ihre eigenen desaströsen Umfragewerte außer Acht lassend, quittieren die Genossen das mit viel Applaus und zustimmenden Rufen. Maas beantwortet noch ein paar Publikumsfragen und muss los - drei weitere Termine stehen an diesem Tag in Bayern an.

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