22.05.2021 - 12:22 Uhr
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Nachwuchs bei der Diensthundegruppe Regensburg: Weimaraner Lilly wird Personensuchhund

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Wie wird aus einem süßen Welpen ein ernstzunehmender Polizeihund? Die Diensthundegruppe Regensburg hat einen Neuzugang bekommen. Die Polizisten Michael Dirscherl und Bernhard Meyerhofer geben Einblick in den Ausbildungstag des Welpen Lilly.

Polizeihauptmeister Michael Dirscherl (links) mit Weimaranerin Lilly und Polizeihauptkommissar Bernhard Meyerhofer (rechts) mit Louisiana Catahoula Leopard Sesto gehen für das Training in die Regensburger Innenstadt.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Ein mausgraues Fell, helle Augen und vier große Pfoten. Die Diensthundegruppe des Polizeipräsidiums Oberpfalz in Regensburg hat eine neue Hündin: Weimaraner Welpe Lilly. Die drei Monate alte Hundedame lebt seit etwa einem Monat bei ihrem Herrchen Polizeihauptmeister Michael Dirscherl (39).

Lilly ist sein erster Diensthund: "Seit dem 1. März bin ich bei den Diensthundeführern dabei. Ich wollte schon immer mit den Hunden arbeiten." Schon bevor die Stelle für den Posten ausgeschrieben wurde, hatte der 39-Jährige den Kontakt zu seinem Kollegen Polizeihauptkommissar Bernhard Meyerhofer gesucht.

Meyerhofer ist seit 24 Jahren Diensthundeführer bei der Polizei. Seit 2004 arbeitet er zusätzlich im Ausbildungsprojekt des Bayerischen Innenministeriums für Mantrailing im Diensthundewesen. Also mit Personensuchhunden, so wie Lilly einer werden soll. Er leitet daher die Ausbildung von Lilly und Michael Dirscherl.

Erst der Zehnwechsel

Lillys Ausbildung zur Personensuchhündin beginnt mit der Eingewöhnungsphase. Sie lernt ihr Herrchen und ihre Familie kennen, sowie ihre neue Umgebung. Bernhard Meyerhofer erklärt: "Hund und Hundeführer müssen eine Einheit schaffen und sich gegenseitig vertrauen können." Sobald der Hund bei seinem Herrchen ist, beginnt die Ausbildung. Jeden Tag wird trainiert, wie beispielsweise das Mitfahren im Auto. Vor allem sind erstmal die Grundlagen wichtig, wie Sitz, Platz, Komm und Beifuß gehen. "Wenn Lilly den Zahnwechsel hinter sich hat, kann mit der Nasenarbeit begonnen werden", erklärt Meyerhofer. Wenn der Hund etwa vier bis fünf Monate alt ist, verliert er die ersten Zähne. Nach dem Wechsel ist der Hund konzentrierter um Neues zu lernen.

Spezialisten mit der Nase

Bei den Diensthunden wird zwischen den Personensuchhunden und den Schutzhunden unterschieden. Die Suchhunde müssen Spezialisten mit der Nase werden, erklärt Meyerhofer: "Sie suchen Menschen nach ihrem Individualgeruch, damit Vermisste, Kranke, Demente und Kinder gefunden werden können. Sie können mit ihrer Nase auch bei der Erstellung eines Straftäterprofils helfen." Wenn für die Spürnase eine Suche möglich ist, kann dadurch ein Bewegungsprofil für die Kriminalpolizei erstellt werden. Für Suchhunde eignen sich Jagdhunderassen, wie Weimaraner, am besten. Während ihrer Ausbildung lernt Lilly durch einen Geruchsartikel, zum Beispiel durch ein Tuch, eine Spur zu verfolgen und ihrem Hundeführer durch ihre Körpersprache zu zeigen, wann eine Spur endet. Lillys Herrchen, Michael Dirscherl, erklärt: "Die Nasenarbeit ist die beste Auslastung für den Hund." Sein Kollege Bernhard Meyerhofer stimmt ihm da zu: "Einen Weimaraner muss man beschäftigen, sonst wird ihm langweilig. Die Nasenarbeit ist Gedächtnisarbeit für einen Hund." Der Welpe muss noch einiges mehr lernen, erzählt Michael Dirscherl: "Es kann schon mal passieren, dass man für die unterschiedlichsten Einsätze mit dem Helikopter geflogen oder mit dem Boot gefahren wird. Das ist alles noch neu für sie."

Bootsfahrt mit Wasserschutzpolizei

Deshalb besuchten Dirscherl mit Lilly und Meyerhofer mit seinem fünfjährigen Rüden, Sesto, die Kollegen der Wasserschutzpolizei am Regensburger Hafen. Für Lilly war es die erste Bootsfahrt. Noch etwas tapsig, aber doch vorsichtig bewegt sich die Hundedame auf dem Boot. Nach einigen Minuten entspannt sie sich dann und erkundet neugierig ihre Umgebung. Mit dem Polizeiboot geht es erst bis zur Walhalla und dann zur Regensburger Innenstadt. Dirscherl erklärt: "Es ist wichtig, dass Lilly keine Angst vor verschiedenen Situationen hat und mir vertraut. Eine große Hilfe dabei ist Sesto. Dem läuft sie hinterher und lernt auch von ihm." Sesto ist ein Louisiana Catahoula Leopard und schon erfahren im Dienst als Personensuchhund.

Schlaf dringend nötig

Vor einem großen Kaufhaus lernt der Welpe über ein Gitter zu gehen, in einem Parkhaus mit dem Fahrstuhl zu fahren und entspannt über den Neupfarrplatz zu laufen. Für den Welpen aber ein anstrengender Tag. Auf dem Rückweg von der Innenstadt zum Hafen mit dem Boot fallen Lilly die Augenlieder zu, und sie verschläft die Rückfahrt. Ihr Herrchen erklärt: "Die Welpen brauchen täglich eine Ruhephase zwischen 15 bis 20 Stunden. Wenn sie nicht genug schlafen, sind sie zu aufgedreht und unkonzentriert."

Aus Schleswig-Holstein

Die erste Begegnung zwischen Lilly und ihrem Herrchen war für Dirscherl unbeschreiblich schön. Mit seinem Kollegen Bernhard Meyerhofer holte er sie bei einem Züchter in Schleswig-Holstein ab: "Das war sehr emotional. Meine Familie und ich, wir haben uns wahnsinnig gefreut als Lilly dann bei uns zu Hause war. Durch die Ausbildung habe ich viel Theorie über Hundehaltung gelernt, aber in der Praxis ist es nochmal ganz anders."

Die Diensthunde der Polizisten leben und bleiben, auch wenn sie in Pension gehen, bei ihnen. Bernhard Meyerhofer erklärt: "Die Diensthunde sind nicht nur Kollegen, sondern auch Familienmitglieder."

Ein Hund als Jogging-Partner

BesserWissen
Hintergrund:

Personensuchhund

  • Ausbildungsdauer: Zwei Jahre
  • Kosten: 30 000 Euro
  • Beginn immer im Welpenalter
  • am Ende eine Prüfung, bestehend aus drei Teilen
  • der Weimaraner, ein Jagdhund
  • Gewicht und Größe: Weibchen werden bis zu 35 Kilogramm schwer und erreichen ein Stockmaß von 63 Zentimeter, Männchen bis zu 40 Kilogramm und 67 Zentimeter
  • Einsatz als Jagdhund und Personensuchhund

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