Regensburg
04.12.2018 - 16:16 Uhr

Neu und neugierig auf den Landtag

Freie-Wähler-Politikerin Kerstin Radler zog überraschend ins Maximilianeum ein. Die 57-jährige Regensburgerin ist eine von drei Freie-Wähler-Abgeordneten aus der Oberpfalz.

Bild: Kerstin Radler auf ihrem Platz im Bayerischen Landtag. Bild: privat
Bild: Kerstin Radler auf ihrem Platz im Bayerischen Landtag.

Einfach nur „überwältigt“ war Kerstin Radler, als zwei Tage nach der Wahl feststand, dass sie den Sprung in den Landtag geschafft hatte. Gerechnet hatte sie damit überhaupt nicht. Neben Joachim Hanisch (Schwandorf) und Tobias Gotthardt (Landkreis Regensburg) ist die 57-jährige Regensburgerin nun eine von drei Freie-Wähler-Abgeordneten aus der Oberpfalz.

Besonders freut die Juristin, dass sie als Städterin einen Platz im Maximilianeum ergattern konnte. Die Freien Wähler sind traditionell auf dem Land stark. Neben dem Münchner Michael Piazolo ist Radler das einzige Mitglied der FW-Landtagsfraktion, das aus einer Großstadt kommt. Radler ist nun nicht nur Novizin im Landtag, sie ist auch gleich Fraktionsmitglied einer der beiden Regierungsparteien, nachdem die CSU eine Koalition mit den Freien Wählern eingegangen ist. „Das ist, wie wenn man den Anfängerkurs überspringt“, sagt Radler im Gespräch mit unserer Zeitung. „Von Null auf 100.“ Es sei toll, die Politik gleich aktiv mitgestalten zu können – „auch wenn man als Juniorpartner nicht alles durchsetzen kann“. Gleichzeitig bedeute es natürlich eine noch größere Verantwortung.

Besonders überrascht war Radler darüber, wie überaus freundlich die Verwaltungsmitarbeiter im Maximilianeum auf sie zugingen. Auch die historischen Räumlichkeiten und der Blick über München beeindruckten sie. Das Staunen ging im Plenarsaal weiter. Vom Regensburger Stadtrat, in dem sie seit 2008 Mitglied ist, war Radler normale Stühle gewohnt. Im Landtag darf sie auf einem roten Ledersessel Platz nehmen. Dass der Sitzplatz bequem ist, hat Vorteile. Die Sitzungen laufen teils bis ein Uhr nachts, weiß Radler. Die Abgeordneten schöpfen ihre Redezeit gerne aus, hat sie gehört. Alles laufe höchst professionell und förmlich ab. Die Redner müssten zum Beispiel nach vorne gehen und in ein Mikrofon sprechen. Radler rechnet auch mit harten politischen Auseinandersetzungen. „Das ist nicht so Bussi-Bussi wie in Regensburg, wo man versucht, mit der Opposition gemeinsam etwas auf die Füße zu stellen.“

Radler ist in ihrem Wunsch-Ausschuss für Wissenschaft und Kunst tätig. Das macht in ihren Augen für die Uni- und Museenstadt Regensburg Sinn. Ihr oberstes Ziel ist es, „einen möglichst großen Mehrwert für Regensburg und die Region zu erreichen“. Um das Ohr nah an den Menschen zu haben, möchte sie ein Bürgerbüro in der Regensburger Altstadt eröffnen. Doch sogar für die gebürtige Regensburgerin, die in der Gesandtenstraße aufgewachsen ist, ist es schwer, passende Räumlichkeiten zu finden. „Ich suche noch“, sagt Radler.

Das ist nicht so Bussi-Bussi wie in Regensburg, wo man versucht, mit der Opposition gemeinsam etwas auf die Füße zu stellen.

Kerstin Radler, FW-Landtagsabgeordnete aus Regensburg

Weniger Zeit wird sie künftig in ihrer eigenen Kanzlei am Neupfarrplatz verbringen, wo die Fachanwältin für Familienrecht seit 2006 arbeitet. Ihre Anwaltszulassung will Radler aber auf jeden Fall behalten. Und auch ihr Lebensmittelpunkt soll Regensburg bleiben, auch wenn sie viel Zeit in München verbringen wird, wo sie auch eine Übernachtungsmöglichkeit hat. Eine Umstellung ist für Radler die Pendelei. Bislang radelte die 57-Jährige, die mit dem Regensburger FW-Stadtrat Ludwig Artinger verheiratet ist, zur Arbeit. Jetzt sitzt sie bis zu vier Stunden am Tag im Zug.

Guten Kontakt hat Radler mit den anderen FW-Abgeordneten in der Oberpfalz. Mit Hanisch und Gotthardt hat sie eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Ihr gemeinsames Ziel sei es, nach dem Rotationsprinzip auch in den Landkreisen Präsenz zu zeigen, die keinen FW-Abgeordneten stellen. Für die Freien Wähler sei es wichtig, angesichts der Regierungsbeteiligung nicht abzuheben, meint Radler. Dafür sieht sie aber ohnehin keine allzu große Gefahr. Hubert Aiwanger als FW-Chef und neuer Wirtschaftsminister betone stets, dass er „der Gleiche bleibt“. Außerdem hätten die Freien Wähler eine starke Vernetzung zur Basis. „Das erdet die Leute schon, glaube ich.“

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