31.05.2018 - 14:23 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Neue Ausstellung in der Ostdeutschen Galerie

Roman Ondak geht mit offenen Augen durch die Welt. Und er erkennt: Eine Suppenkelle sieht aus wie ein Planet. Man muss sie nur entstielen und in eine alte Schultafel einfügen.

Roman Ondrak holt den Himmel durch Suppenkellen herunter. Eine Ausstellung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie stellt sein Werk vor.
von Susanne WolkeProfil

Der Künstler schreibt diese Interpretation seines Werkes aber nicht vor - auch wenn die Himmelskörper in Ondaks astronomischer Inszenierung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg recht eindeutig aussehen. "Roman Ondak begegnet dem Betrachter auf Augenhöhe", sagt Kuratorin Dr. Nina Schleif. Jeder darf sich denken, was er will.

Ran an die Interpretation also. Besucherfreundliche Voraussetzungen erwarten das Publikum in der aktuellen Ausstellung des Kunstforums. "Based on True Events" lautet der Titel der Schau. Auf Deutsch: Orientiert an wahren Begebenheiten. An tatsächlichen Dingen, aber mit viel Spielraum zur eigenen Auslegung.

Die auseinandergenommene Schreibmaschine, deren Teile Ondak auf Podeste aus alten Möbeln gestellt hat. Oder die zerstückelten Heizungsrohre seines Hauses, die er zu einer überdimensionalen Kette aufgefädelt und ihnen den Titel "Perfect Society" verpasst hat. All dies darf der Rezipient auch für sich selbst entschlüsseln. Im Grunde genommen sind die Arbeiten des aus der Slowakei stammenden Konzeptkünstlers aber recht zugänglich. Zwei grundlegende Komponenten gibt es in seinem Schaffen: "Die Werke haben oft einen persönlichen Aspekt und einen politischen Hintergrund", erklärt Kuratorin Schleif.

Beispiel Schreibmaschine: Das Stück eines amerikanischen Herstellers wurde in Ondaks Familie über Jahre hinweg sorgfältig gehütet. Obwohl es vom Erzfeind fabriziert worden war. Oder Weltall: Die Russen waren dort die Ersten. Jugendliche im Ostblock wuchsen mit Stolz auf diese Tatsache auf, erfährt man in der Ausstellung. Der Fokus des Kunstforums auf Ost-West-Beziehungen nimmt hier geradezu nostalgische Züge an.

"Man muss nicht in die weite Welt hinaus, um diese zu entdecken", findet der Künstler. "Die Welt ist um einen herum." Versatzstücke für seine Arbeiten stöbert der Künstler oft zuhause auf: die alten Heizungsrohre, den Klingelknopf, den Kleiderschrank. Im Vordergrund der Werke steht die Idee. Ondaks Konzeptkunst hat eine intellektuelle Dimension, die technisches Können in den Hintergrund stellt - und die den Zugang erleichtert. Die Suppenkelle als Planet: Das Bild erschließt sich eigentlich jedem. Bei Roman Ondak macht Kunst Spaß.

Für seine erfrischende Herangehensweise wird der 52-jährige Slowake im Kunstforum Ostdeutsche Galerie nicht nur durch eine große Ausstellung geehrt, die er übrigens selbst mitkonzipiert hat.

Ondak ist zudem Träger des diesjährigen Lovis-Corinth-Preises. Im Turnus von zwei Jahren geht diese von der Künstlergilde Esslingen und vom Kunstforum Ostdeutsche Galerie vergebene Auszeichnung an Künstler, die besonders mit Mittel- und Osteuropa verbunden sind.

Info:

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Lovis-Corinth-Preis 2018. Roman Ondak. Based on True Events“ läuft bis 9. September im Kunstforum Ostdeutsche Galerie im Regensburger Stadtpark. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr und Donnerstag von 10 bis 20 Uhr. Auch an Maria Himmelfahrt, 15. August, ist das Haus geöffnet. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. Weitere Informationen und Anmeldung unter Telefon 0941/297140 oder im Internet unter www.kunstforum.net

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp