14.06.2019 - 13:47 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Neuer Eklat im Namensstreit

Hausverbot, Polizei und Gerichtsverfahren: Uni-Theatergruppe und Studentenwerk liegen seit Jahren im Clinch. Nun eskaliert der Streit erneut.

Der Namensstreit um den Theatersaal an der Uni Regensburg hat sich über die Jahre hochgeschaukelt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Es ist die jüngste Eskalation in einem seit Jahren schwelenden Streit an der Uni Regensburg: Die Gruppe "ueTheater" wirft dem Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz vor, ihr keine Auftritte im Theatersaal an der Universität mehr zu ermöglichen. Im Zuge der Auseinandersetzung musste sogar zwei Mal die Polizei anrücken.

Die Vorgeschichte: Die Gruppe "ueTheater" lädt zu seinen Vorstellungen seit 2007 stets ins "Elly Maldaque Theater" ein - in Erinnerung an die Volksschullehrerin Elly Maldaque, die 1930 eines der ersten Regensburger Opfer des beginnenden nationalsozialistischen Terrors war. Das Studentenwerk, das das Theater fördert, verlangt allerdings von den dort auftretenden Gruppen, den Namen "Theater an der Uni" und ein vorgegebenes Logo zu verwenden.

Keine neuen Termine

"Studentenwerk schmeißt kritische Theatergruppe raus" - mit diesen heftigen Worten betitelte Kurt Raster, Sprecher des "ueTheaters", eine Pressemitteilung, die er jüngst an Medien versandte. Ihm zufolge vergibt das Studentenwerk keine Termine mehr an die studentische Gruppe. Studentenwerk-Sprecher Nicolas Müller wies dies auf Nachfrage unserer Zeitung zurück. "Dem ueTheater wurden Probe- und Aufführungstermine in der Zeit vom 5. bis 15. Juni 2019 angeboten", erklärte er. "Jedoch wurde die Nutzung des Theaters vom Abschluss einer Nutzungsvereinbarung abhängig gemacht, welche Herr Raster nicht abschließen wollte. Daher kann das Theater auch nicht zur Verfügung gestellt werden."

Dem Vernehmen nach geht es bei der Nutzungsvereinbarung um die Regelung, dass eine kommerzielle Miete anfällt, wenn Theatergruppen das Logo "Theater an der Uni" nicht verwenden. Damit fallen statt ein paar 100 Euro Gebühren mehrere 1000 Euro pro Stück an.

Genau diese kommerzielle Miete hatte das Studentenwerk schon einmal vom "ueTheater" verlangt - was zu einem Rechtsstreit im vergangenen Sommer führte, der mit einem Vergleich endete: Demnach erklärte Raster, künftig das vorgegebene Logo zu verwenden, das Studentenwerk verzichtete dafür auf die Geldforderung. Gerlinde Frammelsberger, Geschäftsführerin des Studentenwerks, hatte damals gegenüber unserer Zeitung versöhnliche Töne angeschlagen. Es sei wichtig, dass es gesellschaftskritische Theatergruppen wie das "ueTheater" gibt, hatte sie erklärt. Die Gruppe sei äußerst engagiert und greife aktuelle Debatten auf. "Wir haben den Vergleich geschlossen, damit sie nicht in den Ruin getrieben wird."

Man habe es nach dem Vergleich mit der "Bravheit" aber nicht übertreiben wollen, schrieb Raster nun in seiner Presseerklärung. Deshalb habe man zwar auf Reklame für das nächste Stück verzichtet, aber Plakate mit der Aufschrift "Kein Plakat" gedruckt. Im Kleingedruckten habe man über die "Sanktionspolitik des Studentenwerks" informiert. Daraufhin seien dann die bereits vereinbarten Sommertermine entzogen worden, erklärte Raster.

Gericht: Ausgang offen

Und noch mehr: Er selbst habe zwei Mal ein Hausverbot vom Studentenwerk erhalten und sei von Polizisten aus dem Haus geführt worden. Das "ueTheater" habe eine Anfechtungsklage gegen das Hausverbot sowie einen Antrag auf einstweilige Verfügung eingereicht.

Das Studentenwerk bestätigte sowohl die Hausverbote als auch die Polizeieinsätze. Nicht äußern wollte sich Sprecher Müller zur juristischen Lage. Nur so viel: Es seien mehrere Gerichtsverfahren anhängig. Da der Ausgang noch offen ist, wolle das Studentenwerk keine Stellung hierzu nehmen. Ein Ende des Theaters ums Theater scheint nicht in Sicht.

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