Regensburg
29.10.2018 - 08:20 Uhr

Neuer Roman "Affenleuchten"

„Affenleuchten“ ist der neue Roman der Regensburger Schriftstellerin Lisa Weichart betitelt. Er führt die Hauptfigur in einen surreal anmutenden Alptraum.

Die Regensburger Autorin Lisa Weichart hat einen neuen Roman veröffentlicht. Bild: Thomas Dobler
Die Regensburger Autorin Lisa Weichart hat einen neuen Roman veröffentlicht.

Das Cover ziert ein ungewöhnliches Gemälde des heute vergessenen Malers Gabriel Cornelius von Max (gestorben 1915), das „Affen als Kunstrichter“ benannt ist: ein Haufen Paviane sitzt vor einem Bild in goldenem Barockrahmen, dessen Motiv man nicht sehen kann – nur der Rahmen ist von der seitlichen Ansicht her zu erkennen. Ist das Buch „Affenleuchten“ also ein Künstlerroman oder thematisiert es die Auseinandersetzung zwischen Kunstanspruch und fehlerhafter Rezeption? Wer sich von diesen Fragen leiten lässt, geht in die Irre. Zwar spielt Kunst eine Rolle in der Geschichte, aber fast ausschließlich in Form von Museumsbesuchen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Anja, eine Frau in den Vierzigern, die aus Regensburg stammt. Sie trägt ein Trauma mit sich herum, weil ihr geliebter Mann bei einem Autounfall gestorben ist – während ihr als Beifahrerin nur wenig passierte. In einer Art Brachialtherapie will sich Anja ein Jahr später von der Depression lösen, die sich nicht nur aus dem Verkehrstod ihres Mannes ergeben haben, sondern auch durch eine teilweise Amnesie bei der Frage, welchen Anteil sie selbst an dem tragischen Geschehen hatte. Also vollzieht sie die schicksalhafte Fahrt nach München nach. Wie damals mit ihrem Mann, nur diesmal eben allein, will sie das Besuchsprogramm des verhängnisvollen Tages erneut absolvieren, um möglicherweise auf der Rückfahrt eine Katharsis zu erleben – oder sich in voller Fahrt auf der Autobahn umzubringen.

Hier beginnt die Geschichte, die sich zwischendurch wie ein Thriller und über einige Twists entwickelt. Es zeigt sich dabei, dass der erste Teil des Buches der ausgereifteste ist. Er begleitet die Protagonistin auf ihrem Weg durch München zur Alten Pinakothek, während dem sie immer wieder von Flashbacks und Assoziationen heimgesucht wird, die sie mit dem Grauen des Unfalls konfrontieren. In der U-Bahn lernt sie einen Mann in den Fünfzigern kennen, der ebenfalls ins Museum will und dem sie sich erst widerwillig, dann aber zunehmend lieber anschließt. Ihr Weg führt die beiden unter anderem vor das Gemälde auf dem Buchtitel.

Etwa ab da beginnt der zweite Teil des Buches. Auf ein ungewöhnliches Geständnis ihres neuen Bekannten hin setzt dieser seine Begleiterin mit Ko-Tropfen außer Gefecht und bringt sie zu sich nach Hause. Dort überstürzten sich die Geschehnisse, die oft einer Traumlogik zu folgen scheinen. Es geht um Entführung, Mordversuch, eheliche Untreue, ein Komplott. Thriller oder nicht? Das bleibt stilistisch unbeantwortet. Am Ende des Romans darf dann die Heimatstadt der Autorin noch eine Rolle spielen. Es sieht so aus, als ob sich die Hauptfigur auf ein Happy End zubewegen würde.

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Affenleuchten, Roman von Lisa Weichart, Fehnland-Verlag, 210 Seiten, 12 Euro

Der Roman "Affenleuchten" von Lisa Weichart ist im Fehnland-Verlag erschienen. Bild: exb
Der Roman "Affenleuchten" von Lisa Weichart ist im Fehnland-Verlag erschienen.
 
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