27.03.2020 - 12:50 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Nur Wahres über Regensburg

Klaus Schwafi Schwarzfischer ist als Künstler in Regensburg berühmt - und auch berüchtigt. Jetzt liefert er große Versprechungen und ein humorvolles neues Buch über seine Wahlheimat ab.

„Schwafi“ Klaus Schwarzfischer hat ein Buch über Regensburg geschrieben.
von Susanne WolkeProfil

Das "wahrhaftige Regensburg zwischen gestern und heute" - präsentiert mit viel Witz und Fantasie. Klaus Schwarzfischer gibt sich in seinem neuen Buch als "alternativer Geschichtsschreiber".

"Nichts als die Wahrheit!" Bei solchen Beteuerungen ist Argwohn geboten. Vor allem, wenn sie von einem stammen wie Klaus Schwarzfischer. Nicht, dass es dem Regensburger Allroundkünstler an Seriosität und Glaubwürdigkeit fehlt. Als hauptberuflicher Texter verfasst er auch mal Produktinfos für Modehersteller. Daneben nimmt er aber gerne Regensburg und dessen Kulturpolitik auseinander - kritisch, frech und in der Regel genau auf den Punkt gebracht.

Als Mitinitiator der Regensburg-Parodie "Touristifikation" dürfte Schwafi, wie er sich in diesem Fall nennt, Schrecken verbreiten unter den Verantwortlichen der Stadt. Ob Veranstaltungen wie das zum Massenauflauf mutierte Bürgerfest oder Bauprojekte wie das Museum der bayerischen Geschichte: Wenn Schwafi etwas unter die Lupe nimmt, wird es meist komisch fürs Publikum und dramatisch für die Verantwortlichen.

Seinen neuesten Streich hat er gerade herausgegeben: "Nichts als die Wahrheit über Regensburg". Der Autor gibt sich darin als "alternativer Geschichtsschreiber". Ein Buch über Regensburg für alle, die hier leben und für solche, die die Stadt nicht kennen, so in etwa beschreibt er den 176 Seiten umfassenden Band - "ein Buch über Regensburg aus meiner Sicht". Er wolle wird aufräumen mit Halbwahrheiten. "Wer zum Teufel baute die Steinerne Brücke wirklich?", solche Fragen scheinen noch prädestiniert für eine solide Antwort. Aber Schwafi setzt sich nicht nur mit belegbaren historischen Fakten auseinander. Er fragt weiter: "Wo räkelte sich Kaiserin Sissi in der Sonne?", "Warum grüßt der Eingeborene nicht?" oder "Wo gibt es gemischten Braten für Vegetarier?" Zu Wort kommen etwa ein Taxifahrer, ein Rocker außer Dienst und ein "leidenschaftlicher Fassaden-Tapezierer".

Schwafis neues Buch über seine Wahlheimat Regensburg ist humorvoll, aber nicht gemein. Dass der gebürtige Rodinger Regensburg seit rund 40 Jahren treu bleibt, hat wohl seinen Grund. Eine blumige Liebeserklärung an seine Stadt wäre aber nicht das Ding des Zynikers.

Stattdessen liefert Schwafi "abstruse Geschichten", wie er selber einräumt. Und wo bleibt die versprochenen Wahrheit? "Der Mensch nimmt das, was er schwarz auf weiß gedruckt sieht, meist als wahr hin", lautet die saloppe Antwort. Außerdem: Was ist schon Wahrheit? Legendenbildung, Weitergabe von Gehörtem und individuelle Wahrnehmung spielen hier eine große Rolle, weiß der Geschichtenerzähler.

Anekdoten, Legenden, Beschimpfungen, Stadtspaziergänge, Ansichten, Einsichten: All das hat Klaus Schwarzfischer alias Schwafi zusammengetragen. Sich dem Phänomen Regensburg amüsant zu nähern, ist sein Anliegen. Zu diesem Zweck hat sich Schwafi die Wahrheit manchmal selbst zurechtgelegt. Und dies ist nichts als die Wahrheit.

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