Regensburg
20.01.2021 - 16:20 Uhr

Oberpfälzer Industrie: Lage etwas besser

Die oberpfälzische Metall- und Elektroindustrie kommt nicht aus der Rezession. Eine schnelle Erholung der konjunkturellen Lage wird nicht erwartet. 2021 sollen weitere 2500 Stellen wegfallen Doch es gibt erste positive Zeichen.

René Krahn, Standortleiter von Continental Regensburg, ist seit vergangenem Herbst Vorstandvorsitzender der Region Regensburg bei den Arbeitsgeberverbänden Bayme und VBM. Bild: Robert Seidl
René Krahn, Standortleiter von Continental Regensburg, ist seit vergangenem Herbst Vorstandvorsitzender der Region Regensburg bei den Arbeitsgeberverbänden Bayme und VBM.

„Im Gegensatz zum Sommer hat sich die Lage leicht verbessert“, sagte René Krahn, Vorstandvorsitzender der Region Regensburg bei den Arbeitsgeberverbänden Bayme und VBM, am Mittwoch bei einem Online-Pressegespräch. Das habe eine Umfrage bei den Oberpfälzer Mitgliedsbetrieben ergeben. Darin beurteilten die Betriebe ihre Situation im zweiten Halbjahr etwas positiver als noch im Sommer. „Es herrscht aber noch viel Skepsis“, sagte Krahn, Standortleiter von Continental Regensburg. Nur jeder zweite Betrieb schätzt, dass er Ende dieses Jahres wieder Vorkrisenniveau erreicht haben wird. „45 Prozent erwartet das aber erst im Jahr 2022 oder später, viele können es noch gar nicht abschätzen.“

Die ungewisse Lage wirkt sich auf die Beschäftigtenzahlen aus. Ende 2020 arbeiteten 95 000 Beschäftigte in der Oberpfälzer Metall- und Elektroindustrie. Im Laufe des Jahres waren 3000 Stellen weggefallen. Dabei hätten Kurzarbeit, unternehmenseigene Maßnahmen, die Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht und staatliche Unterstützungshilfen einen noch schnelleren Stellenabbau in der Pandemie verhindert, betonte Krahn. Aktuell seien 16 Prozent der Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in Kurzarbeit. Für 2021 rechnen die Arbeitgeberverbände mit einem weiteren Rückgang um etwa 2500 Arbeitsplätze. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede: Während in der Umfrage 29 Prozent der Betriebe angaben, dass sie befürchten, im ersten Halbjahr Stellen abbauen zu müssen, erklärten 21 Prozent, zusätzliche Arbeitsplätze schaffen zu wollen.

Dass die Betriebe verschieden schwer von der Corona-Krise betroffen sind, erklärte Krahn auf Nachfrage mit der unterschiedlichen Ausrichtung der Firmen. Durch die geringe Investitionsbereitschaft seien Anlagen- und Maschinenbauer besonders betroffen von der Krise, während die Stückzahlindustrie etwas weniger anfällig sei. Mit Blick auf die aktuellen Tarifverhandlungen mahnte Krahn zur Zurückhaltung. „Die Anspannung ist weiter hoch“, sagte er. Im Sinne einer Sicherung des Wirtschaftsstandorts und von Beschäftigung gebe es hier keine Spielräume.

Krahn erinnerte daran, dass sich die bayerische Metall- und Elektroindustrie bereits vor der Pandemie in einer Rezession befunden habe. Seit Mitte 2018 sei die Auftragslage rückläufig gewesen. Mit der weltweiten Verbreitung des Coronavirus sei die Nachfrage nach bayerischen Exporten zwischenzeitlich um die Hälfte eingebrochen. Im November sei die Nachfrage noch rund vier Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen. Mit Blick auf den Präsidentenwechsel in den USA dämpfte Krahn mögliche Hoffnungen. Mit dem Amtsantritt des Demokraten Joe Biden werde der Ton sicher besser. Doch Krahn geht nicht davon aus, dass sich die protektionistische Politik der USA grundsätzlich ändern werde.

Um die Corona-Infektionszahlen weiter zu senken, plant die Bundesregierung eine Verordnung, nach der die Arbeitgeber das Arbeiten daheim ermöglichen müssen, sofern die Tätigkeiten es zulassen. Die Arbeitgeberverbände Bayme und VBM hätten bereits in der Vergangenheit an die Firmen appelliert, die Home-Office-Möglichkeiten in der Pandemie bis zum Maximum auszuschöpfen, sagte Krahn. Er habe den Eindruck, dass das auch intensiv getan werde. Bei Continental Regensburg etwa würden derzeit lediglich 20 Prozent der Beschäftigten am Firmenstandort arbeiten – weil es die Arbeitsplätze in oder bei der Produktion nicht anders zulassen.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.