Regensburg
24.10.2019 - 08:15 Uhr

Ohne Fahrer: Autonomer Bus für Regensburg

Im kommenden Frühjahr soll er losfahren, ganz ohne Fahrer. Regensburg bekommt einen autonomen Bus. Ein Vorbild gibt es schon.

In Bad Birnbach läuft ein Modellversuch mit einem autonomen Bus für sechs Personen zwischen dem Marktplatz und der Therme. Bild: Armin Weigel
In Bad Birnbach läuft ein Modellversuch mit einem autonomen Bus für sechs Personen zwischen dem Marktplatz und der Therme.

„Ja, die Regensburger werden nächstes Jahr autonome Busse in Regensburg sehen und sie nutzen können“, verriet Bürgermeister Jürgen Huber am Dienstag am Rande des 2. Regensburger Verkehrskongresses. Er rechne damit, dass es ab kommendem Frühjahr einen sogenannten „People mover“ in der Stadt gebe.

Das Gefährt könnte ähnlich dem Kleinbus in Bad Birnbach sein. Bereits 2017 startete die Deutsche Bahn im niederbayerischen Kurort einen Pilotversuch mit einem Kleinbus, der elektrisch und ohne Fahrer eine Strecke von 1 400 Metern mit maximal 15 Stundenkilometern im Linienbetrieb zurücklegt. Sicherheitshalber ist ein Fahrbegleiter an Bord, der in kritischen Situationen eingreifen könnte. Denn noch gibt es in Deutschland keinen rechtlichen Rahmen, der Fahrzeuge ganz ohne einen menschlichen Fahrer im Straßenverkehr erlaubt.

Details noch offen

Genau Detail wollte Huber gestern noch nicht bekanntgeben, da die entsprechenden Verträge noch nicht unterschrieben seien. Es sei durchaus möglich, so Huber, dass manche Bürger anfangs skeptisch reagierten. Dennoch ist sich der Grüne Bürgermeister sicher, dass dieser Schritt auf Dauer viele Vorteile hat und erinnerte an den letzten Winter. „Da waren so viele Fahrer krank geworden, dass der RVV nicht mehr alle Verbindungen abdecken konnte.“ Die Bürger müssten zudem keine Angst haben, dass die autonomen Fahrzeuge Arbeitsplätze verdrängen würden. „Wir schaffen vielmehr eine Lösung für das drängende Problem des Fahrermangels.“

Fahrermangel

Dass der Mangel an Fahrern nicht nur in Regensburg oder Bayern, sondern in ganz Deutschland herrscht, bestätigte auch Tobias Koch. „Hier würde das autonome Fahren eine große Entlastung bringen“, betonte er. Der Vertriebsleiter Straßenbahnen bei Siemens Mobility sprach bei der Verkehrskonferenz in der TechBase über den derzeitigen Stand der autonomen Trambahnen anhand eines Pilotprojektes (ohne Fahrgäste), das seit 2018 von Siemens in Potsdam durchgeführt wird.

Bald ist die autonome Tram auf der Straße

Dabei nutzt das Fahrzeug eine ganze Reihe Sensoren als digitale „Augen“, um seine Verkehrsumgebung zu lesen. Zugleich dient künstliche Intelligenz mit komplexen Algorithmen als „Gehirn“. Dieses interpretiert und bewertet die jeweilige Fahrsituation, prognostiziert den weiteren Fortgang des Geschehens und löst die notwendige Reaktion der Tram aus. Abgesehen von einer Störanfälligkeit bei Schnee und Hagel funktioniere die autonome Tram auf der Teststrecken laut Koch so gut, dass sie in fünf bis zehn Jahre ganz regulär im Verkehr fahren könnte.

Verunsicherung bei Bürgern

Natürlich führe so eine Neuheit häufig erst einmal zu Verunsicherung unter den Bürgern. „Als in Nürnberg vor einigen Jahren die ersten vollautomatischen U-Bahnen an den Start gingen, war das Geschrei erst einmal groß.“ Viele fürchteten, dass massig Arbeitsplätze verloren gehen würden. „Doch nachdem man den Leuten erst einmal Zeit gegeben und sie aufgeklärt hatte, habe sich die Lage beruhigt. Mittlerweile lieben es viele Leute im vordersten Teil des Zuges zu sitzen, wo früher der Fahrer die Bahn lenkte“, sagte Koch.

Auch die rechtliche Zulassung werde noch eine Herausforderung sein. Dennoch ist Koch sich sicher, dass die autonome Tram kommen wird. „Der Bedarf ist einfach da“, betonte er. Natürlich sei es eine schwierige Frage, ob man Maschinen letztlich die Verantwortung über Unfälle und gar Menschenleben übertragen wolle. „Aber man darf nicht vergessen, dass auch bei Busfahrern menschliches Versagen vorkommt“, so Koch. Letztlich solle die autonome Tram dazu führen, dass die Sicherheit höher sei als heute.

Sehr gut geeignet

Auf die Frage von Bürgermeister Huber, ob Regensburg dann in zehn Jahren als erste deutsche Stadt die autonome Tram – sozusagen als Stadtbahn – bekäme, ließ sich Koch mit der Antwort ein wenig Zeit. „Ich kann natürlich keinen genauen Zeitpunkt für das Ende unseres Projektes nennen“, sagte er. Aber prinzipiell sei Regensburg als Stadt größenmäßig sehr gut geeignet. Daneben müsse es unter den Bürgern und in der Politik eine Akzeptanz für dieses Projekt geben. „Es ist nun mal viel aufwendiger, Schienen durch die halbe Stadt zu legen, als nur einen Bus durchfahren zu lassen.“ Zuletzt spiele natürlich auch der Kostenfaktor eine Rolle. Die autonome Tram sei deutlich teurer als Busse, dafür aber deutlich nachhaltiger. Bis diese Frage entschiedene werden muss, hat die Domstadt ja noch ein wenig Zeit. Bis dahin kann sie Erfahrungen mit ihrem „People mover“ machen.

 
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