30.07.2018 - 16:44 Uhr
RegensburgDeutschland & Welt

Ohne den Menschen geht es nicht

IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim hat eine Studie zur Digitalisierung in Auftrag gegeben. Eines der Ergebnisse: Trotz Stellenwegfall sind qualifizierte Mitarbeiter höchst gefragt.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes (von links), IHK-Bereichsleiterin Sibylle Aumer und Thorsten Lang von IW Consult stellten die gemeinsame Studie zur Digitalisierung der Arbeitswelt vor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

(gib) Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt in Ostbayern? Einer IHK-Studie zufolge hält sich der Stellenwegfall in Grenzen. Dafür müssen sich die Mitarbeiter auf ein lebenslanges Lernen einstellen.

Bundesweit gebe es bereits etliche Modelle und Szenarien darüber, wie die Digitalisierung die Arbeitswelt verändert, sagte Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, am Montag bei einem Pressegespräch. Um die Auswirkungen auf die ostbayerische Wirtschaft untersuchen zu lassen, habe die IHK beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln Consult GmbH gezielt eine Regionalstudie in Auftrag gegeben.

Das Thema Digitalisierung rufe unweigerlich die Angst hervor, dass massenweise Arbeitsplätze wegfallen werden, sagte Institutsvertreter Thorsten Lang. Frühere Studien seien auch davon ausgegangen, dass fast die Hälfte aller Jobs überflüssig werde. Doch diese Untersuchungen hätten nicht mit einfließen lassen, dass technische Neuerungen auch positive Effekte mit sich bringen. Bereinigt um diesen Faktor sei der Arbeitsplatzwegfall äußerst gering. Allerdings gebe es eine andere Neuerung: Dadurch, dass weniger junge Fachkräfte auf den Markt strömen, müssten die Firmen die Digitalisierung mit den bestehenden Mitarbeitern bewerkstelligen. „Die Weiterbildung wird der zentrale Faktor“, prophezeite Lang.

Weil der IHK-Bezirk industrielastiger sei als Deutschland oder dem restlichen Bayern und es mehr Menschen in Produktionsberufen gebe, sei die Region stärker von der Digitalisierung betroffen. Der Gesamteffekt sei aber immer noch gering: So geht die Studie von einem Rückgang der Gesamtbeschäftigung bis 2035 von 2,0 Prozent aus (Deutschland und Bayern: minus 0,9 Prozent) aus. Das bedeutet einen Wegfall von 10 000 Stellen.

Die Zahl klinge im ersten Augenblick hoch, müsse aber auf einen Zeitraum von 17 Jahren gesehen werden, sagte Lang. Außerdem werde die Bevölkerung bis 2035 in der Altersgruppe von 20 bis 59 Jahren deutlich schrumpfen. Es werde also weniger Stellen, aber auch weniger Beschäftigte geben. „Wenn wir Glück haben, passt das zusammen.“

Wegfallen werden laut Studie vor allem Stellen im Bereich Industrie-, Büro-, Personalwesen- und Elektroberufe. Gesucht würden künftig vermehrt Menschen mit sozialen Berufen oder IT-Kernberufen und Groß- und Einzelhandelskaufleute. Besonders gefragt seien künftig nicht nur IT-Kompetenzen, sondern vor allem auch die Fähigkeit, selbstständig zu arbeiten, zu kommunizieren und zu organisieren, betonte Lang.

Eine große Kluft gibt es der Studie zufolge zwischen Unternehmen, die bei der Digitalisierung bereits gut aufgestellt sind und kräftig in diesem Bereich investieren, und Firmen, die sich wenig um das Thema kümmern. „Die Treiber sind die großen Unternehmen“, sagte Lang. Man müsse aufpassen, dass das Gefälle nicht noch größer wird. Für die Studie wurden 270 Unternehmen im IHK-Bezirk befragt. Als Hemmnisse der Digitalisierung hatten sie vor allem eine fehlende digitale Infrastruktur, fehlendes Fachwissen und die Datensicherheit genannt.

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